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26.10.2004 - Wirtschaft

Fürth entwickelt sich zum Zentrum für Neue Materialien

Ein Motorkolben aus Kohlenstoff? Wäre erheblich leichter als ein herkömmlicher, würde für mehr Leistung sorgen und Schadstoff-Emissionen fast gegen Null hin reduzieren. Also, eine Zukunfts-Utopie? Diese Frage beantwortet Robert F. Singer mit einem klaren "Nein".

Denn: "Solche Kohlenstoff-Kolben lassen sich heute schon produzieren, sind aber viel zu teuer, da dazu ein großer Kohlenstoff-Block gegossen werden muss und zu viel Ausschuss anfällt."

Singer ist nicht nur Professor an der Technischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, sondern auch Geschäftsführer der auf dem früheren Grundig-Areal beheimateten Neue Materialien Fürth GmbH (NMF). Seit Juli 2001 entwickelt er mit inzwischen 23 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Uferstadt, wie das Gelände jetzt genannt wird, neueste Verfahren zur Verarbeitung von neuen Materialien und Werkstoffen. Und zwar bis zur Produktionsreife. Das heißt, es wird zum Beispiel an einem Spritzgussverfahren gearbeitet, das dafür sorgt, dass bei der Herstellung der genannten Kolben eben keine Unmengen an Ausschuss anfällt. Erst so wird die Fabrikation bezahlbar und für die Industrie interessant. Anwendungsgebiete sind in erster Linie der Automobil- und Luftfahrzeugbau, aber auch in Fahrrädern, Skiern oder zahlreichen elektronischen Geräten finden sich solche neuen Materialien.

Als idealer Netzwerkpartner steht Singer und der NMF im gleichen Gebäude das Fraunhofer Ultrafeinfokus-Röntgenzentrum zur Seite. Mit Hilfe modernster Röntgenstrahlen können dort die Materialien auf Tauglichkeit und Fehlerhaftigkeit geprüft werden. Und nun erhalten die beiden Technologieeinrichtungen Zuwachs, der auch für die Kleeblattstadt von herausragender Bedeutung ist. Nachdem bereits im Jahr 2003 das bayerische Kabinett sein OK für den Ankauf von Gebäuden gab und sich die Vertragsverhandlungen nun im Endstadium befinden, steht die Ansiedlung des Zentralinstitutes für Neue Materialien und Prozesstechnik der Universität Erlangen-Nürnberg (ZMP) kurz bevor. Damit wird Fürth zum einen endgültig zu einem der herausragenden Zentren für neue Werkstoffe, zum anderen endlich auch Unistandort. Die Zeit, in der die Kleeblattstadt die einzige Großstadt ohne Hochschuleinrichtung in Bayern war, gehört dann endgültig der Vergangenheit an.

Das ZMP wird in erster Linie die Grundlagenforschung bei der Entwicklung neuer Materialien betreiben. Vier Projekte stehen im Vordergrund: die von der EU geförderte Arbeitsgruppe Carbotec, mit der Spritzgussverfahren für Kohlenstoff entwickelt werden, die Anwendung von Nanoröhren, die für die Verfestigung von Leichbaustoffen sorgen, und die Herstellung von Prototypen im Bereich von Keramiken und Leichtmetallen.

"Die Gründung und Etablierung des ZMP am Standort Fürth ist nicht nur ein Signal aktiven Strukturwandels in Kooperation von Freistaat, Stadt und Universität", erklärt der Kanzler der Friedrich-Alexander-Universität Thomas A.H. Schöck, dem das Institut direkt unterstellt ist. "Vielmehr wird damit in unmittelbarer Nachbarschaft zur bereits erfolgreich angelaufenen Neue Materialien Fürth GmbH auch ein weiterer Impuls für den aktiven Wissens- und Technologietransfer bei der Entwicklung neuer Spitzentechnologien gesetzt – für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft ist das von kaum zu unterschätzender Bedeutung."

Auch Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung und Wirtschaftsreferent Horst Müller sehen im Zusammenspiel der Forschungseinrichtungen das große Plus für die Kleeblattstadt und die Unternehmen in der gesamten Region. Während universitäre Einrichtungen lediglich bis zum Prototyp entwickeln, können im Technikum Fürth – wie der Gebäudekomplex genannt wird - auch Kleinserien produziert werden. So werden Anfangskosten und Risiken für Unternehmen minimiert, bevor diese neue Werkstoffe einsetzen und neue Produkte industriell fertigen.

Auf jeden Fall ist diese intendierte enge Kooperation insbesondere für die ansässigen Unternehmen hoch interessant. Und so ist die Hoffnung von Müller keineswegs unbegründet, dass sich rund um das Forschungs- und Entwicklungszentrum schon bald zahlreiche Betriebe ansiedeln werden, die für Arbeitsplätze und Wachstum sorgen. So wie in der Wirtschaftswunderzeit, als das Unternehmen Grundig von hier aus seinen weltweiten Siegeszug in der Unterhaltungselektronik antrat.

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