Nürnberger Zeitung, 16.07.2003

Das kann ins Auge gehen


"Das Weiß im Auge des Feindes zu sehen, heißt, nur lange genug vor dem Spiegel zu stehen", hat Heinz Rudolf Kunze einmal geschrieben. Das Tier namens Mensch beschäftigt auch die Malerin Uschi Neuwert, deren Ölbilder im Rahmen der regionalen Überblicksschau "Positionen + Tendenzen" in der kunst galerie fürth zu sehen sind.

Vordergründig zeigen ihre Werke Krokodile, die arglose Enten jagen, das Auge der Künstlerin in dem einer Gans oder einen Hund, dessen Pupillen Scud-Raketen spiegeln. Hintergründig handeln die fabelhaften Werke vom Kampf ums nackte Überleben, der unbescholtene Geschöpfe plötzlich ereilt. Ein Kampf, den Neuwert so poetisch mit kraftvoller Farbe im Bild ausfechten lässt, dass man etwa der Trilogie "Fahrräder stinken nicht und sind leise" alle Trivialität des Titels verzeiht, folgt man der feinen Ausarbeitung des Motivs im kleinen Format.

Das tierische Interesse hat Neuwert mit Peter Dauphin genannt Muth gemein, dessen "Ölbilder der Gleichzeitigkeit" ebenfalls in der kunst galerie zu sehen sind: Gleichzeitigkeit, weil Tiermotive und Großstadtarchitektur ineinander greifen. Von unten blickt der Betrachter auf bunte, schemenhafte Lamas vor der Lorenzkirche, Elefanten vor Hochhäusern oder grasendes Vieh vor dem Neuen Museum.

Von oben herab richtet hingegen Wolfgang Engelbrecht seine Miniatur-Alpenlandschaften aus, die sich über die große Galeriewand erstrecken. Es sind Riesenwelten im Puppenstubenformat. Der Künstler, der auch Bergsteiger ist, stellt Erinnerungen als Wandinstallation nach.

Christian Mückl

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