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8.6.2018 - Kunst & Kultur

Historisches Fundstück

Als Markus Neubauer mit seiner Firma Silbury das Gebäude in der Fichtenstraße 20 bezog, war klar, dass die Räumlichkeiten Geschichte atmen. Schließlich war in den heute als Malzböden bezeichneten Komplex unter anderem auch die ehemalige Humbser-Brauerei beheimatet. Auch dass insgesamt neun Tresore über mehrere Zimmer verteilt existierten, war kein Geheimnis. Es gab lediglich ein kleines Problem: Sie waren allesamt verschlossen und die Schlüssel verschollen. Sie gewaltsam zu öffnen, scheute man sich – doch nun siegte sowohl bei Eigentümer Philipp Streng vom Immobilienunternehmen MIB und den aktuellen Mietern die Neugier. Gleich mehrere Firmen probierten sich an den massiven Tresorschränken – schließlich gelang es einer Firma aus Österreich, die Safes zu öffnen. Bei den ersten sieben herrschte tatsächlich gähnende Leere. Der achte enthielt Lohndaten aus dem Jahr 1979, und zwar auf Acht-Zoll-Wechseldisketten der Firma IBM. „Heutzutage würde allein auf einen USB-Stick Speicherkapazitäten von rund 250 Millionen dieser Datenträger passen“, hat Neubauer ausgerechnet. „Aber für damalige Verhältnisse war das ultramodern“, sagt er anerkennend.

Gähnende Leere oder Goldbarren? Weder noch. Der letzte von neun Tresoren förderte aber einen außergewöhnlichen Fund mit historischer Bedeutung zutage: Markus Neubauer und Stadtarchivar Martin Schramm im ehemaligen Direktionszimmer der Humbser-Brauerei mit Überraschungs-Fund. Foto: Wunder

Im neunten und letzten Tresor, der sich im ehemaligen Direktionszimmer der Hauptverwaltung, befindet, stieß man zwar nicht auf Goldbarren, aber auf beachtliche historische Zeitdokumente in Dutzenden Aktenordnern und Mappen aus den 1920er bis 60er Jahren. Danach wurde die Humbser – wie die anderen Fürther Brauereien – von Patrizier geschluckt.

In den Papieren finden sich Gesellschafterprotokolle, Bankunterlagen und Rechnungen von Firmenfeiern, in denen zum Beispiel auch die Kosten für die benötigten „Rauchwaren“ aufgelistet werden.

Doch am Spannendsten sind Unterlagen aus dem Zweiten Weltkrieg. Sie legen offen, dass das NS-Regime die Firma Humbser ab dem Jahr 1942 dazu bringen wollte, die riesigen Kelleranlagen unterhalb des Areals aufzugeben. Das Reichsluftfahrtministerium wollte, dass die Firma Bachmann, von Blumenthal & Co. KG dort Komponenten für Flugzeuge fertigt – geschützt vor den Bomben der Alliierten.  Auch von Enteignung war die Rede. Doch die Familie Humbser verstand es geschickt, das Anliegen zu verschleppen und hinauszuzögern, bis das Kriegsende die Pläne endgültig durchkreuzte.

Über den außergewöhnlichen Fund freut sich besonders auch Stadtarchivar Martin Schramm. „So was kommt nicht alle Tage vor“, sagte er. Die Tresore seien eine „Zeitkapsel“ und es sei ein Segen, dass sie über Jahrzehnte verschlossen blieben. „Andernfalls wären die Dokumente womöglich längst entsorgt worden“, vermutet er.

Er darf die historischen Unterlagen mit ins Archiv nehmen. „Dort werden sie zunächst gesichtet und dann sortiert“, erklärte er. Bei der wissenschaftlichen Auswertung setzt Schramm auf Studenten, die eine Arbeit zu dem Thema schreiben wollen, oder historisch interessierte Fürtherinnen und Fürther.

Die Tresore bleiben übrigens erhalten: Philipp Streng lässt sie von der Nürnberger Firma Ernst Meck wieder so herrichten, dass sie verwendet werden können. Was hinein kommt? „Eigentlich“, sagt Neubauer lachend, „sollten wir eine neue Zeitkapsel erstellen.“ Und sie erst in einigen Jahrzehnten wieder öffnen.

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