1.12.2008 - Kinder, Jugend, Schulen
Berufsorientierung für Fürther Hauptschüler

Starker Praxisbezug und Berufsorientierung – dies sind Schlagworte, mit denen sich die Hauptschule in Zukunft immer mehr gegenüber Gymnasien und Realschulen profilieren kann und muss. Das ist nicht nur eine der Zielsetzungen der Hauptschulinitiative des bayerischen Kultusministeriums, sondern auch die Meinung von Schulrat Peter Grasser und Bürgermeister Markus Braun, der bei der Stadt Fürth als Referent auch für die Schulen zuständig ist.

Blick in den Kochtopf: In der elan-Großküche erhalten die Hauptschüler einen Einblickm auf was es ankommt, wenn man für viele Personen kochen muss.

Foto: Mittelsdorf

Deutlich wurde dies bei der Vorstellung des Projektes „7up“. Eine Maßnahme, die Fürther Hauptschüler an den Übergang in den Beruf heranführen soll und den Jugendlichen schon zu einem frühen Zeitpunkt hilft, sich über ihre eigenen Neigungen, Stärken und Schwächen klar zu werden. Dazu besuchen alle 20 siebten Klassen in Fürth – das sind etwa 420 Schülerinnen und Schüler – die städtische Beschäftigungsgesellschaft elan, wo sie an zwölf Terminen zu je drei Unterrichtsstunden in die drei Berufsbereiche Technik, Handel sowie Soziales und Hauswirtschaft hineinschnuppern können.

Um eine geschlechterspezifische Orientierung wie Mädchen werden Friseusen und Jungen Automechaniker vorzubeugen, durchlaufen die männlichen und weiblichen Hauptschüler getrennt die einzelnen Stationen. Im Bereich Technik fertigen sie aus Metall ein Namensschild oder aus Holz einen Würfel. Sie lernen, wie man im Wirtschaftsleben Briefe formuliert und Rechnungen liest. Zudem erhalten sie einen Einblick, wie in einer Großküche gekocht wird und kranke oder ältere Menschen versorgt werden.

Große Bedeutung hat dabei laut Braun, dass die Jugendlichen ihre Erfahrungen regelmäßig dokumentieren und festhalten. „Dazu gibt es als Leitfaden den Fürther Berufswahlpass“, so der Bürgermeister.

Peter Faderl, Lehrer an der Kiderlinschule, zeigt sich von dem Konzept begeistert: „Besonders wichtig ist, dass die Jugendlichen aus der Schule herauskommen und Erfahrungen sammeln.“ „Sie erkennen“, so der Pädagoge, „es geht um mich, um meine Neigungen und Fähigkeiten.“ Eine Besonderheit von „7up“ ist nach Grasser, dass die Maßnahme in der Kleeblattstadt flächendeckend umgesetzt wird: „Das gewährleistet, dass alle Hauptschüler der siebten Klassen teilnehmen und jeder Betrieb weiß, dass Bewerber aus Fürth dieses Verfahren durchlaufen haben.“ Ausbildungsplätze werden, so der Schulrat, heute nur noch vergeben, wenn vorher Praktika absolviert wurden. Deshalb habe das staatliche Schulamt die Berufsorientierung als eine zentrale Aufgabe erkannt. Ein Fernziel sei auch, dass durch das Projekt weniger Lehren abgebrochen werden.

Braun freut sich, dass in der Kleeblattstadt eine so einzigartige Maßnahme gelungen ist, bei der alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Die Kosten für „7up“ belaufen sich nach seiner Auskunft auf etwa 55 000 Euro pro Jahr. Die Finanzierung erfolgt zu gleichen Teilen durch die Agentur für Arbeit und die Regierung von Mittelfranken.

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