Nürnberger/Nordbayerische Nachrichten, 3.7.2014

Darf der Krieg ins Bilderbuch?


In der kunst galerie fürth werden außergewöhnliche Illustrationen präsentiert

Beim Thema Krieg im Kinderbuch stellen sich zwei Fragen. Erstens: Darf man das? Und zweitens: Funktioniert das überhaupt? Beide beantwortet die kunst galerie fürth derzeit mit einem kräftigen "Ja"! Sie widmet sich erstmals seit ihrer Gründung vor 12 Jahren dem Genre Illustration.

Dreißig Jahre liegen zwischen den beiden Büchern, die derzeit in der kunst galerie fürth in Wort und Bild präsentiert werden. Roberto Innocenti, für Galerie-Leiter Hans-Peter Miksch der italienische "Altmeister der Buchillustration", fand für seine Geschichte "ROSA WEISS" in seiner Heimat erst einmal keinen Verlag. 1985 erschien das Buch über das Schicksal eines kleinen Mädchens im Zweiten Weltkrieg dann endlich - in den USA. Ein Jahr später kam es in Deutschland auf den Markt. Die Diskussionen darüber, ob man den Holocaust in einem Buch für Kinder thematisieren dürfe, waren damals noch lautstark. Und auch heute dürfte es noch Stimmen geben, die sagen: "Das geht gar nicht."

Zumal der Text -in Fürth hängt die Nacherzählung von Mirjam Pressler - so nüchtern, knapp, und von jeglichem, auch emotionalem Ballast befreit ist, dass einem als Erwachsener der Atem stockt. Obwohl oder gerade weil Schlagwörter wie Zweiter Weltkrieg, Nazis oder Konzentrationslager überhaupt nicht vorkommen. Denn sie sind in Rosas Wortschaft gar nicht vorhanden. Vollends gefangen nehmen Innocentis (Jahrgang 1940) ungemein detailreiche, plastische Bilder, die beinahe wie Fotografien wirken und daher auch nichts beschönigen.

Sie geht nicht gut aus, die Geschichte der kleinen Rosa, die übrigens bereits für Kinder ab fünf Jahren empfohlen wird. Auch das ist eine Gemeinsamkeit mit dem zweiten Buch der Ausstellung, "Ein roter Schuh". Idee und Text stammen von Karin Gruß, die Illustrationen hat Tobias Krejtschi (Jahrgang 1980) beigesteuert. Das Buch für Kinder ab acht Jahren heimste einige Preise ein, im vergangenen Jahr zeichnete die Stiftung Deutsche Buchkunst es als eines der 25 schönsten deutschen Bücher des Jahres aus.

Von Granate getroffen

"Ein roter Schuh" wird aus der Perspektive eines Fotoreporters erzählt, der im Palästinakonflikt das Schicksal des kleinen Kenan mit der Kamera begleitet: Dessen Schulbus wurde von einer Granate getroffen. Bis auf eine Traumszene sind alle mit modernem Strich gezeichneten Bilder in Schwarzweiß gehalten und stehen nicht nur dadurch im abwechslungsreichen Kontrast zu Innocentis Illustrationen. Farbig ist immer nur der Sportschuh des Jungen gezeichnet - Rot hat in diesem Fall natürlich zugleich Signal- und Symbolkraft. Auch die Schuhe als solche haben für den namenlosen Journalisten eine emotionale Bedeutung: Seinem Neffen zuhause hat er das gleiche Modell geschenkt.

Was beim Lesen und Betrachtern auffällt: Krieg kann, darf, ja muss vielleicht sogar ein Thema auch für Kinder sein. Gerade heute, da der Zugang zu Medien aller Art allgegenwärtig ist und daher auch Jungen und Mädchen mit Nachrichten und Bildern aus Krisengebieten konfrontiert sind. Allein lassen sollte man sie nicht mit ihren Fragen und auch nicht mit den Büchern.

Auch deswegen sei das Begleitprogramm zur Ausstellung empfohlen: "Kinder philosophieren mit Eltern und Großeltern" am 18. Juli für Familien mit Kindern im Vor- und Grundschulalter und eine Führung für Menschen ab acht Jahren am 26. Juli. Für Kitas und Schulen gibt es ebenfalls ein kunstpädagogisches Angebot (...).

Susanne Helmer

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