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28.2.2007 - Wirtschaft

Zeitreise in eine Manufaktur

Produkte, die ausschließlich in filigraner Handarbeit hergestellt werden, eine Maschine aus dem Jahr 1880, der Beruf des Kompassmachers, der bei der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken gar nicht mehr geführt wird: Für Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung und die frühere Stadtheimatpflegerin und Historikerin Barbara Ohm war es wie eine Zeitreise in das Fürth des 19. Jahrhunderts. In eine Epoche, die auch für den wirtschaftlichen Aufbruch der Kleeblattstadt steht und von Manufakturen geprägt wurde, wie die des Kompassherstellers C. Stockert & Sohn in der Marienstraße 47.

Der Geschäftsführer von C. Stockert & Sohn, Dr. Helmut Weiß (li.), erklärt dass in dem Betrieb die Kompasse wie früher in Handarbeit hergestellt werden. Mit im Bild Barbara Ohm (2.v.li.).

Foto: Mittelsdorf

Ein Familienbetrieb, der seit 1749 existiert, 1850 offiziell gegründet wurde und seitdem an diesem Standort zu finden ist. „Wir sind die älteste Manufaktur Fürths“, sagt Geschäftsführer Dr. Helmut Weiß bei der Betriebsbesichtigung. Vor zwei Jahren hat er die Leitung des Unternehmens von Gregor und seiner Tante Ilse Prankl übernommen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten immer ein Sohn oder eine Tochter der Stockert-Familie die Nachfolge angetreten und so die direkte Linie gewahrt.

Wie eh und je stellt der Traditionsbetrieb vor allem Kompasse her. Mit den gleichen Werkzeugen und Maschinen. Und auch in denselben Räumen. Das Firmengebäude, die zum Teil engen, schlauchförmigen Produktionsstätten im Keller, Erdgeschoss und ersten Stock, aber auch der typische Hinterhof sehen noch heute fast genauso aus wie früher. Und so lässt sich mehr als nur erahnen, wie hier schon vor über 150 Jahren die Frauen und Männer gearbeitet haben. Bis zu 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat Stockert & Sohn schon beschäftigt, jetzt sind es noch sieben.

„Wir fertigen bis heute alle Einzelteile selbst und setzen sie in Handarbeit zu Kompassen zusammen“, erklärt Weiß. Das funktioniere nur, weil das Wissen über Generationen hinweg immer wieder weitergegeben wurde. Den Beruf Kompassmacher gebe es so nicht mehr. „Wir sind aber stolz darauf, dass wir das noch können“, so der Geschäftsführer, der gesteht, dass man auch mal bei dem altem, inzwischen pensionierten Meister Rat einholen muss.

OB Jung und Barbara Ohm zeigten sich tief beeindruckt von der Firma. Auch vom Erfolg des Unternehmens, das in dieser Form nach Aussage von Weiß in ganz Deutschland einzigartig ist. Denn pro Jahr produziert die Manufaktur etwa 100000 Kompasse. Aufträge kommen zu 20 Prozent aus den USA, aber auch aus Kanada, Frankreich, Italien und Spanien. Großes Plus ist nach Angaben des Geschäftsführers die hohe Qualität, Exklusivität und die Tatsache, dass man Stückzahlen von eins bis Tausend liefern könne. Neben den Richtungsweisern stellt die Firma auch optische Produkte wie Lupen, Lesegläser oder Stab- und Taschenmikroskope her. Aber auch hier gilt: alles wird in Handarbeit gefertigt und zusammengesetzt.

Auf die Frage, ob der Betrieb in traditioneller Art und Weise fortgeführt werden soll, antwortet Helmut Weiß mit einem entschiedenen Ja. Auch wenn er sich lange überlegt habe, ob er als promovierter Chemiker die Firma übernehmen oder eine andere Laufbahn einschlagen solle, sei er nun froh über die Entscheidung. „Ich habe viel lernen müssen“, sagt er. Aber nun freue er sich jeden Tag auf seine Arbeit. „Wenn ich durch die Werkstätten gehe, erinnert mich das manchmal an Meister Eder und seinen Pumuckl“, erzählt er lachend. Was angesichts der Atmosphäre und der Arbeitsbedingungen in dieser besonderen Manufaktur auch wirklich nicht von der Hand zu weisen ist.

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