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| 5.2.2004 - Stadtnachricht |
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Ein Anwalt für das Heimatgefühl |
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Dr. Alexander Mayer folgt Barbara Ohm als Stadtheimatpfleger - Dass viele Menschen Fürth als graue Stadt empfinden, bedauert Dr. Alexander Mayer. Der neue Stadtheimatpfleger selbst ist da ganz anderer Meinung, wie der Blick in seine Biografie zeigt. "Ich bin in Fürth geboren", sagt er, "und irgendwie nie von dieser Stadt weggekommen." Und so sieht er es als eine seiner wichtigsten Aufgaben in seinem neuen Amt an, den Menschen ein anderes Gefühl für ihre Stadt zu vermitteln. Das Bewusstsein der Bürger für ihre Stadt müsse sich ändern, fordert er. Dann hätte auch die "Liebe auf den zweiten Blick" eine Chance. "Und die Kenntnis der eigenen Geschichte schärft dieses Bewusstsein!"
Der 43-jährige Mayer ist seit 1994 Vorsitzender des Altstadtvereins. Mit Mehrheit hatte sich der Stadtrat für ihn als Nachfolger von Barbara Ohm entschieden, die sich Ende Oktober nach 15 Jahren überaus engagierter Arbeit aus ihrem Ehrenamt zurückzog. Mayer wird vom stellvertretenden Stadtheimatpfleger Dr. Walter Fischer unterstützt. Für seinen Einsatz auch in der Überbrückungsphase dankte ihm Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung.
Die Arbeit des neuen Stadtheimatpflegers wird nach seinen eigenen Worten stark mit Erinnerungswerten zusammenhängen, dem "Erleben von Heimat". "Ortsbezogene Identität" und Heimatbewusstsein lauteten denn auch die Schwerpunkte seines Studiums (Politikwissenschaft, Kulturgeographie und Neuere Geschichte) und seiner Doktorarbeit. Mayer: "Ich habe keinen akademisch-denkmalpflegerischen Ansatz". Ein Beispiel: Der gebürtige Fürther wohnt seit 25 Jahren in einem denkmalgeschützten Haus und kennt die Probleme bei Sanierungen und Veränderungen aus eigener Erfahrung ("wenn durch einen 8er-Bohrer ein 12er-Loch entsteht"). "Das Wichtigste in unserer Stadt ist, dass Altbauten saniert werden, dass etwas Gutes daraus gemacht wird, um ein zahlungskräftiges Publikum anzusprechen." Erst der zweite gedankliche Schritt sei zu überlegen, was und wie viel dafür verändert werden müsse und dürfe, um den Charakter des Gebäudes zu wahren. Nur so könne die alte Substanz überhaupt erhalten werden. Wenn der neue Stadtheimatpfleger im Vergleich zur Arbeit seiner Vorgängerin Barbara Ohm etwas ändern wird, dann sind es in erster Linie zwei Dinge: Zum einen will nach eigenen Angaben stärker die Verbindung zur allgemeinen deutschen Geschichte herausstellen und so das Interesse wecken. "Frau Ohm und ich haben bestimmt zu 95 Prozent die gleiche Meinung, aber einen anderen Zugang." Zum anderen werden sie sich auch im Arbeitspensum unterscheiden: "Das Engagement von Barbara Ohm werde ich sicherlich nicht leisten können", sagt er offen. Als Vater zweier Kinder im Alter von sechs und acht Jahren, Hausmann und als selbstständiger Publizist, der noch dazu an seiner zweiten Promotion in Fränkischer Landesgeschichte arbeitet, fehlten ihm dazu die Freiräume.
Gefragt nach seinen "Lieblingsecken" muss Alexander Mayer nicht lange nachdenken: Kaiserstraße 11 ("von Dambach kommend ist hier die einzig wirklich schöne Einfahrt nach Fürth"), die Mohrenapotheke in der Königstraße 82 mit ihrem originalen Interieur und der reich verzierten Tür, das Stadttheater, die alte Stadtgartenvilla in der Otto-Seeling-Promenade 33, in der das Grünflächenamt untergebracht ist, Nürnberger Straße 102 ("hier kommt der Übergang vom Histo-rismus zum Jugendstil besonders gut zu Geltung") und Nürnberger Straße 132 ("der ,imperialistische Stil' des 1911/12 erbauten Gebäu-des wirft schon seine Schatten auf den Ersten Weltkrieg voraus").
Dass der Jugendstil nach dem Ers-ten Weltkrieg nicht weitergeführt wurde, ist nach Mayers Meinung architektonisch gesehen die größte Fehlentscheidung im 20. Jahrhun-dert gewesen. Denn gerade die vie-len Häuser im Stil des Jugend-stils und des Historismus, wobei letzterer deutlich überwiege, sei-en ein besonderes Identitätsmerk-mal der Kleeblattstadt. In wieder-kehrenden Stadtführungen und Publikationen ("nicht nur für das Bildungsbürgertum") möchte er dieses Wissen vermitteln. Als seine Aufgabe sieht es Mayer auch, den Dialekt und die Kulturszene von Fürth zu wahren, um eine stärkere Identität zu stiften. "Es sollen mehr Menschen wissen, wo sie herkommen oder in welche städtische Kultur sie eingebunden sind", antwortet er auf die Frage, was er am Ende seiner Amtszeit erreicht haben möchte. Mit einer grauen Stadt wird dieses Heimatgefühl dann sicherlich nichts mehr zu tun haben.
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