Abendzeitung Nürnberg, 17.01.2006

Konkreter Kunst-Dialog


Mehr als ein zu groß geratenes Schaufenster ist die kunst galerie fürth - was die räumlichen Möglichkeiten des städtischen Ausstellungshauses angeht - ja nicht.

Aber wie einfallsreich deren Leiter Hans-Peter Miksch die Auslagen bestückt, lässt sich immer wieder (auch im aktuellen Seitenblick zu seinem ehemaligen Arbeitsplatz, dem Nürnberger Kunsthaus) überprüfen. Seine 2003 gestartete Reihe "MeisterSchüler", bei der sich u.a. Günther Uecker/Herbert Koller und Werner Knaupp/Gerhard Rießbeck "auf Augenhöhe" trafen, ist dafür ein gutes Beispiel. Zu dem auch das neue Paarungsmodell "Diet Sayler/Tatsushi Kawanabe" passt. Da halten zwei Maler cool den Deckel auf dem Topf ihres konkreten Kunst-Kosmos. Darunter blitzen Emotion und Farbe.

Mit schräg aufs Papier gesetzten Linien verblüffen die Papierarbeiten des 35-jährigen Japaners Tatsushi Kawanabe fast als Wiedergängerei des jungen Diet Sayler. Dieses Stilprinzip deckt damit einen Teil des von Miksch geforderten Anforderungsprofil ab. Ähnlichkeit sollte man ausmachen können. Neben "Unterschiedlichkeit" und "Eigenständigkeit". Die findet sich in sparsamen Reaktionen auf den deutschen Kulturkreis, wenn er aus gotischen Klappaltären Farbe in verlaufenden Schattierungen leuchten lässt, und die förmlich ausgestanzten Umrisse der Lorenzkirche im monochromen Umfeld platziert und auf die "Leere Mitte" deutet (Titel) - Querverweis auf meditative Praktiken. Immer arbeitet Kawanabe mit Hohlräumen und Farbillusionen. Bei den Papier-Quadern, die er exakt durch- und aufschneidet, ergibt das die erstaunlichsten Augentäuschereien.

Was den Farbeinsatz angeht, genießt Diet Sayler, der ehemalige Nürnberger Kunst-Professor, alle Freiheiten des Alters. Seine beiden neuen Großformate, die auf den Namen "Valdichiana" und "Gargano" hören, überstrahlen in den satten Brombeer- und Rottönen das vermeintlich strenge Rationalisten-Weltbild: Puzzle-Bilder in keimender Gefühlsregung. Den ersten Ausstellungsblick dominieren sie sowieso mit geradezu physischer Präsenz. Duftmarken zu setzen wäre Sayler auch zu wenig gewesen. Aber er sieht sich als "Türöffner" für einen Paarlauf, "in dem der Jüngere sich profilieren soll". Macht er. Wackelfrei.

Andreas Radlmaier

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