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27.7.2005 - Soziales & Gesundheit

Wer verschenkt Zeit für andere?

Modellprojekt „Generationsübergreifende Freiwilligendienste“ will alle Altersgruppen ansprechen und für bürgerschaftliches Engagement gewinnen.

Die Kinder vom Hort Pfister-kiste sind glücklich, wenn Awaz Saeid (hinten, 2. v.li.) mit ihnen spielt oder lernt. Projektleiter Felix Trejo (li.) sowie Friedel Pasquazzo und Margret Klöcker-Grewe vom Kompetenzteam freuen sich.

„Ich wusste gar nicht, dass ich das kann.“ Friedel Pasquazzo sprudelt über vor Begeisterung, wenn sie von ihren neuen Fähigkeiten in Projektmanagement erzählt, die sie über die Fortbildung „EFI – Erfahrungswissen für Initiativen“ erworben hat. Pasquazzo ist eine von fünf Seniortrainerinnen, die zusammen mit Felix Trejo vom Fürther Zentrum Aktiver Bürger (ZAB) ein Kompetenzteam bilden. Dessen Aufgabe ist es, das Modellprojekt „Generationenübergreifende Freiwilligendienste“ mit Leben zu füllen. Oder besser gesagt: Menschen aller Altersstufen zu finden, die bereit sind, zwischen drei und zwölf Monaten jeweils fünf bis 20 Wochenstunden Zeit zu investieren. Zeit für bürgerschaftliches Engagement in den unterschiedlichsten Aufgabenfeldern.

„Der Freiwillige steht bei uns mit seinen Wünschen, Vorstellungen und Fähigkeiten im Mittelpunkt“, betont Trejo. Für jede einzelne Person werde gezielt nach der passenden Einsatzstelle im kulturellen, sozialen oder sportlichen Bereich gesucht – oder ein Aufgabengebiet neu entwickelt. Initiativen, Verbände oder Vereine, die Freiwillige suchen, können sich mit ihren Vorstellungen bei ZAB melden. Wichtig dabei: Die Aufgaben müssen arbeitsmarktneutral sein, das heißt, keine regulären Planstellen ersetzen, sondern ein zusätzliches Angebot darstellen.

Die Erfahrungen mit der ersten Freiwilligen des vom Bundesfamilienministerium ins Leben gerufenen Projekts sind durchweg positiv: Die kurdische Mathematiklehrerin Awaz Saeid hilft im Hort Pfisterkiste ein halbes Jahr lang viermal die Woche bei den Hausaufgaben und spielt mit den rund 50 Kindern. „Bei einem Ausländeranteil von 80 Prozent ist es völlig nebensächlich, dass sie zwar ganz gut Deutsch versteht, aber selber nur wenig spricht“, sagt Hortleiterin Hannelore Wiest. „Die Kinder lieben sie, weil sie sich für sie Zeit nimmt und ihnen zuhört – das kennen viele von zu Hause gar nicht.“

Das ZAB will sich nach Trejos Angaben in Zusammenarbeit mit den Einsatzstellen auch um Weiterbildungsmöglichkeiten für die Freiwilligen bemühen. Denn neben der Freude am Freiwilligendienst (Friedel Pasquazzo: „Das ist für einen selbst so bereichernd“) sollen die Frauen, Männer und Jugendlichen auch noch mehr zurückbekommen. Auslagen wie Fahrtkosten werden laut Trejo erstattet. Die Freiwilligen sind während ihres Einsatzes zudem haftpflicht- und unfallversichert. Auch ein Zeugnis soll ausgestellt werden, mit dem die Freiwilligen beispielsweise bei späteren Bewerbungen ihr Engagement und ihre Erfahrungen dokumentieren können.

Das ZAB ist eingebunden in das laufende Programm „Soziale Stadt“. Das Modellprojekt der Generationsübergreifenden Freiwilligendienste ist räumlich allerdings nicht auf das Sanierungsgebiet „Westliche Innenstadt“ begrenzt.

Sozial-, Jugend- und Kulturreferent Dr. Karl Scharinger sieht in dem Modellprojekt und der guten Zusammenarbeit von ZAB mit anderen Einrichtungen die Entscheidung des Stadtrates für die Freiwilligenorganisation bestätigt. Seit Januar 2005 wird in Kooperation mit dem Quartiersmanagement eine Kontakt- und Anlaufstelle für freiwilliges Engagement aufgebaut. Denn, so Scharinger, bürgerschaftliches Engagement brauche immer auch eine Koordinierungsstelle, um bestmöglich und zum Nutzen aller zu arbeiten.

Für interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie nähere Informationen steht Projektleiter Felix Trejo zur Verfügung.
Kontakt: Zentrum Aktiver Bürger (ZAB),
Mathildenstraße 34,
Telefon 0911/810 50 25,
E-Mail trejo@iska-nuernberg.de

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