Nordbayerische Nachrichten & Nordbayerische Zeitung 12.11.2019

Kopfüber in die Zirkuswelt


"Capriola Mortale": Die Malerin Kathrin Hausel macht die KUNSTGALERIE Fürth zu ihrer Manege

Hans-Peter Miksch ist als Leiter der kunst galerie fürth im Endspurt: Vier Ausstellungen zeigt er noch, bevor er in Ruhestand geht - und hat sich dafür seine Lieblinge aufgespart. Dazu gehört Kathrin Hausel (Jahrgang 1979), die Künstlerin mit dem ganz besonderen Gespür für Stimmungen und Mehrdeutigkeiten. "Ich bin eine Menschenmalerin", sagt die gebürtige Fürtherin, die 2014 mit dem Kulturförderpreis ihrer Heimatstadt geehrt wurde.

Über ein Jahr lang hat sie für die Ausstellung, die über eine schlichte Bilderpräsentation weit hinausgeht, gearbeitet. Und zwar in ihrer typischen Manier: Ausgehend von einem Thema lässt sie sich treiben, kommt vom Hundersten ins Tausendste, vom großen Ganzen zum scheinbar unwichtigen Detail - und fängt die ganzen Beobachtungen, malerischen Notizen und Details am Ende wie eine Dompteurin wieder ein. Womit wir auch beim Thema ihrer Präsentation wären: "Capriola Mortale".

Einen kleinen Zirkus im Winterquartier in der tristen Vorstadt hat Hausel auf ihrem täglichen Weg ins Atelier gesehen und angefangen, dem Leben an diesem Ort des Staunens, der Sehnsüchte, des einstigen Glanzes und der harten Arbeit nachzuspüren. Nebenschauplätze am "Stadeln Sunset Boulevard" (so der Titel eines Gemäldes) in den Blick zu nehmen und Gesehenes ins Absurd-Skurrile zu verwandeln.

Es ging ihr dabei keineswegs um diesen einen Zirkus, sondern ganz allgemein um einen irgendwie aus der Zeit gefallenen Kosmos mit seiner Melange aus Artisten und Clowns, Nervenkitzel und Nostalgie, Tieren und Zuschauern, denen der Mund offenbleibt. In pudrigen, mitunter auch düsteren Farben zeigt Hausel fliegende Menschen und Vierbeiner, Akrobaten beim Trainieren, wirft wie im Vorübergehen Blicke auf Wohnwagen, Nebelmaschinen oder Sperrsitze. Und lässt die Fantasie bei Motiven und Bildtiteln auch gerne mal Purzelbäume schlagen: "Ich mag`s absurd, gruselig und lustig."

Die Malerin hat die Kunstgalerie zu ihrer Manege im charmanten Retro-Glanz verwandelt - mit Lichterketten und Sägespänen, mit schwarzem Stoff als Untergrund für ihre Bilder von Dompteuren, Zauberpferden und Artistinnen. Andere Gemälde von Pailletten oder Latexanzügen präsentiert sie hoch droben auf Stelzen. Eine zauberhafte Ausstellung!

Birgit Ruf

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