10. Mai bis 15. Juni

today is tomorrow's yesterday
Justine Otto


Die Zahl ihrer Ausstellungen hat sich in den letzten drei Jahren kontinuierlich erhöht, was aber nicht überrascht. Denn Justine Ottos figürlich-gegenständliche Bilder brennen sich förmlich in die Netzhaut, faszinieren und verstören zugleich. In der Ausstellung „today is tomorrow’s yesterday“ zeigen wir ab dem 9. Mai 2014 (Vernissage) aktuelle Leinwandarbeiten der in Hamburg lebenden polnisch-deutschen Künstlerin, die zu den wichtigen Vertreterinnen der zeitgenössischen figurativen Malerei ihrer Generation in Deutschland zählt.


Junge Frauen und Mädchen spielen die Hauptrollen in Justine Ottos postfeministischem Bilduniversum. Männer kommen durchaus vor – als Pappkameraden oder Staffage. Neugierig, selbstbewusst und seltsam distanziert verrichten ihre Protagonistinnen in verdächtig unschuldigem Feinripp oder kurzen, weißen Nachthemden rätselhafte Handlungen, von denen eine latente, unbestimmbare Bedrohung ausgeht. Kühne architektonische Kompositionen, in denen die Welt aus den Fugen geraten ist, dienen Justine Ottos weiblichen Hauptfiguren ebenso als Bühne wie ein Wald voller dunkler Geheimnisse oder eine unverkennbar national- (oder real-?)sozialistisch geprägte Vergangenheit. Was tun eigentlich diese jungen Frauen?

"Es scheint, als hätten sie die alte Welt in Besitz genommen, um sie zu verwandeln. Nicht um sie nachzustellen wie im Spiel, sondern um eine neue zu erschaffen. Sie streuen Lichtstaub, versprühen Sternennebel, sie spinnen Fäden, sichtbare und unsichtbare, vermessen und vernetzen die Dinge im Bild auf geheimnisvolle Weise. Sie setzen rätselhafte Markierungen: spielerisch und doch ganz konzentriert malen diese Mädchen Zielscheiben auf Pferdekörper oder ziehen Kreidelinien quer durch den Raum und über den nackten Rücken eines kauernden Kindes. Sie maskieren sich mit altmodischen Spitzenhäubchen oder Halskrausen und bemalen sich das Gesicht mit Farbe: Alles nur ein Spiel? Oder rituelle Handlung mit unheilvollem Ausgang?" (Nicole Nix-Hauck)

Irreale und reale Elemente verdichten sich in ihren Bildwelten zu einer beunruhigenden Atmosphäre, deren „Temperatur auf der Nullgradgrenze“ liegt (Jean-Christophe Ammann). Selbst die sinnlich schöne Malweise, die ihre Arbeiten so einzigartig macht, vermag das irritierende Moment nicht aufzulösen. Peter Angermann, einst Lehrer von Justine Otto in Frankfurt a.M., schreibt im Vorwort des Ausstellungskatalogs: "Die Malerei von Justine Otto scheint bei oberflächlicher Betrachtung paradoxerweise von beinahe impressionistischer Sinnlichkeit. Doch ihr Input ist ein völlig entgegengesetzter. Nicht in der Außenwelt, im Sonnenlicht der Ile de France, sondern introspektiv, in künstlichem Neon, Blitzlicht oder Bühnenbeleuchtung inszeniert sie die Auftritte ihrer Akteure, und deren schüchternes bis kokettes Rollenspiel."

In der Ausstellung „today is tomorrow’s yesterday“ geht es um Geschichte und Begehren, Schuld und Unschuld, um Pubertät und Sexualität, um Jugend und um Rollenbilder, die messerscharf seziert werden. Es geht um die existentiellen Fragen des Lebens, die gestern, heute und morgen unser Denken und Handeln bestimmen.


 




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