Für unsere neue Reihe "Display" haben wir die Fensterfront aktiviert. Sie bietet künftig eine zusätzliche Plattform für künstlerische Präsentationen. In loser Folge laden wir Künstlerinnen und Künstler ein, diesen von außen einsehbaren und vom Innenraum unabhängigen Bereich zu bespielen.

Andrea Sohler - Selfie as a huhu

Display No.1 - bis 20.6.2021


Den Auftakt macht die in Fürth lebende Künstlerin Andrea Sohler (*1968). Sie arbeitetet ausschließlich im Medium der Fotografie. Ihr Interesse gilt all den Dingen, die wir täglich sehen, aber nicht wirklich wahrnehmen – ob in Innenräumen oder im öffentlichen Raum: Dabei kann es sich um einen Farbklecks an einer Wand handeln, um eine Holzmaserung, den unscheinbaren Lichtverlauf entlang einer Raumkante, Kissenfaltungen, Wasserspuren an einer Hausfassade, um einen zerbrochenen Straßenspiegel, Graffiti, Pfützen, Flecken, Kratzer... In letzter Zeit nutzt Andrea Sohler verstärkt spontane oder auch ungeschickte Fotoergebnisse in Kombination mit technisch bedingten Schwächen von Digitalkameras, wie sie etwa bei einem Mobiltelefon vorkommen können. Hierbei sind es mitunter reine Farbverläufe ohne ein erkennbares Objekt, die in den Fokus der Künstlerin rücken und dann zum eigentlichen Bildmotiv werden können. Ein Beispiel hierfür ist die 2017 entstandene, vierteilige Serie „Selfies“.  

In unserer neuen Reihe „Display“ zeigt Andrea Sohler die Arbeit „Selfie as a huhu“, die sie aus der Serie „Selfies“ herausgelöst hat. Die eigentlich kleinformatige Fotografie wurde um ein Vielfaches vergrößert und auf Planenstoff gedruckt. Ein wandhohes „Huhu“ grüßt nun von weitem sichtbar in den Stadtraum. Andrea Sohler wählte dieses sprechende Foto bewusst. Gefunden hat sie das Graffiti an einer versteckten, wenig beleuchteten Stelle, wobei sich die Frage stellt, ob der oder die Autor/in jemanden ansprechen oder herbeirufen wollte oder ob es einem spontanen, kindlichen Einfall entsprungen ist. Vieles ist denkbar. In der Form und Größe, wie es nun im Fenster hängt, kann man das „Huhu“ auch als ein Bemerkbarmachen aus der kunst galerie fürth verstehen, als einen spielerischen Wink aus den zurzeit noch geschlossenen Räumen. Die durch die Vergrößerung abermals verstärkten ästhetischen Veränderungen in Bezug auf Farbe und Körnung gehören wie die kamerabedingten Unzulänglichkeiten zu jenen Vorkommnissen, auf die die Künstlerin im Allgemeinen gezielt hinarbeitet. Andrea Sohler eröffnet hier eine alternative Perspektive für fotografische Perfektion. 
Im Fenster daneben präsentiert die Künstlerin alle vier Arbeiten der Serie „Selfies“ 

Abb.: Andrea Sohler, Selfie blau, 2017, Fotografie, Digitaldruck, MDF, 45 x 30 cm, (aus der Serie "Selfies")




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