3.3.2016 - Wirtschaft
Fürth kauft wieder ein: Ein Jahr Neue Mitte

"Wendepunkt für Innenstadthandel", so titelte die StadtZEITUNG vor einem Jahr zur Eröffnung des ersten Teils der Neuen Mitte und des Hornschuch-Centers. Von einem "einschneidenden Ereignis" sprachen Oberbürgermeister Thomas Jung und Wirtschaftsreferent Horst Müller damals. Der Andrang war groß, die Resonanz bei den zahlreichen Kundinnen und Kunden überaus positiv. Doch wie hat sich die Einkaufssituation nach der Anfangseuphorie entwickelt, wie nehmen die Fürtherinnen und Fürther, aber auch Kunden aus der Region, die neuen Shoppingmöglichkeiten an? Gemeinsam mit MIB-Geschäftsführer Uwe Laule und der Innenstadtbeauftragten Karin Hackbarth-Herrmann zogen Jung und Müller zum Einjährigen eine erste Bilanz. 

Strahlende Gesichter zum Einjährigen der Neuen Mitte: Oberbürgermeister Thomas Jung, MIB-Geschäftsführer Uwe Laule und Wirtschaftsreferent Horst Müller haben angesichts der guten Zahlen guten Grund zum Lachen.
Foto: Wunder


"Der grüne Konfettiregen", erinnerte sich der OB, habe ihm Spaß gemacht – ganz im Gegensatz zur Vorgeschichte der Neuen Mitte. Denn, so der Rathauschef, "manchmal muss man zu seinem Glück eben gezwungen werden." Er spielte dabei auf den ersten Anlauf an, die Innenstadt in Sachen Einkaufsmöglichkeiten zu beleben: Damals war das Projekt mit der Firma Sonae Sierra gescheitert – letztlich am Widerstand eines einzigen Immobilienbesitzers. "Doch im Nachhinein erweist sich das als glücklicher Umstand", sagte Jung. MIB sei nämlich ein überzeugender Entwurf gelungen, man habe einen "Riesenschritt nach vorne" gemacht.

"Schöner und attraktiver als gehofft", sei die Neue Mitte nämlich geworden, die Kundschaft nehme die neuen Einkaufsmöglichkeiten gut an, das würden auch die Geschäftsleute betätigen, so der OB. Die Laufströme hätten sich sichtbar verändert und auch der Gewinn an öffentlichem Raum etwa am Eingang der Rudolf-Breitscheid-Straße habe für Flanierende, Passanten und Radfahrer deutlich eine neue Qualität und Urbanität bekommen.
Unterstützt werden diese Eindrücke von konkreten Zahlen und Bewertungen. Wurden etwa noch 2011 nur knapp 1000 Passanten pro Stunde an gewöhnlichen Wochentagen in der Fußgängerzone gezählt, waren es im Februar dieses Jahres rund 2700, berichtete Karin Hackbarth-Herrmann. Ein weiterer Indikator ist der jährlich erscheinende sogenannte Comfort High Streets Report, ein Marktbericht, der einen aktuellen und umfassenden Überblick über alle Top-Einkaufsstraßen in den deutschen Innenstädten gibt. 2013 war die Kleeblattstadt dort mit einer von sieben möglichen Einkaufstüten "erschreckend schwach" gelistet. Für die Ausgabe 2016 sind es nun vier Einkaufstüten. "Das ist sehr gut im Vergleich zu anderen Städten unserer Größe", sagte Hackbarth-Herrmann.

Auch MIB-Geschäftsführer Laule unterstrich: "Die zufriedene Händlerschaft wird befruchtet durch die hohe Frequenz und gestützt durch die Tiefgarage, die exzellent angenommen wird." Die Kombination aus Mode und Schuhe sowie Nahversorgung sei ein weiterer Baustein für den Erfolg – von dessen Schnelligkeit er ebenfalls überrascht sei. Er blicke deshalb mit großen Erwartungen auf die Entwicklung um die Neue Mitte herum.

Diese skizzierte Wirtschaftsreferent Müller: Zahlreiche Geschäfte hätten den Schwung genutzt, ihre Ladenflächen renoviert und die Gebäude hergerichtet, die Anfragen von Filialisten häuften sich, Läden kehrten in die Kleeblattstadt zurück. "Die Eröffnung des Carrés Fürther Freiheit im Herbst dieses Jahres wird ein weiterer Meilenstein, auch im ehemaligen Commerzbank-Gebäude und bei Woolworth tut sich etwas." Und das City Center, das mit einst immerhin 26 000 Quadratmetern fast die Hälfte der gesamten Verkaufsfläche der Innenstadt ausmachte, brauche man ebenfalls. "Wir sind auf dem Weg, aber noch nicht durch – ich bin eingeschränkt optimistisch", sagte er. Sein letzter Wunsch sei der Wochenmarkt in der Konrad-Adenauer-Anlage. "Das wäre das Sahnehäubchen, dann hätten wir eine echte, schöne und attraktive Einkaufsstadt."

Entscheidend sei in der Kleeblattstadt der Mix aus großen Filialisten und inhabergeführten, kleinen Geschäften „um die Ecke“, waren sich alle Beteiligten einig. Denn trotz des Erfolgs dürfe man nicht außer Acht lassen, dass „wir kein neues Einkaufs-Paradies geschaffen haben, sondern auf dem Weg zu deutschem Durchschnitt sind“, betonte OB Jung. Diese Einschätzung teilt MIB-Geschäftsführer Laule: „Man hat hier immens etwas erreicht, aber im Unterschied zu anderen Städten ist noch Luft nach oben.“

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