Nordbayerische Nachrichten, 14./15.1.2017

Von der Linie zu utopischen Weltentwürfen


Kunstform mit vielen Facetten: Ausstellungshäuser im Großraum laden zur vierten "Biennale der Zeichnung"

Zum vierten Mal lädt die "Biennale der Zeichnung" dazu ein, die Vielfalt einer Kunstform zu entdecken, die in Museen oft ein Schattendasein in abgedunkelten Kabinetten führt. Wie sehr es sich lohnt, sie ans Licht zu holen, zeigen sieben Ausstellungen und elf Künstler in Nürnberg, Fürth, Erlangen, Schwabach und Zirndorf.

Einen roten Faden, ein gemeinsames Thema, gibt es nicht. "Aber wir haben darauf geachtet, möglichst unterschiedliche zeichnerische Positionen zu einer Gesamtschau zu verbinden", sagt Margit Mohr vom Nürnberger Galeriehaus Nord. Dort hat die Zeichnerin und "Utopistin" Angelika Arendt ihr faszinierendes Werk ausgebreitet: Ganze Weltentwürfe im Miniaturformat, so detailreich, opulent und schlicht meisterhaft, dass der Blick buchstäblich hingezogen wird in diese ornamentreichen, spannungsvollen Universen.

Eine Inspirationsquelle sind für Arendt die virtuosen Darstellungen von Kleinstlebewesen des Biologen Ernst Haeckel in seinen 1899 erschienenen "Kunstformen der Natur". Das Buch findet man - purer Zufall - im Original auch in der kunst galerie fürth, in der Monika Bartholomé mit ihrem nomadischen "Museum für Zeichnung" Station macht. Wie in einer Wunderkammer präsentiert sie auf Regalen und Podesten anhand zahlloser Bildfundstücke eine Kulturgeschichte des Ornaments. Egal ob in künstlerischer Absicht entstanden oder dem Alltag entnommen, bezeugen diese Dokumente, dass die Linie, die Zeichnung, das Ornament, das Tattoo universelle Ausdrucksmittel des Menschen zu allen Zeiten waren.

Die Faszination für Muster und Ornamente findet sich auch in Bartholomés eigener Kunst wieder. Besonders eindrucksvoll, auch witzig, sind ihre "Randfiguren"-Arbeiten. Das Motiv - ein Piktogramm, das einen aus der Balance geratenen Menschen darstellt - schuf sie ursprünglich im Auftrag einer Arbeitsagentur. In der seriellen Anordnung wird daraus ein abstraktes, bewegtes Muster.

Ergänzt wird Bartholomés Museumsgastspiel von einigen ihrer originalen Tuschezeichnungen, die gleichsam auf einen Blick die Vielfalt dieses Mediums offenbaren - von der reinen Linie bis zum schattenhaften Menschenbild im spannungsvollen Hell-Dunkel-Kontrast.

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Regina Urban

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