19. Januar bis 9. März

Walter Moroder - Die Darstellung der Stille


Walter Moroder wurde 1963 in St. Ulrich in Gröden (I) geboren. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München. Nach seinen Lehr- und Wanderjahren entschloss er sich 1988, wieder zurückzukehren in das Grödnertal, in dem er einst seine handwerkliche Ausbildung von seinem Vater erhalten hatte. Walter Moroder ist wohl einer der ungewöhnlichsten Holzbildhauer in einem Tal, das schon seit 400 Jahren eine besonders hohe Tradition in der (vornehmlich sakralen) Holzschnitzkunst hat.

Der entscheidende Impuls für seine einzigartigen Skulpturen kam bei einer Reise nach Indonesien 1996, wo er sich mit traditionellen Plastiken beschäftigte, den sogenannten Tau Tau, die nach den Gesichtszügen eines Verstorbenen geschnitzt und mit echten Kleidern geschmückt an diesen erinnern sollen.

Moroders Holzskulpturen, herausgearbeitet aus zu einem Block verleimtem Zirbelholz, sind mit Acrylfarbe (und Kreide, Leim und Sägemehl u.a.m.) aufwändig bemalt. Sie werden anhand von Ton- oder Plastilinmodellen in ihrer Wirkung akribisch geplant, also nicht spontan mit der Kettensäge hervorgebracht wie die zahllosen neoexpressionistischen Holzskulpturen, die in den letzten 25 Jahre die Ausstellungen dominierten. In knapp 20 Jahren sind gerade nur gut 100 Skulpturen entstanden. Zumeist handelt es sich um Frauengestalten, deren eigenartig widersprüchlicher Zauber jeden Betrachter gefangen nimmt. Denn diese fast lebensgroßen Figuren sind formal äußerst streng, wirken dennoch sehr lebendig, sie erscheinen zart und entrückt und spröde in einem, gleichzeitig wirklich modern und metropolitan, und erinnern dennoch an alte ägyptische Skulpturen. Ihr Ausdruck suggeriert abwesende Anwesenheit.

Dem Bildhauer gelingt es, dass die Skulpturen lebensecht und zugleich abstrakt wirken. So sind sie offen für die unterschiedlichsten Interpretationen. In diesem Sinn ist es zu verstehen, wenn Moroder sagt, es handele sich nicht um Frauen (oder - seltener -  Männer oder Kinder), sondern um Vasen - es kommt darauf an, was an Gedanken und Vorstellungen in sie gegossen wird. Moroder gestaltet einen Typus, keine Charaktere.

Wer die Ausstellung besucht, versteht sofort den Titel, der die Anmutung dieser konzentrierten, in sich versunkenen, zurückhaltenden - kurzum dieser stillen - Figuren ganz unprätentiös beschreibt.
 

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