21. Juli bis 26. August 2018

Benno Berneis - Dunkle Sehnsüchte, romantisches Talent


Im Jubiläumsjahr der Stadterhebung („200 Jahre eigenständig“) widmen sich sämtliche sieben Ausstellungen der städtischen Galerie dem Themenkomplex Stadt, Urbanität, Architektur. Die Erinnerung an einen jung verstorbenen Maler, der einst als großes Talent galt, nimmt zwar nicht direkt Bezug auf das Jahresthema, aber es geht ja um Eigenständigkeit und Selbstbewusstsein. Da kann eine Erinnerung an einen talentierten Sohn der Stadt nicht schaden.

Benno Berneis wurde 1883 in Fürth als Fabrikantensohn geboren. Sein Vater war der wohlhabende jüdische Unternehmer Albert Berneis, Mitinhaber der Schuhfabrik B[ärmann]. Berneis. Benno Berneis besuchte die Volksschule und das Humanistische Gymnasium in Fürth, zum Studium (Malerei und Philosophie) ging er nach dem einjährigen Militärdienst in Nürnberg 1902 nach München, 1905 dann weiter nach Berlin, wo er bis zu seinem Tod lebte.

Er studierte in Berlin bei den besten deutschen Malern seiner Zeit, bei Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt, zu dem er eine besondere Beziehung entwickelte. Berneis verkehrte bald in Literaten- und Schauspielerkreisen, heiratete zuerst die Schauspielerin Betty Meyer, kurz vor seinem Tod in zweiter Ehe die berühmte Theater- und spätere Filmschauspielerin Gertrud Eysoldt, mit der zusammen er seit 1905 einen Sohn hatte. Er malte hauptsächlich (Auftrags-)Porträts, als leidenschaftlicher Reiter Pferdestudien oder Bilder von Pferderennen, natürlich etliche Theaterbilder, nach seinem Austritt aus der Jüdischen Gemeinde um 1906/07 herum auch christliche Motive. Ab 1909 durfte er in der renommierten Galerie „Kunstsalon Paul Cassirer“ ausstellen, u.a. zusammen mit Henri Matisse oder Camille Pissarro, er wurde eingeladen vom Deutschen Künstlerbund und war Mitglied der Freien Sezession unter Max Liebermann, wo er Kollegen kennenlernte wie Ernst Barlach, Max Beckmann, Wilhelm Lehmbruck oder Heinrich Zille. Kritiker prophezeiten ihm großes Talent und eine erfolgreiche Zukunft.

Seit dem Kriegsausbruch 1914 leistete er Wehrdienst in Frankreich, zuerst als Reiter beim Nachschub. Nachdem er das Offizierspatent erhalten hatte, meldete er sich 1915 freiwillig zur Ausbildung als Jagdflieger. 1916 wurde er beim Luftkampf während der Schlacht an der Somme abgeschossen.

Der künstlerische Nachlass blieb bei seiner Schwester Frida Langer, die aber ab 1933 ff. schweren Nazi-Repressionen ausgesetzt war. Die Flucht wurde ihr verwehrt, stattdessen wurde sie 1942 in den Freitod getrieben, einen Tag vor ihrer Deportation. Es gelang ihrem letzten Lebensgefährten, den Nachlass von Benno Berneis aufzubewahren, nach der Restitution nach Kriegsende kaufte er das Haus von Frida Langer von den Erben und lebte dort bis zu seinem Tod in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre mit seiner Familie. Seine kinderlosen Töchter hüteten jahrzehntelang die Bilder von Berneis im ehemaligen Haus der Schwester Frida, bis ein wesentlicher Teil der Gemälde und Zeichnungen 2014 als Geschenk an die Berlinische Galerie ging.

Berneis steht zwischen dem Impressionismus und dem Expressionismus, die Kritik bescheinigte ihm ein romantisches Talent. Eine Kritikerstimme von 1914: „(…) In der Entwicklungslinie begegnet sich Berneis nahe mit Beckmann. Aber er arbeitet bewusster. Sein Ziel ist eine Kunst reinen Ausdrucks, die von der natürlichen Erscheinung nicht mehr übernimmt als das notwendige Substrat und die zugleich zu einer Harmonie der farbigen Oberfläche hinstrebt.“ Aus dem Nachruf, 1916: „(…) In der jüngsten Zeit hatte Berneis seine Ziele höher gesteckt. Er versuchte sich in großen Kompositionen. Baute er zunächst auf der guten Tradition der alten Berliner Sezession, insbesondere den Lehren, die Liebermann in seinem Werke aufgestellt hatte, weiter, so fand er nun in den Wagnissen der jüngeren Generation die Bestätigung eigener dunkler Sehnsüchte.“ Aus einer Kunstzeitschrift, kurz nach seinem Tod: „Sein Talent war romantischer Art. Er liebte eine gewisse Art von phantastischer Aufgeregtheit, er kultivierte die leidenschaftliche Malerei und erinnerte in seinen Motiven zuweilen an Delacroix. Darum gehörte er auch nicht so sehr der Generation der nach der Natur arbeitenden Impressionisten an, als vielmehr den im Atelier dichtenden Expressionisten.

Der Titel unserer Gedächtnisausstellung, mehr als 100 Jahre nach der letzten Ausstellung, nimmt also zwei Wendungen auf aus zeitgenössischen Rezensionen.

Wiederentdeckt wurde er durch eine Ausstellung zum Jubiläum des 1. Weltkriegs, die 2014 im Jüdischen Museum München gezeigt wurde ("Krieg - Juden zwischen den Fronten"). In Gruppenausstellungen im Edwin-Scharff-Museum in Neu-Ulm (2014) und im Museumsberg Flensburg (2015) wurden erstmals Bilder von Berneis ausgestellt. Seit 2015 zeigt die Berlinische Galerie in ihrer Dauerausstellung immer wieder das eine oder andere Bild oder Zeichnungen von Benno Berneis. Im Zuge der Wiederentdeckung spielt die Einzelausstellung in Fürth eine wichtige Rolle.

(c) Hans-Peter Miksch

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