Lotte Fridman, geborene Krautheimer, die jüngste Tochter von Nathan Krautheimer, dem Stifter der Fürther Krautheimer Krippe, verstarb vor wenigen Wochen im Alter von 95 Jahren in Stockholm.
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Lotte Fridman, geborene Krautheimer, verstarb vor wenigen Wochen im Alter von 95 Jahren in Stockholm.
Foto: Jüdisches Museum |
Lotte Krautheimer verkörperte ein Stück Fürther Zeitgeschichte. Ihre Familie gehörte im 19. Jahrhundert zu einer der angesehensten jüdischen Familien der Stadt. In seinem Testament verfügte ihr Vater 1910, dass Teile seines Vermögens für einen wohltätigen Zweck verwendet werden sollten. Seine Ehefrau Martha eröffnete daraufhin eine Säuglingskrippe. Die Säuglingssterblichkeit lag in der Industriestadt Fürth zu dieser Zeit bei 25 Prozent.
Die Nachfrage nach Krippenplätzen war dementsprechend hoch. Ohne den heute verankerten Mutterschutz waren berufstätige Mütter gezwungen, ihre Neugeborenen in Pflege zu geben, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Ihre Töchter Lotte und Sophie absolvierten später in der Krippe eine Ausbildung zur Kinderpflegerin.
1912 malte Ludwig von Zumbusch die kleine Lotte Krautheimer im Alter von drei Jahren. Das Gemälde mit dem Titel „Blondchen“, wurde als Fotogravur, Kohledruck und Fotografie in den folgenden Jahren immer wieder kopiert und hing in vielen Kinderzimmern. 1934 emigrierte Lotte Krautheimer aufgrund des wachsenden Antisemitismus nach Stockholm. 1943 wurde sie schwedische Staatsbürgerin.
2000 spendete die Familie Krautheimer einen größeren Betrag an den Verein zur Förderung des Jüdischen Museums Franken und knüpfte an die Familientradition der großzügigen Stiftungen im 20. Jahrhundert an. Diese finanzielle Unterstützung war die größte Einzelspende in der Geschichte des Fördervereins. Damit wurde die finanzielle Grundlage für den geplanten Erweiterungsbau auf dem Nachbargrundstück geschaffen, der unter anderem auch die umfangreiche, nach den Spendern benannte Bibliothek des Museums umfassen soll.
2003 zeigte das Jüdische Museum Franken in zwei Räumen der ehemaligen Krautheimer Krippe die Ausstellung „Was von vorher übrig ist...“, mit der sie die Familiengeschichte Krautheimer wieder lebendig werden ließ. 2004 wurde die Krautheimer Krippe zu einer festen Dependance des Museums mit einer permanenten Ausstellungsfläche in den ehemaligen Räumen der Säuglings- und Kinderkrippe. Hier ist auch das letzte Interview mit Lotte Fridman als Video zu sehen.
Nachkommen der Familie Krautheimer leben heute in England, Kalifornien/ USA, Schweden und Nürnberg. Die Krautheimer Krippe ist von April bis September jeden letzten Sonntag im Monat von 13.30 bis 16 Uhr geöffnet. An diesen Tagen bietet Horst Gemeinhardt immer um 14 Uhr Führungen durch die Ausstellung an. Dependance Krautheimer Krippe, Maistraße 18, Telefon 77 05 77. |