Eine langjährige Hängepartie, die für Oberbürgermeister Thomas Jung wirtschaftlich nicht nachvollziehbar war und unter der – wie er bei einem Ortstermin berichtete - persönlich gelitten habe, ist zu Ende. Die Raiffeisen-Volksbank in Fürth hat das Gebäude am Kohlenmarkt 4, in dem Julius Tietz 1901 das erste Kaufhaus in Bayern eröffnet hatte, erworben.
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Oberbürgermeister Jung (li.), Innenstadtbeauftragte Hackbarth-Herrmann (re.) Raiffeisen-Volksbank Vor- stände Gimperlein (2. v. re.) und Engelmayer.
Foto: Mittelsdorf |
Seit 2002 stand das markante Haus in 1A-Lage leer. Immer wieder hat sich die Stadt bemüht, Mieter zu vermitteln. Doch stets scheiterten die Verhandlungen mit dem Eigentümer, der in München lebt. Meist waren überzogene Mietpreise der Grund. Einzige Ausnahme: die Nutzung durch die Stadt, die im Jubiläumsjahr den mittlerweile in die Moststraße 3 umgezogenen Fürthshop im Erdgeschoss betrieb.
Auch die Raiffeisenbank bemühte sich schon seit Jahren darum, Räume in dem Gebäude zu mieten. „Wir hatten schon 2006 die Vision, an diesem repräsentativen Platz eine Filiale zu eröffnen“, berichtete Vorstandsmitglied Thomas Gimperlein. Es folgten langwierige Verhandlungen, eine Lösung schien nie in Sicht. Dann plötzlich, im April dieses Jahres, die entscheidende Wende: der Hausbesitzer machte ein Angebot zum Verkauf der Immobilie. „Zu einem Preis, bei dem wir den Hörer nicht gleich auflegen konnten“, so Gimperlein.
OB Jung wollte die gute Nachricht zunächst nicht glauben. Zu oft waren Gespräche kurz vor einer Einigung gescheitert: „Zweifel bestanden bis zu dem Moment, in dem die Verträge bei einem Notar unterschreiben waren.“ „Nun aber“, sagte das Stadtoberhaupt, „ist eine Wunschlösung erreicht und können wir hoffen, dass sich das historische Gebäude bald wieder zu einem Wahrzeichen der Stadt entwickelt.“
Geplant ist nach Auskunft von Vorstandsmitglied Markus Engelmayer eine aufwändige Sanierung des Hauses, die voraussichtlich bis ins nächste Frühjahr andauern werde. Danach zieht die Bank in die eine Hälfte des Erdgeschosses. Der Standort in der Amalienstraße wird voraussichtlich nicht ganz aufgegeben, die Verwaltung bleibt weiterhin in der Ritterstraße.
„Wir wollen für Kundenfrequenz sorgen“, so Gimperlein. Daher sollen vor allem Schalter und Beratungsräume der Bank im Kohlenmarktgebäude zu finden sein. Das Geschäftsmodell sieht zudem vor, den Kundenstrom zu nutzen und die restlichen Räume an Läden gehobenen Niveaus zu vermieten.
Der OB verspricht sich von der Lösung nicht nur eine Aufwertung der Fußgängerzone und des Einkaufsangebots. Weiterer Pluspunkte sei, dass nun an beiden Enden der Einkaufsmeile die beiden größten Bankhäuser der Kleeblattstadt ihren Hauptsitz haben. Und schließlich finde nun – nach den Sanierungen des Kronprinzenhofes, des früheren Ämtergebäudes Hirschenstraße, also dem heutigen Technischen Rathauses, sowie der Rathausfassade - die Wiederbelebung des gesamten Kohlenmarktes einen würdigen Abschluss: „Nach der Renovierung des ehemaligen Kaufhauses Tietz wird dies einer der städtebaulich attraktivsten Plätze in Fürth sein“, ist sich Jung sicher. |