15. November bis 21. Dezember

BOTOND - Köpfe


Der aus Ungarn stammende vielseitige Bildhauer lebte seit 1979 in Nürnberg und wurde rasch in der Kunstszene bekannt. Die erste Retrospektive im deutschsprachigen Raum ist auf das Thema Kopf beschränkt. Nach seinem Tod hat es bisher lediglich Einzelausstellungen in Köln (Kunstwerk Nippes) und Ungarn (Centre for Modern and Contemporary Arts, Debrecen) gegeben.


Der Bildhauer Botond stammte aus Südungarn. Geboren wurde er 1949 in Pécs (Fünfkirchen). 1975 schloss er sein Studium in Budapest an der Hochschule für angewandte Kunst ab. Vier Jahre lang arbeitete er als Goldschmied. Seit 1979 lebte er in Nürnberg und konnte sich rasch über die fränkische Kunstszene hinaus einen Namen machen. Als Künstlernamen verwendete er seinen Vornamen, der die Bedeutung "Speerträger" hat (nach anderen Deutungen bedeutet er Streitkolben oder Morgenstern). In den frühen 1980er-Jahren waren Pferde und Reiter ein figürliches Thema, dem er mit Draht und Stahlblech viele Facetten abgewann, und das er ausgesprochen un-, besser gesagt antipathetisch behandelte. In der zweiten Hälfte der 1980-Jahre trat er in der Kunsthalle Nürnberg hervor mit der Installation „Echo“ (Dr. Claus Pese schreibt im Werkverzeichnis 2012, Botond sei damit erstmals für die Kunstgeschichte greifbar geworden). Der Abstraktionsgrad ist höher, das Fragmentarische als Grundton wird sichtbar: In offenen Stahlblechkästen befinden sich Drahtfiguren. Aus dem Katalogtext dazu, 1986: „Wie seinen Zeichnungen genügen auch den Plastiken Botonds Andeutungen allgemeiner Stellungen, um Figurenbewegungen zu emanieren.“ (H.P. Miksch). Es folgten noch rund 20 Werkgruppen (bis heute von Vielen gesehen der Turm aus eingeschweißten Büchern im Germanischen Nationalmuseum) mit Themen wie Buch & Bibliothek, Civitas, Homo Bellicosus oder Schlaf. Dazu aus dem Werkverzeichnis: "Diese Werkgruppen, die er meist über längere Zeiträume bearbeitete, setzten sich mit der Bücherverbrennung, der Missachtung der Natur, der Ausrottung rumänischer Dörfer, der Unmenschlichkeit der Städte oder der Sphäre zwischen Tod und Traum auseinander."

Das Generalthema war der Mensch und seine Auswirkung auf die Natur. 1991 schrieb Botond: „Während wir von Fortschritt und Entwicklung träumten, sind wir von der Naturkatastrophe Mensch im Schlaf überrascht worden.“

Seine Arbeiten sind in erster Linie dem Zeichnen, dem Schweißen und dem Nähen (LKW-Planen oder dünne Folien auf der Schusternähmaschine) geschuldet. Die Nähe dieser Arbeitsmethoden untereinander ist sprechend! Seine späten Arbeiten wurden teils malerisch, teils performativ.

Bei der Frage, wie eine kleine städtische Kunsthalle wie die Fürther kunst galerie fürth eine Art von Retrospektive (die erste im deutschsprachigen Raum nach dem Tod von Botond im Oktober 2010) veranstalten könne, wurde die Lösung darin gefunden, das Thema Kopf auszuwählen, das sich in fast allen Phasen des umfangreichen Werkes findet. So können die künstlerische Entwicklung oder die unterschiedlichsten Materialien (von Bronze und Stahl bis Polyethylenfolie, von Draht bis LKW-Plane) berücksichtigt, Zeichnungen neben Plastiken und Skulpturen gezeigt werden.

Seit 2012 liegt eine umfassende Werkmonographie vor (ISBN 978-3-00-038891-0) unter dem Titel "Botond, Das künstlerische Werk".




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