28. Februar - 23. März 2003

Ortwin Michl


Ortwin Michl, Jahrgang 1942, ist wohl der bekannteste lebende Künstler der Stadt Fürth. Seit vielen Jahren kennt man seine Arbeiten aus Ausstellungen in der Region. Doch Michl hat sich neben seiner eigenen künstlerischen Arbeit wiederholt für den Nachwuchs eingesetzt, er hat versucht, ambitionierte und zeitgemäße Zeichen zu setzen im öffentlichen Raum, wenn er mit seinen Studenten der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule in Nürnberg die Gestaltung der U-Bahnhöfe Rathaus oder Stadthalle in Fürth übernahm, nicht zuletzt seinem Engagement ist es zu verdanken, dass die Diskussion um die Errichtung einer städtischen Galerie nicht abstarb. Jahrelang leitete er den von ihm gegründeten Kulturring C, einen lockeren Verbund von in erster Linie freischaffenden Künstlern aus Fürth.

Die Verleihung des Kulturpreises der Stadt Fürth in 2002, dem Jahr, in dem Ortwin Michl seinen 60sten Geburtstag feiern konnte, war eine überfällige Ehrung und die angemessene Würdigung eines Künstlers, der einen eigenen Weg gefunden hat, irritierende und dennoch äußerst kultivierte Tafelbilder - neben zahllosen Papierarbeiten - zu schaffen.

Es überrascht nicht, dass Michl, den regelmäßig ausgedehnte Wanderreisen in eher karge und menschenleere Gegenden führen, landschaftliche Eindrücke zum Ausgangspunkt seiner spannungsreichen und dennoch äußerst ausgewogenen Tafelbilder und Aquarelle nimmt. Er lädt den Betrachter ein, den Stimmungen, die der Künstler durch atmosphärische Eindrücke wie Licht und Wetter, aber auch durch die Konfrontation zivilisatorischer mit natürlichen Zeichen gewonnen hat, nach zu spüren, selbst in eine verwandte Stimmung zu tauchen: "Der Betrachter findet sich in einem Raum ohne Bodenhaftung, ohne Horizont und vertikale Haltelinie." (Georg Graf v. Matuschka).

Der wichtigste Grundsatz, den Michl erwähnt, ist das Prinzip der Störung. Immer kurz bevor die farbstarken Gemälde zu reinen Farbraum-Körpern werden könnten, in denen der Blick defokussiert, wird ein starker Kontrast gesetzt - das kann im Einzelfall sogar ein Holzstück oder etwas anderes Dreidimensionales sein. Die jüngsten Bilder sind von neuer Freiheit, nicht wild, aber unbekümmert um Konventionen, scheinbar völlig ungegenständlich, und dennoch nicht ohne Zeichen, die der Betrachter als Gerüst für eigene Interpretationen nutzen kann.
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