14. Oktober bis 17. Dezember 2023

Kristina Schuldt — Best before date


In der ungestümen Welt von Kristina Schuldts Bildern sieht nichts aus wie in der Realität, kaum etwas funktioniert, wie es soll, oder ist an dem Platz, an den es gehört. Gesichtszüge sind verrutscht. Verformte Hände können dem Gegenstand, den sie greifen, nicht habhaft werden. Die Figuren, oft allerlei Missgeschicken ausgesetzt, bewegen sich auf einem schmalen Grat zwischen Mut und Übermut, Beherrschung und Kontrollverlust. Dem entspricht auch Kristina Schuldts malerisches Vorgehen: souverän und unaufhaltsam wird der Bildraum gefüllt, und das Bildgeschehen wird multiperspektivisch angelegt. Zugleich zeigt sich ihre Malerei immer wieder als Ergebnis eines suchenden Prozesses, bei dem Figuration neben Abstraktion, Unverhofftes neben Geplantem stehen darf und wo lustvoll um die Stimmigkeit von Form und Inhalt gerungen wird.

In ihren Bildern zeigt die Leipziger Malerin Kristina Schuldt anhand von situativen Sujets eine Welt, die durchdrungen ist von Ambivalenzen und dem Nebeneinander von Gegensätzen. Ihre oft großformatigen Malereien sind kraftvoll und von entschiedener Komposition und Farbigkeit. Stilisierte, imposante Figuren, zumeist Frauen, beherrschen den Bildraum, der ihnen immer etwas zu klein ist. Ihre Körper mit den überlangen, metallisch glänzenden und absurd verbogenen Gliedmaßen lösen sich bisweilen bis zur Abstraktion auf. Stets ringen sie mit sich, mit anderen oder verheddern sich in irgendwelchen Gegenständen. 

In ihrer Bildsprache lassen sich unverkennbar Vorbilder der klassischen Moderne ausmachen wie etwa der Maler Fernand Léger (1881-1955), der für seine stilisierten, „tubischen“ Figuren bekannt ist. Unbefangen greift Kristina Schuldt auf derlei Vorbilder zurück, macht sie sich zu eigen und geleitet sie in ihren Bildern selbstverständlich in die Jetztzeit. 
Kristina Schuldts Arbeiten basieren meist auf eigenen Erlebnissen und einprägenden Situationen. Sie erfasst deren universellen Kern und zeigt ihn mit ihrer Bildsprache als Momentaufnahme einer vielgesichtigen Welt. Auch der von der Künstlerin gewählte Ausstellungstitel „Best before date“ (dt.: haltbar bis) spielt darauf an, dass in dem lapidaren Verbrauchshinweis durchaus etwas Universelles steckt: Denn oft nimmt er uns die Entscheidung ab, etwas zu entsorgen. Und so entsteht wieder mehr Ordnung im Kühlschrank oder Platz im Regal. Wie ein kleiner Neuanfang. 
Speziell für die kunst galerie fürth entwickelt die Künstlerin eine große Wandarbeit, in die sie neben Malerei, auch Zeichnungen und Skizzen integriert. Die Ausstellung versammelt darüber hinaus eine Auswahl von Bildern und Grafiken der letzten zehn Jahre, die von privaten Sammlerinnen und Sammlern dankenswerterweise als Leihgabe zur Verfügung gestellt werden. 

Kristina Schuldt, 1982 geboren in Moskau, lebt in Leipzig. Sie studierte dort an der Hochschule für Grafik und Buchkunst bei Annette Schröter, Sighard Gille und Neo Rauch, bei dem sie 2012 als Meisterschülerin abschloss. 


Wir danken für die großzügige Unterstützung durch KochInvestLeonhard Kurz Stiftung & Co. KG sowie dem Förderkreis der kunst galerie fürth

Abbildung: Kristina Schuldt, Einfall, 2015, Öl und Eitempera auf Leinwand, 70,5 x 60 cm, Privatsammlung, courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin, Foto: Josephine Walter, Berlin; VG Bildkunst 2023

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