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11.2.2015 - Stadtnachricht

Appell nach München

Als "skandalös" beurteilt Bürgermeister Markus Braun das fehlende Angebot für berufsschulpflichtige Flüchtlinge und Asylbewerber in und um Fürth. Denn: Die jungen Menschen, die aktuell in die Kleeblattstadt und Umgebung kommen, werden zwar bei ihrer beruflichen Integration durch besondere Klassen der Berufsschule I (BS I) in der Fichtenstraße unterstützt. Doch zum Einzugsgebiet zählen neben der Stadt und dem Landkreis Fürth auch die Stadt und der Landkreis Erlangen sowie Teile von Neustadt/Aisch-Bad Windsheim.

In den besonderen Klassen für berufsschulpflichtige Flüchtlinge und Asylanten an der Berufsschule I lernen die jungen Menschen neben der deutschen Sprache auch anhand praktischer Übungen handwerkliche Berufsfelder kennen. Foto: Winckler

In den besonderen Klassen für berufsschulpflichtige Flüchtlinge und Asylbewerber an der Berufsschule I lernen die jungen Menschen neben der deutschen Sprache auch anhand praktischer Übungen handwerkliche Berufsfelder kennen. Foto: Winckler

Die Klassen in Fürth mit derzeit insgesamt 69 Flüchtlingen im Alter zwischen 16 und 21 Jahren sind voll und können niemanden mehr aufnehmen - gleichzeitig stehen jedoch noch rund 20 Asylbewerber auf der Warteliste und es kommen immer mehr. Mindestens 30 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge werden in der Stadt im Laufe des Jahres erwartet, wie Jugendamtsleiter Hermann Schnitzer ergänzt. Die Situation spitze sich zu – und darüber sei das Kultusministerium in München seit Herbst vergangenen Jahres auch informiert, sagt Braun. „Der Freistaat Bayern wäre in der Pflicht zu handeln und weitere Klassen zur beruflichen Integration an Berufsschulen einzurichten, doch das Kultusministerium zieht es vor, wegzuschauen“, kritisiert der Bürgermeister und Schulreferent.

Dabei wäre Abhilfe recht schnell möglich: In Erlangen ließen sich vier Klassen, wie es sie in der Kleeblattstadt gibt, auch mitten im Schuljahr einrichten, so Braun. Dadurch würde sich die Lage in der Fichtenstraße entspannen, weil Jugendliche aus der Hugenottenstadt dann nicht mehr aufgenommen und deren Platz für junge Flüchtlinge in Fürth frei würde. Auf zielgerichtete Aktivität seitens des Ministeriums wartet man aber bislang vergeblich. „Daher sind aktuell 20 junge Menschen - Tendenz steigend - zum Nichtstun verdammt, obwohl sie nichts lieber täten, als hier die Sprache zu lernen und sich im Hinblick auf denkbare berufliche Einsatzfelder zu qualifizieren“,.

Das zweijährige Konzept an der BS I umfasst eine „Vorklasse“ und ein sogenannte „Berufsintegrationsjahr“. Dabei steht der Spracherwerb im Vordergrund, gleichzeitig sollen die jungen Menschen aber auch Einblick in verschiedene Berufsfelder wie das Bäcker- oder Schreinerhandwerk erhalten und im zweiten Jahr Praktika in Betrieben absolvieren. Über die gesamte Zeit werden sie zudem von der ELAN GmbH sozialpädagogisch betreut und in ihren schwierigen Lebenslagen unterstützt.

Wie wichtig diese Perspektive und auch eine geordnete Tagesstruktur für die jungen Menschen sind, wissen vor allem auch Schulleiter Wilfried Rost und seine Stellvertreterin Elke Grede-Pawlak, die täglich mit den jungen Leuten zu tun haben. „Sie sind großteils hochmotiviert“, betonen sie. Wie zum Beispiel der 20-jährige Zaid Rizay, der in Afghanistan geboren ist und im Iran lebte. Er kam vor 15 Monaten nach Deutschland – ohne Eltern, ohne eine Wort deutsch zu sprechen. „Ich möchte gerne im kaufmännischen Bereich arbeiten“, sagt er in fließendem Deutsch, „am liebsten Autos verkaufen.“ Und auch typisch deutsche Eigenschaften hat er sich schon angeeignet: „Wenn man will, kann man fast immer pünktlich sein“, ist er überzeugt. Sein Asylantrag läuft derzeit, ob er dauerhaft in Deutschland bleiben kann, ist also ungewiss. Doch darum, sagt Braun, gehe es auch nicht: „Egal, wie ihr weiterer Lebensweg auch aussieht: Das sind junge Menschen, denen wir eine Chance geben müssen“, ergänzt er. „Und wenn wir ihnen Angebote machen, kann unsere Gesellschaft unterm Strich nur gewinnen.“

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