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27.7.2005 - Stadtnachricht

Erste Erfolge der ARGE Fürth sichtbar

Die Hartz-IV-Umsetzung in Fürth ist trotz zeitlich enger Vorgaben der Politik gelungen. Zum Teil herrscht aber Frust nach ungerechter Kritik.

Die Zahlen sprechen für die erfolgreiche Arbeit der Fürther ARGE.
Foto: Grodel

Vor fast genau einem halben Jahr erhielten erwerbsfähige Hilfeempfänger zum ersten Mal das neue Arbeitslosengeld II, kurz Alg II genannt. Das öffentliche Interesse an den Auswirkungen des unter dem Begriff „Hartz IV“ bekannt gewordenen Bundesgesetzes war enorm – die Berichterstattung aus Sicht der Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Fürth allerdings sehr einseitig. Ihre Kritik: Einzelfälle seien verallgemeinert und Falschinformationen aufgebauscht worden. Aufmerksamkeit fand meist nur, was schlecht gelaufen ist, so das Fazit.
Mangelnde Erreichbarkeit per Telefon, zu wenig Information zu den neuen Abläufen bei Arbeitsvermittlung, Antragsstellung und Terminvereinbarung, teilweise fehlende Fachkompetenz bei den ARGE-Mitabeitern sowie organisatorische Unzulänglichkeiten waren die häufigsten Kritikpunkte der betroffenen Alg-II-Empfänger.
„Dass aber alle Personen, die ihre Anträge rechtzeitig und vollständig abgegeben haben, am 1. Januar reibungslos ihr Geld bekommen haben, darüber wurde, wenn überhaupt, nur am Rande berichtet“, ärgert sich Walter Stöhr, Arbeitsvermittler für die Unter-25-Jährigen. Jürgen Rössner, Teamleiter der Arbeitsvermittlung und stellvertretender Geschäftsführer, erinnert vor allem an den engen zeitlichen Rahmen sämtlicher Arbeiten.

Die Politik habe zeitliche und inhaltliche Vorgaben gemacht, die eigentlich gar nicht einhaltbar waren, meint auch der für den Bereich Leistung zuständige Teamleiter Dieter Riedel: „Parallel zur normalen Arbeit mussten ab September 2004 Organisationsstrukturen und Konzepte entwickelt sowie Räumlichkeiten gesucht werden.“ Binnen sechs Wochen hätten Mitarbeiter unter hohem persönlichem Einsatz die Daten von rund 4000 „Fällen“ erfasst – wobei es bundesweit anfangs fast täglich zu Rechnerabstürzen kam und Computerprogramme nicht richtig arbeiteten. „Die unzähligen Überstunden“, betont Rössner, „sind nicht angeordnet worden, sondern freiwillig geleistet worden.“ Aus sozialer oder christlicher Überzeugung der Mitarbeiter, wie auch Stöhr betont.

Das Personal der ARGE kann aber noch weitere Klagelieder singen: Die vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ermittelten Zahlen seien viel zu optimistisch und dementsprechend der Personalschlüssel viel zu niedrig angesetzt worden. Zwei Beispiele: für Fürth wurden 4300 Alg-II-Bezieher prognostiziert, tatsächlich lag die Zahl im Januar 2005 aber bei rund 5800 und im Juni bei 6200 Personen. Bei der Zahl der Bedarfsgemeinschaften verrechnete sich das bei der Bundesagentur für Arbeit angesiedelte Institut ebenfalls und kam auf nur 3870 statt 4070 (Januar) bzw. 4670 Haushalte.


Ebenfalls in der öffentlichen Wahrnehmung untergegangen sei, dass frühere Mitarbeiter des Sozialamtes und andere Externe erst in Sachen Arbeitsvermittlung während eines dreiwöchigen Crash-Lehrgangs geschult werden mussten – von der Einarbeitung in die neuen Computerprogramm ganz zu schweigen. „Für die kurze Vorlaufzeit sind wir mit der Umsetzung von Hartz IV eigentlich recht zufrieden“, sagt Stöhr. Die Zahlen sprechen für die erfolgreiche Arbeit der Fürther ARGE: Wurden im Januar 55 Leistungsempfänger in den ersten Arbeitsmarkt integriert, pendelte sich die Zahl zuletzt bei rund 240 ein. Gestiegen ist auch die Zahl derjenigen, die sich beispielsweise selbstständig gemacht haben oder die ihren Antrag auf Alg-II nicht verlängert haben: und zwar von knapp 220 auf knapp 520 Personen.

Zahlen, die nach Ansicht der drei Mitarbeiter belegen, dass die ARGE Fürth trotz schwieriger Rahmenbedingungen gute Arbeit leistet. Und das, obwohl erst im Januar 2006, also ein Jahr nach dem Start der Reform das Personal komplett sein wird. Rössner, Riedel und Stöhr hoffen, dass ihre – angesichts der schwierigen konjunkturellen Lage – oft nicht einfach Arbeit und die aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ARGE künftig fairer beurteilt wird. Denn mit Frust im Bauch und dem Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein, arbeitet wohl niemand gerne.

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