Der neue Tag, Oberpfälzischer Kurier, Weiden, 29.09.2006

Ein Maler der großen und wilden Gefühle


Kunstgalerie Fürth zeigt bis 29. Oktober den Franzosen Paul Rebeyrolle

Fürth. Malerei kann nicht immer zahm sein. Einer, der auch so dachte, war der Franzose Paul Rebeyrolle (1926 bis 2006), dem seine Heimatstadt Eymoutiers vor zehn Jahren ein Museum widmete. In Frankreich sehr bekannt - auch wegen eines Skandals im Jahr 1951, der eine Jury spaltete - blieb Rebeyrolle in Deutschland so gut wie unerwähnt. Es war dem Leiter der Kunstgalerie Fürth, Hans-Peter Miksch, vorbehalten, hier als Pionier zu wirken und das Werk des aggressiven Franzosen (außer der Teilnahme an der "Documenta II" in Kassel 1959) in der Bundesrepublik in seinem Haus am Königsplatz zu zeigen.

Nicht zuletzt wegen einer Zusammenarbeit zwischen dem Bezirk Mittelfranken und dem Departement Haute Vienne bekommt diese Ausstellung auch internationales Gewicht. Der hohe Stellenwert des Künstlers in Frankreich wuchs wegen seiner kritischen Einstellung zu Politik und Gesellschaft. Besonders die Mächtigen, denen er zeitlebens misstraute, wurden von ihm aufs Korn genommen, 14 Bilder erreichte Miksch für seine Stadtgalerie von sechs privaten Leihgebern. Die Maße der Gemälde bewegen sich bis zu 2,50 x 2 Metern. Weit größere Dimensionen bieten die Bilder, die in Frankreich beheimatet blieben.

Rebeyrolle waren keine Materialien fremd. In seine plastische Malerei bezog er Stoff, Knochen, Metall, ja sogar Elektrokabel oder Erde ein. Eine wilde, orgiastische Spannung beherrscht sein Bild "Trunkenheit" (1986), auf dem sich ein Paar in rasanter Bewegung begegnet. Drei Riesenköpfe mit karikierender Wirkung, geschaffen in Öl und präpariertem Schaumstoff, sind der "Unbekannte Bildhauer". Die Verzerrung dient einer kritischen Betrachtung eines Porträts, das die "Büste eines Kaisers in Gips" ausmacht: Repräsentation und Verachtung sind hier in zerstörter Würde gemalt. Man ahnt etwas vom Naturmenschen Rebeyrolle, der gerne angelte, wenn man seine "Große Forelle" länger betrachtet. Denn erst dann erschließt sich das Motiv. Für Landschaften verwendete der Künstler Korkeichen-Rinde um das Ölgemälde naturalistischer zu prägen.

Rebeyrolles Leben hatte Höhen und Tiefen. Sein exzessives Leben, das Genießen von Rauch und Alkohol, drückt sich in seinen Bildern aus: "Der Reisende" (1985) ist eine schwarze, zwischen zwei Stühlen hingestreckte Gestalt, unter der sich eine Menge Kippen angesammelt haben. Allegorie und Naturalismus beherrschen seine Bildmetaphern. Manchmal ist es nicht auszumachen, wie viele Gestalten in einer Darstellung vermengt sind, wie zum Beispiel in "Ich komme nicht in den Himmel" (1979), in dem ein alter Mönch von einem Knäuel an Gestalten erdrückt zu werden scheint. Der Kommunist Reyberolle verließ die französische KP, als der Ungarn-Aufstand mit Gewalt nieder geschlagen worden war. In einem Videofilm, der den Besuchern gezeigt wird, lässt sich das emotionale Schaffen des Künstlers betrachten. Die Explosionen seiner Kunst machen betroffen. So plastisch wie die Bilder gemalt sind, stehen die Gefühle ihres Schöpfers vor Augen.

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Bruno Neumann
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