Nürnberger Zeitung, 9.5.2006

Bullaugen schauen dich an


Inge Gutbrods Werke in Neumarkt und Fürth

Was klingt verlockender?
"Inge Gutbrod zeigt neue Arbeiten" oder
"Inge Gutbrod zeigt Elefantenohrenständer"?

Der zweite und endgültige Titel der Ausstellung in der kunst galerie fürth ist nicht nur vielversprechender als der erste Entwurf. Er trifft den Kern der Sache auch insofern besser, als die Schau über das Neue noch hinausgeht - ins Ungewöhnliche. Gutbrods kleine Garderobenskulptur für Elefantenlauscher bleibt dafür nicht der einzige Beweis.

Mit Wachsarbeiten machte sich Gutbrod, Jahrgang 1963, einen Namen. Ob Wachs als Lichtfilter oder -fänger, ob als Leuchtkasten oder als vasenförmiges Lustobjekt: Es dürfte wenig Erscheinungsformen dieses Werkstoffs geben, die die Fürtherin noch nicht ausprobiert hat. Dabei kommt sie ursprünglich von der Malerei. Die Trägerin des Wolfram-von-Eschenbach-Förderpreises hat bei Werner Knaupp an der Akademie studiert.

Unterschiedliche Essenzen aus Gutbrods Künstlerbiografie fließen nun auch in der Fürther Schau zusammen. Eine Ausstellung, die mit der parallel stattfindenden Präsentation "muSEEum" im Neumarkter Lothar-Fischer-Museum korrespondiert. Das heißt: Neben kleinen Einblicken in Gutbrods lichtdurchflutetes Wachsfigurenkabinett vermitteln Zeichnungen, Siebdrucke, eine Riesen-Vasenskulptur sowie erstmals auch Fotografien eine Vorstellung des vielseitigen Repertoires.

Sie gibt uns die Kugeln

Bullaugen schauen dich an! Denn sind es nicht die bulläugigen Lüftungsöffnungen der Kunst-Galerie, die uns die Künstlerin mittels ihrer Siebdruckserie "Let`s dance" leicht verfremdet aufs Auge drückt? Oder gibt sie uns damit nur wieder die Kugeln, die bereits in ihrer Neumarkter Ausstellung zu sehen sind? Dort baumeln sie als Wachsobjekte von der Decke herab, im Innern ein Schimmern.

Und Gutbrod ist verrückt nach Vasen: Geöffnete und geschlossene, fotografierte und modellierte, solche die die Assoziation einer Fruchthülse zulassen oder die an ein Wespen-Nest. Doch so formschön und faszinierend die Hohlgefäße auch sind, die Gutbrod im großen Fürther Galerieraum zu einem blütenweißen Kelch-Konglomerat aus Kunststoff, Größe XXL, verband - ihr künstlerischer Hausrat ist auch als Persiflage auf die bürgerliche Gemütlichkeit zu verstehen, wie sie sagt.

Wie Gutbrod auf Orte reagiert - sei es auf die klare Strenge des Raums in Fürth oder auf die Natur vorm Fenster in Neumarkt -, daraus spricht eine warme Ernsthaftigkeit. Dazwischen steckt nicht nur Poesie. Auch Humor kommt vor. Zwischen all ihre Fotografien hat Gutbrod zum Beispiel ein Bild von Gummistiefeln mit Brille gehängt - auch die sind ja eine Art von Vase. Man muss Vasen nur als solche erfassen - dann steckt in manch einer sogar ein Mensch.

Christian Mückl
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