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4.6.2021 - Bildung und Lesen

Claudia Durastanti: "Die Fremde"

Bücher über das Anderssein gibt es derzeit viele. Was Claudia Durastanti in ihrem autobiografischen Roman erzählt, unterscheidet sich davon auf vielfache Weise: Ihre Ich-Erzählerin ist das Kind von italienischen Arbeitern in Brooklyn, später, als ihre Eltern überraschend beschließen, wieder nach Süditalien zurückzuziehen, ist sie die Amerikanerin, die kaum Italienisch spricht. Und ihre Familie lebt sowieso in jeder Hinsicht am Rand. Beide Eltern, bald getrennt, sind gehörlos, das Mädchen und sein Bruder sind von klein auf Übersetzer, Interpreten ihrer Eltern, auch was deren Gefühle für sie selbst als Kinder angeht.

Seitenblick digital: die Fremde

"Die Fremde" erzählt die außergewöhnliche Migrationsgeschichte der Autorin Claudia Durastanti. Bild: Coverausschnitt Zsolnay Verlag / Hintergrund-Illustration: pikisuperstar

"Die Fremde" erzählt in äußerst lakonischem, dabei nie unterkühltem Stil eine außergewöhnliche Migrationsgeschichte. Viel innere Migration ist dabei, wenn das Mädchen sich in Bücher vergräbt, um der prekären Alltagswelt zu entfliehen und Italienisch zu lernen, das ihre Eltern ihr nicht vermitteln können. Wenn es versucht, die Mutter zu verstehen, die das Unstete zu ihrem Lebensprinzip erklärt hat und nächtelang einfach durch die Stadt wandert, oder den Vater, der säuft und auch mal gewalttätig wird oder Pläne schmiedet, aus denen nie etwas wird. Beim Erwachsenwerden in dieser unsicheren Welt ist sie gänzlich auf sich allein gestellt.

Stellenweise beschleicht einen als Leserin das Gefühl, einer Selbsttherapie beizuwohnen. Doch schnell fängt Durastanti, 1984 in Brooklyn geboren, diese Selbstbeschau wieder ein und berichtet mit liebevollem, aber glasklarem Blick von diesem Mädchen, das sie mal war, von den Heimatgefühlen, die sie für den Italo-Kiez in New York empfindet, von der Euphorie, die das Leben in ihr weckt, von der Stärke, die sie bei den Begegnungen mit anderen Kindern entwickelt, obwohl die sie verwundert bis misstrauisch beäugen. Der äußeren Haltlosigkeit setzt diese Heldin eine Stärke entgegen, die beeindruckt. 

 

 "Die Fremde" von Claudia Durastanti (Zsolnay Verlag)

Katharina Erlenwein, Kulturjournalistin und Seitenblick-Wiederholungstäterin

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