Nürnberger Nachrichten, 05.03.2003

Die Wucht der Landschaft


Natur-Erfahrungen: Fürther Doppelausstellung zeigt Gemälde und Aquarelle von Ortwin Michl


Er kann durchaus als ein Vater der Städtischen Galerie gelten, wurde nicht müde, das Ausstellungshaus wieder und wieder einzufordern. Doch nicht nur deswegen bekam Ortwin Michl dort jetzt als erster Fürther Künstler eine Soloausstellung. Zum Konzept von Galerieleiter Hans-Peter Miksch gehört es auch, die Kulturpreisträger der Stadt vorzustellen; Ortwin Michl erhielt die Auszeichnung 2002.

Wie die Skizze eines Reiseromans lesen sich seine nordischen Landschaftsbilder, die in ihrer expressiven Farbigkeit, in ihren sich auflösenden weichen Formen nie auf Wiedererkennungswert zielen, sondern wie die vielschichtige, verschwommene Erinnerung an ein Naturerlebnis anmuten. Die Buchten und Berge, die Baumgruppe am Horizont, das alles schält sich für das Auge des Betrachters erst bei längerem Hinsehen heraus - langsam, aber gewaltig. Manche Bilder entwickeln eine ungeheure räumliche Tiefe, andere lassen alles Gegenständliche im Farbenmeer untergehen. Doch das glättet sich nie zur monochromen Fläche, sondern wogt in heftigem Rot und Schwarz oder vibriert - von zwei grellen Streifen durchzogen - in Goldbraun.

Die Assoziation an den Reiseroman stützt Michl mit Bildtiteln wie "nah und fern", "Fast am Ende der Welt" oder "100 Tage unterwegs", die Raum für Interpretation lassen und den Betrachter dennoch auf eine bestimmte Fährte führen sollen. Auf die gelangt man manchmal nur über gedankliche Umwege, etwa beim Bild "Nozo", dessen Titel man von hinten lesen muss, um die bedrohliche weiße Wolke über der von einem Grauschleier überzogenen Landschaft in Michls Sinn zu deuten.

Der 60-Jährige ist ein viel gereister "Naturbursche" (Miksch), ein Skandinavien-Fan und leidenschaftlicher Maler. Seine Bilder entstehen jedoch nicht in der freien Natur, sondern im Atelier. "Die Kunst kommt im Kopf zu mir", sagt Michl, der Professor an der Nürnberger Fachhochschule im Bereich Gestaltung ist.

Die Ausstellung zeigt ausschließlich neuere Arbeiten - neben den Landschaftsbildern, die die stärksten sind, auch rein abstrakte Leinwände mit Collage-Elementen, kleine Objekte und Skulpturen. Im Schloss Burgfarrnbach sind parallel Michl-Aquarelle aus den späten 90er Jahren zu sehen.

Birgit Ruf
Zurueck Zurück Versenden versendenDrucken drucken
2021 © kunst galerie fürth - Impressum