Nürnberger/Fürther Nachrichten, 22.Januar 2014

Holzfiguren mit unergründlicher Aura


Bildhauer Walter Moroder aus Südtirol stellt in der Kunstgalerie Fürth seine eindringlichen Skulpturen aus

Poetischen, eindringlichen, manchmal auch unheimlichen Figuren begegnen die Besucher derzeit in der Kunstgalerie Fürth. Sie zeigt Holzskulpturen des Südtiroler Bildhauers Walter Moroder.

„Die Darstellung der Stille“ heißt die Ausstellung von Walter Moroders Holzfiguren. Wer die Kunstgalerie Fürth betritt, begreift sofort, warum.

(Frauen-)Figuren, alle fast lebensgroß, „bevölkern“ die beiden Ausstellungsräume. Sie stehen, liegen, hocken. Ihr Blick ist einerseits unergründlich und in sich gekehrt, andererseits weckt er haufenweise Assoziationen und Emotionen.

Und das ist auch genau so gewollt. „Der Betrachter soll sich selbst spüren“, sagt Walter Moroder. „Ich will ihn nicht beeinflussen in seiner Interpretation.“ Das glaubt man ihm sofort, denn der 1963 in St. Ulrich in Gröden geborene Künstler hört hochkonzentriert und sehr interessiert zu, wenn man ihm davon erzählt, wie seine Figuren auf einen wirken.

Walter Moroder stammt aus einer traditionsreichen Holzbildhauer-Familie. Im Grödnertal in Südtirol werden Heiligenfiguren quasi am Fließband produziert. Es scheint ihm etwas unangenehm zu sein, wenn man sagt, dass er gegen diese Tradition anarbeitet. Und dennoch wollte er nach seiner Ausbildung beim Vater mehr als sakrale und glatte Schönheit zeigen. Daher ging Walter Moroder an die Münchner Akademie der Künste, um 1988 dann doch in seine Heimat zurückzukehren. Lange arbeitete er nur abstrakt. Bis ihn 1996 eine Reise auf die indonesische Insel Sulawesi zu seiner jetzigen Kunst inspirierte. Dort faszinierten ihn die Plastiken auf Gräbern, deren Gesichtszüge nach denen der Verstorbenen geschnitzt sind.

Seitdem widmet er sich der Darstellung von zumeist Frauen, die nichts Heiliges, sondern viel Menschliches haben. Aus Zirbelkiefer- und Lindenholz entstehen die Figuren, denen er außerdem noch Kleider verpasst: „Bei Nacktheit kommt sofort wieder der Aspekt der Erotik rein, das will ich vermeiden“, sagt Moroder, der seine Skulpturen aufwendig mit Acrylfarben, Lehm, Leim, Sägemehl und mehr bemalt und verziert. Wobei er nie parallel an mehreren arbeitet, sondern immer erst eine fertigstellen muss, bevor er eine neue beginnt. Und wann ist sie fertig? „Wenn sie mich beunruhigt“, sagt Moroder. Wenn etwas zu perfekt wirkt, zerstört er es auch gerne: „Sonst wird man als Kreativer zu bequem.“ Moroder mag es, wenn er seine Arbeiten anschließend aus einem neuen Blickwinkel betrachten kann.

Arbeit aus Pellets

Beunruhigt ist man oft auch als Ausstellungsbesucher, denn die Frauen, die auch an antike und ägyptische Vorbilder erinnern, wirken teils höchst lebendig, manchen hat der Künstler gar Glasaugen verpasst. Andere gehen in eine abstraktere Richtung, wie die Figur aus Pellets mit ihren dünnen Ärmchen, die sich auch in einem Horror-Film gut machen würde. Und doch hat man irgendwie das Gefühl, man müsse sie umarmen...

 

Susanne Helmer 

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