20.7.2021 - Stadtnachricht
Stele würdigt Gastarbeiter

"Fürth dankt allen Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern von Herzen. Sie haben unsere offene Stadtgesellschaft bereichert und die wirtschaftliche Entwicklung entscheidend mitgeprägt." Diese Inschrift steht auf einer neuen Stele, die die Stadt zur Erinnerung und zum Dank allen sogenannten Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern widmet. 

Der Fürther Unternehmer und frühere Stadtrat Ayhan Yesil hatte die Anregung gegeben und stieß damit im Stadtrat auf offene Ohren. Als Standort wurde eine kleine Grünanlage in unmittelbarer Nähe zum Rathaus und zum Ludwig-Erhard-Zentrum gewählt. Gemeinsam mit einem Kastanienbaum – im Übrigen auch ein Einwanderer aus dem Mittelmeerraum – erinnert dieser Ort nun an die Frauen und Männer, die vor allem in den 1950er und 1960er Jahren von der Bundesregierung angeworben wurden, um hier in Deutschland zu arbeiten. Der Staat hatte damals geplant, dass die Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter aus der Türkei, Griechenland, Italien, dem damaligen Jugoslawien, Portugal und Spanien nur für einen bestimmten Zeitraum hierbleiben und wieder in ihre Heimatländer zurückkehren sollten. Viele unter ihnen holten jedoch ihre Ehepartnerinnen und -partner nach Deutschland, gründeten Familien, erfolgreiche Existenzen und wurden ein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft. 

Die Fürther Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter waren damals zum großen Teil bei Grundig, Quelle und der AEG oder aber im Dienstleistungssektor beschäftigt. Sie waren oft ungelernt, mussten hart arbeiten, oftmals im Akkord, wohnten in sehr bescheidenen Unterkünften und hatten mit ihrem Fleiß und ihrem Engagement einen gehörigen Anteil am „Wirtschaftswunder“ der Nachkriegsjahre. Der in Fürth lebende Künstler André Jeschar hat die Stele aus Kalkstein geschaffen und neben dem Text auch zwei Reliefbilder eingearbeitet, die zwei Szenen zeigen, die sinnbildlich für die Gastarbeiterbewegung stehen: Ein Mensch winkt mit einem Koffer in der Hand seinen Lieben zum Abschied und kommt allein mit dem Koffer in der Hand auf einem Bahnsteig in der Fremde an.

Stele würdigt Gastarbeiter

André Jeschar (rechts) erklärt Oberbürgermeister Thomas Jung (links) und Initiator Ayhan Yesil seine Überlegungen für die Gestaltung der Stele. Foto: Willi Ebersberger

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