27. April bis 30. Juni 2024 // Eröffnung: Fr, 26.4.2024, 19 Uhr
Close to you


Beteiligte Künstlerinnen und Künstler: Joëlle Dubois (Gent/Belgien), Aneta Grzeszykowska (Warschau/Polen), Kasia Prusik-Lutz und Olaf Prusik-Lutz (Nürnberg), Olaf Unverzart (München).

Familie kann man sich nicht aussuchen. Das gilt auch für das daran geknüpfte Gefühlsgeflecht, das ebenso elementar wie prägend ist und das sich im Laufe jeden Lebens wandelt. Im Fokus von „Close to you“ steht die künstlerische Auseinandersetzung mit engen Familienmitgliedern und damit verbundenen Aspekten wie Zuneigung, Empathie, Nähe und Distanz, Anwesenheit und Abwesenheit.

Die Kunstgeschichte kennt zahlreiche bewegende Zeugnisse, bei denen sich Künstlerinnen und Künstler in Werken und Bilderzyklen mit der eigenen Familie und damit verbundenen Erfahrungen befassen. Sie lassen nie kalt, ganz gleich was der Ausgangspunkt sein mag, ob das ins Werk Gesetzte eine konkrete Situation aufgreift oder eine Stimmung vermittelt, ob über Schmerzliches, Heiteres oder Alltägliches berichtet wird.

Das trifft auch auf die in der Ausstellung „Close to you“ versammelten Werke und Werkgruppen zu, in denen die beteiligten Künstlerinnen und Künstler ihren Blick auf grundlegende soziale Beziehungen richten. Auf ganz unterschiedliche Weise widmen sie sich in den gezeigten Arbeiten eigenen familiären Beziehungen und Familienmitgliedern. Die Form des klassischen Einzelporträts wird hierbei ebenso gewählt wie die serielle Erzählung oder das Stillleben, das für eine Person stehen kann. Die Grenzen zwischen Intimität und Privatheit können fließend sein, wenn derart nahestehende Personen zum Gegenstand der Kunst werden. Denn das klassische Prinzip des „Modellstehens“, bei dem professionelle Distanz gewahrt werden kann, greift nur bedingt. Das gegenseitige Vertrauen ist hierbei unabdingbar, und es führt im selben Moment zu einer Gratwanderung, die in allen Arbeiten mitschwingt.

Joëlle Dubois (Gent/Belgien) zeigt eine Auswahl ihres Bilderzyklus‘ „Forget me not“, in dem sie sich mit der Alzheimererkrankung ihrer Mutter auseinandersetzt. Die fröhlichen Farben und ein fast standpunkthafter Stil, wie er mexikanischen Malern im 20. Jahrhundert eigen war, stehen hier im Kontrast zum Thema, dem schleichenden Verschwinden des geliebten Menschen. Aneta Grzeszykowska (Warschau/Polen), zeigt eine Auswahl ihrer Serie „Mama“, ein 50teiliger Zyklus von Schwarzweiß- und Farbfotografien. Hierfür ließ sie ein lebensechtes Silikondouble von sich anfertigen, mit dem ihre kleine Tochter einen ganzen Tag lang in ganz verschiedenen Situationen agiert. Die Fotos sind rührend, lustig und aufwühlend, bisweilen alles auf einmal. Kasia und Olaf Prusik Lutz (Nürnberg) greifen in ihrer Kunst meist das Naheliegende, sie stetig Umgebende auf. So verewigen sie in ihren Bildern wiederkehrend auch die eigenen Kinder. Mitunter auf großem Format als selbstbewusste, auf beiden Beinen stehende überlebensgroße Figur – als wüchsen sie den Eltern buchstäblich über den Kopf. Ein ebenso konstatierender wie anteilnehmender Blick kommt hier zum Tragen. Olaf Unverzart (München) begleitete seine Großmutter in ihrem 100sten Lebensjahr. Die bei den regelmäßigen Besuchen entstandenen Fotografien sind ein berührendes Zeugnis des Vertrauens zwischen Enkel und Großmutter. Sie erschienen in einer Publikation mit dem Titel „HUNDERT“. Neben einer Auswahl von Prints aus der Publikation ist eine weitere Arbeit zu sehen, in dessen Zentrum das betagte Familienmitglied steht.


Wir danken für die großzügige Unterstützung durch die iba AGKochInvest und Leonhard Kurz Stiftung & Co. KG sowie dem Förderkreis der kunst galerie fürth

Bildnachweis: Aneta Grzeszykowska, aus der Serie/from the series Mama (#44), 2018, Silver gelatin print, hand printed by the Artist and pigment ink on cotton paper, 50 × 36 cm, Courtesy of the Artist, Raster gallery and Lyles and King Gallery

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