Abendzeitung Nürnberg, 4.6.2008

Freundliche Apokalypse mit Pferd


Nadja Schöllhammer und ihre faszinierende Papierskulptur "Styx" in der kunst galerie fürth

Ein hängender Garten aus Papier, Leim und Farbe in der kunst galerie fürth: Hier lappen Streifen auf den Boden, dort wölbt sich ein fein geschnittenes Papiergitter in den Raum. Dazwischen gekritzelte Sätze, mit feinem Strich gezeichnete Figuren, scherenschnittartig durchbrochene Flächen.

"Styx" heißt Nadja Schöllhammers vier bis fünf Meter breiter und etwa drei Meter hoher phantastisch-grotesker Papierfries. Wie jener Fluss also, der in der griechischen Mythologie die Lebenden vom Totenreich trennt. Die in Berlin lebende gebürtige Schwäbin hat ihn aus vielen Einzelteilen in gut vierzigstündiger Arbeit für die Fürther Ausstellung zusammengesetzt.

Weil jede neue Papierinstallation Teile aus vorherigen Werken zeigt, ist es müßig, an "Styx" mit der mythologischen Interpretationslupe heranzugehen. Dennoch sollte man die Details einzeln auf sich wirken lassen. Wie jene rötliche Wolke, die sich als Kahn mit Fährmann und schlafenden Kindern entpuppt. Eine Anspielung auf Charon, der die Seelen der Toten in den Hades bringt?

Klar entschlüsseln lässt sich wenig. "Styx" fasziniert gerade in dieser Mehrdeutigkeit. Ein trinkendes Pferd, Friedrich Engels, der in gleichnamigen Zungen redet, Putten, Spiralen, dunkle Wolken vereinen sich zu einem wirbelnd-schweifenden, dreidimensionalen Wandbild, das wie eine freundliche Apokalypse wirkt. 17 Zeichnungen Schöllhammers im Kabinett nebenan zeigen wiederkehrende Motive: Spanier wie von Goya, Märchenpersonal, der mexikanische Totenkult. Sie alle scheinen auf ihren Auftritt im nächsten Papiergarten zu warten.

Georg Kasch

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