6. Mai bis 18. Juni 2017
Udo Kaller - Die weiße Schale

Die Solo-Ausstellung von Udo Kaller in Fürth ist Auftakt für eine Ausstellungstournee mit den 166 Arbeiten, die unter dem Motto "Die weiße Schale" in der gleichnamigen Publikation vorgestellt werden. Davon sind in Fürth 102 Leinwände zu sehen.


Udo Kaller wurde 1943 in Gleiwitz/Oberschlesien (heute Polen) geboren. 1958 übersiedelte er nach Deutschland. Nachdem er 1962 in München mit dem Kunststudium begonnen hatte, wechselte er 1964 an die Nürnberger Kunstakademie. Seit 1972 freischaffend, ist er bereits jahrzehntelang Mitglied der renommierten Nürnberger Künstlergruppe „Der Kreis“ und einer der sehr bekannten fränkischen Maler.

Entfacht wurde die Begeisterung für die wohl organisierten Holzschnitte bereits im Studium an der Kunstakademie Nürnberg ab 1965 durch den Kunstgeschichtsprofessor Franz Winzinger, der ein Sammler japanischer Farbholzschnitte war. In seiner Biografie nennt der Künstler das bewusste Jahr und den Namen dessen, der ihn auf die Spur brachte. Erst um 2001 begann Kallers intensive Beschäftigung mit den berühmten Holzschnitten der japanischen Meister Katsushika Hokusai und Utagawa Hiroshige, den berühmtesten Vertretern des Ukiyo-e - Genres (Ende 18. Jh bis Mitte 19. Jh; Bilder der fließenden Welt, d.i. Bilder der vergänglichen Schönheit). Der Künstler entschloss sich, die Motive der Holzschnitte komplett mit Ölfarbe und Leinwand umzusetzen und zugleich sie sich stilistisch anzuverwandeln.

Das gipfelte 2004 und 2007 in Buchprojekten („Hundert Ansichten von hundert Ansichten“ und „36 Ansichten des Berges Fuji nach Katsushika Hokusai“), die in einer Folge von Ausstellungen im In- und Ausland vorgestellt wurden.

Die Ausstellung in Fürth ist Auftakt zu einer weiteren Tournee. Die starke motivische Referenz auf Hiroshige und Hokusai aus „Hundert Ansichten von hundert Ansichten“ oder „Die 36 Ansichten des Berges Fuji…“ ist verschwunden. Und aus Nebenwegen wurden Hauptwege: Details, die bei der Umsetzung der (vollständigen) Motive der japanischen Holzschnittmeister eine Nebenrolle spielten oder ehedem weggelassen wurden, stehen nun im Fokus. Andere Vorlagen finden sich in zahlreichen Büchern aus dem Besitz Kallers, wobei es natürlich weitere Meister neben den beiden genannten Berühmtheiten gibt. Vor allem aber (er-)findet Udo Kaller Motive, die wirken, aus seien sie aus den Vorlagen - à la japonaise. Aus Metamorphosen wurde etwas Neues.

Während er in den vorhergehenden Serien Rücksicht nahm auf die von ihm geschätzte Komposition der alten Meister, geht er nun völlig frei mit den Anspielungen um. Dabei bleibt er sich treu als ein Maler, der eine Verbindung zwischen gegenständlich-figürlichen Motiven und einer konstruktiven Stilistik zum Markenelement erhoben hat: Klare, reduzierte Flächen, exakte (Umriss-)Linien oder eine Vorliebe für geometrische Elemente sind eigentlich Merkmale der konkreten Kunst, die niemals landschaftliche oder figürliche Themen behandelt. Formal wird diese Nähe noch hergestellt durch das immergleiche quadratische Format von 50 x 50 cm. Doch genau das ist Kallers Stil: Mit konstruktiv-konkreten Bildmitteln wird "eine freudige Bilderwelt, die Ausdruck seines lebensbejahenden Weltbildes ist" (Claus Pese) aufgerufen, organische und vegetative Formen, ganz zu schweigen von Ornamentik und Arabesken.

Typisch für viele Bilder Kallers war der Raster, den er über das Bild legt. Die unter dem Titel "Die weiße Schale" vorgelegte Serie dreht dieses Prinzip um: Statt auf einer Leinwand viele (bis zu über 16.000) Quadrate zu versammeln mit verschiedenen Motiven oder mit einem zigfach variierten Motiv oder mit der Aufsplitterung eines Motivs, wird hier thematisch Verwandtes, werden Partikel, die gut zusammengedacht werden könnten, vereinzelt zur schier unüberschaubaren Bilderserie.

 

(c) Hans-Peter Miksch

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