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6.5.2003 - Kinder, Jugend, Schulen

Freiwillig Büffeln in den Ferien

Quali-Vorbereitungskurse werden immer häufiger und mit gutem Erfolg genutzt -

Intensives Lernen in den Ferien während Klassenkameraden faulenzen? Einige Schülerinnen und Schüler verschiedener Fürther Hauptschulen tun dies sogar freiwillig - weil sie wissen, dass sie nur so eine Chance haben, bei den Quali-Prüfungen erfolgreich zu sein. Vier Tage lang brüteten sie von 9 bis 13 Uhr in den Räumen des Fürther Vereins der Einheit und Anhänger von Atatürk in der Angerstraße über alten Abschlussaufgaben. Der "Crash-Kurs zur Vorbereitung auf die Prüfung zum Qualifizierenden Hauptschulabschluss" erlebte mit durchschnittlich 25 Jugendlichen pro Tag eine erneut gestiegene Teilnehmerzahl.

Die meisten der jungen Leute sind zwar in Deutschland geboren, wachsen aber in einem fremdsprachigen Elternhaus auf. Und so pauken die Studentin Lisa Rucker und die beiden Studenten Arndt Albers und Christian Nuißl sowie die Gymnasiastinnen Sabrina Hitz, Nadine Hahn und Sonja Demirdag vom Helene-Lange-Gymnasiums vor allem Deutsch mit den Kursteilnehmern. Denn hier, aber auch in Mathe sind die Defizite am größten, wissen die Honorarkräfte.

1999 wurde der Crash-Kurs von der Hauptschule Schwabacher Straße für junge Türken initiiert. Wegen der guten Erfolge wird er seitdem von Annita Reim, Fachbetreuerin für den Unterricht ausländischer Schüler und interkulturelle Erziehung, in Zusammenarbeit zwischen dem Staatlichen Schulamt, der Ausländerberatungsstelle und dem Integrationsbeirat in den Weihnachts- bzw. Faschingsferien-, den Oster- und Pfingstferien organisiert. Die Herkunftsländer der jungen Teilnehmer - Deutschland Türkei, Slowenien, Griechenland, Bosnien, Spanien, Irak und Rumänien - sind mittlerweile bunt gemischt, auch Spätaussiedlerkinder drücken inzwischen freiwillig die "Schulbank".

1500 Euro lassen sich die Initiatoren die zusätzlichen Unterrichtseinheiten kosten, um den jungen Leuten einen guten Start ins Berufsleben zu ermöglichen. Und die Erfolgsquote spricht für sich: Nach den Worten von Dietrich Vogel, Leiter der Ausländerberatungsstelle der Stadt Fürth, haben in den vergangenen Jahren rund 60 bis 70 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Quali geschafft. Auch Annita Reim bekommt von den Lehrkräften viele positiven Rückmeldungen. Und welche Eigendynamik so ein Bildungsangebot entwickeln kann, zeigt sich am Beispiel der drei Gymnasiastinnen: Sabrina Hitz, Nadine Hahn und Sonja Demirdag haben angeboten, sich ehrenamtlich weiter zu engagieren und in den Vereinsräumen in der Angerstraße Hausaufgabenbetreuung oder Nachhilfeunterricht anzubieten.

Vor dem Hintergrund des schlechten Abschneidens Deutschlands bei der PISA-Studie ist der Intensivkurs daher ein gutes Beispiel, wie städtische Stellen und Institutionen mit Unterstützung aus der Gesellschaft mithelfen können, damit schwächere und vor allem ausländische Schüler nicht durch das Bildungsnetz fallen und ohne Abschluss dastehen müssen.

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