Ausgerechnet in der fröhlichsten Jahreszeit, der Kärwa-Zeit hat das ehrwürdige Fürther Rathaus einst seine schlimmsten Stunden erlebt:
Sämtliche Fenster im Parterre und im ersten Stock gingen zu Bruch und das Rathaus wurde für die restliche Dauer der Kirchweih sogar von 50 Mann Infanterie und 25 Mann Kavallerie besetzt. Was war passiert?
Am ersten Kirchweihmontag, dem 30. September 1872, entwickelte sich aus einem fröhlichen Musikumzug eine Rathausrevolte großen Stils. Ein wunderschöner sonniger Tag hatte Tausende Besucher in die Stadt gelockt. So um 16 Uhr muss es wohl gewesen sein, als einige junge Leute im damaligen Kreitleinschen Gasthofe nach ausgiebiger Trinkerei und Singerei auf die Idee kamen, einen lustigen Musikzug über die Kärwa zu machen. Gesagt, getan und los zogen sie: Voraus die Blechmusikanten und dann die ganze Meute, vorbei am "Tannenbaum", wo man sich mit einigen Stehmaßen die gute Laune erhalten wollte und immer weiter durch die Helmgasse Richtung Rathaus.
Als Rottmeister Schönecker den Zug bemerkte, rief er sogleich einige Schutzleute zu sich und stellte sich den Marschierenden in den Weg, da diese keine Genehmigung beantragt hatten. Da die musizierenden Gesellen nicht freiwillig ihres Weges gingen, wurden kurzerhand die Anführer der Meute in Arrest genommen. Dem ärgerlichen Ausruf eines Marschierers "Stürmt das Rathaus, befreit die Gefangenen gewaltsam" schloss sich die johlende Menge ohne Zögern an. Pflastersteine donnerten gegen die Rathauspforten und zerschmetterten ein ums andere Fenster. Die mächtigen Tore vermochten die Angreifer zwar abzuhalten, doch ließ Bürgermeister John – um Schlimmeres zu verhindern - notgedrungen militärische Hilfe aus Nürnberg anrücken und den Platz gegen 21 Uhr räumen.
Das Ende vom Lied: 54 Personen wurden verhaftet und sämtliche Tanzveranstaltungen und Feiern abgebrochen. Die finanziellen Schäden am Rathaus beliefen sich auf 1283 Gulden. Viel schlimmer aber war der Imageschaden, den das so beliebte fröhliche Fest erlitt. |