21. September bis 31. Oktober

faces from gugging


Die Ausstellung "faces from gugging" lief unter diesem Titel bereits 2013 im Museum Gugging. Sie zeigt Werke von Josef Bachler, Alois Beer, Johann Binner, Anton Dobay, Johann Fischer, Franz Gableck, Johann Garber, Rudolf Horacek, Aurel Iselstöger, Franz Kernbeis, Fritz Koller, Johann Korec, Karoline Rosskopf, Arnold Schmidt, Philipp Schöpke, Oswald Tschirtner, Karl Vondal und August Walla.


Nachdem Anfang des 20. Jahrhunderts außereuropäische bildnerische Erzeugnisse als Anregung entdeckt wurden, interessierten sich Künstler seit den 1920er Jahre auch für die Kunst von Geisteskranken. 1945 prägte der Maler Jean Dubuffet den schwer übersetzbaren Begriff der ‚art brut‘, also rohe, ungeschliffene Kunst. Dubuffet wollte die bildnerischen Ergebnisse von Kindern, Laien oder Geisteskranken nicht nur aufwerten, was ihm gelungen ist, er lehnte den Begriff der ‚Kunst von Geisteskranken‘ ab. Er bezeichnete mit ‚art brut‘ die Kunst von akademisch Ungebildeten, die dem Kulturbetrieb fern stehen, künstlerische Äußerungen von Menschen, die mit den akademischen, sozialen und ökonomischen Positionen der Berufskünstler nichts zu tun haben. Heute wird dafür alternativ auch der Begriff ‚outsider art‘ verwendet. Wobei all diese Begriffe nur vage in eine Richtung weisen, aber keine, die Werke beschreibenden, erwartbaren Merkmale. 

Das Haus der Künstler (seit 1986 unter diesem Namen) in Maria Gugging/Klosterneuburg bei Wien gehört nun seit Jahrzehnten zu den weltweit bekanntesten Orten, an denen diese Tradition einer „zustandsgebundenen Kunst“ (Leo Navratil) gepflegt wird. Die Künstler aus Gugging verwirklichen ihre Kunst im Rahmen einer Wohngemeinschaft, in die besonders talentierte Menschen aufgenommen werden, die im Alltag Unterstützung brauchen, aber sie erfahren gerade keine Kunsttherapie! Die meisten Gugginger hatten vielleicht ursprünglich nicht das Ziel, Künstler zu werden, aber in Gugging sie leben ihre Kunst.

Die Ausstellung zeigt einen repräsentativen Querschnitt von Arbeiten (rund 70) teils berühmter, teils weniger bekannter, teils lebender und teils verstorbener Künstler aus Gugging. Gerade der Kopf, das Gesicht, das Porträt scheinen Themen zu sein, die die Unterschiede und Eigenheiten der Künstler bestens deutlich werden lassen. Was die Ausstellung so am besten zeigt: Man kann Künstler mit einem solchen Hintergrund ebensowenig 'über einen Kamm scheren' wie alle anderen Künstler: Mag hier eine bezaubernd-naive Grundstimmung vorherrschen, zeigt sich dort eine Sicherheit in der Beherrschung der Fläche oder der zeichnerischen Mittel, die nur virtuos zu nennen ist, sind es einmal der früher als besonders typisch angesehene horror vacui und die Kombination aus Bild und Text, zeigt sich ein andermal ein souveräner Minimalismus.




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