Nürnberger Zeitung, 2./3. 04. 2005

Bonbonbunte Begegnungsstube

Qin Yufen in der kunst galerie fürth


Vor vier Jahren zeigte Qin Yufen im amerikanischen Pittsburgh eine Installation mit bunten Luftballons, die zwischen grauen Stacheldrahtballen tanzten. Um die Darstellung von Bedrohung ging es und letztlich um Gewalt. Die Arbeit mochte plakativ gewesen sein, zugespitzter konnte man die harten und die zarten Seiten der Welt jedoch kaum mit den Mitteln der Kunst aufeinander prallen lassen.

Verglichen damit nimmt sich Qin Yufens Raum- und Klangwerk, mit dem sie jetzt die kunst galerie fürth bestückt hat, milde aus. Zugespitzter erscheint allenfalls die zur leichten Kurve gereihte Anordnung von Wäscheständern - soll das etwa Kunst sein? Doch auf eine derartige Provokation will Yufen gar nicht hinaus. Mit dem Wäscheständer-Aufstand zitiert sie in Fürth - auf den ersten Blick leider etwas missverständlich - schlicht aus einer der ästhetischeren Etappen ihres Gesamtwerks. So bespielte sie 1995 etwa den Innenhof der Stuttgarter Staatsgalerie mit einer Riesenskulptur, bei der sie Reispapier im Wind baumeln ließ - an Wäscheständern flatternd. Dazu lief die "Peking Oper".

Die Schönheit eines Schwebezustands zwischen zwei Welten zu zeigen, den Luftraum zu bespielen zwischen einer materiellen und einer immateriellen Welt, zwischen einer traditionell geprägten und einer globalen, zwischen einer westlichen und einer östlichen - das gehört für Yufen, die seit 1986 privat wie auch künstlerisch zwischen Peking und Berlin pendelt, zum Konzept. Nicht an einer Konfrontation der Kulturen sei ihr gelegen, wie sie sagt, sondern an Vermittlung. "Live. Hier und dort" heißt deshalb die Fürther Schau.

Die 1954 geborene Grenzgängerin kommt von der Malerei her, ihre Fürther Installation hat sie bewusst unvollendet in einem "natürlichen Arbeitscharakter" gehalten: Der Besucher soll sich einmischen. Bambusstäbe liegen neben Fächern herum; die Wäscheständer sind nahezu unbehangen; im Obergeschoss lädt eine archaisch anmutende Stangenkonstruktion zum Selbstbesticken von knallgelben Seidetüchern ein. Ein chinesischer Film mit dem Titel "World without thieves" (Welt ohne Diebe) läuft, aus Lautsprechern lärmen Straßenstimmen aus Peking und Berlin. Ein bisschen hippiesk wirkt das Ganze, ein bisschen "love and peace and harmony" - begegnungsstubenhaft bonbonbunt.

Die innere Gespaltenheit der Immigrantin mag ihre Arbeit bestimmen. Am überzeugendsten ist sie jedoch, wo schlicht Fantasie an Raum gewinnt: bei den Seidentüchern, die nach Motiven der Künstlerin mit chinesischen Schriftzeichen bestickt worden sind. Nicht maschinell, sondern mit der Hand gefertigt. In Zeiten der Globalisierung ist das rar. In Deutschland wie in China - "hier und dort".

Christian Mückl




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