16.1. bis 22.2.

Franz & Friends


Franz U. Janetzko & Peter Engel & Dan Reeder

Die banale Erkenntnis ist: Es gibt solche und solche Kunst. Die Kunst der Wahrheitssucher und derjenigen, die die Wahrheit bereits gefunden zu haben glauben. Und es gibt Kunst, die gar nicht auf Wahrheit aus ist, deren Produzenten nach der Maxime handeln, dass es keine allgemeingültige Wahrheit gibt.

An der Krise, die die Welt seit dem Herbst 2008 erfasst hat, ist bekanntlich das CERN in Genf schuld. Dort werden schwarze Löcher hergestellt, in die alles fällt. Zuerst das Geld. Und bald noch mehr. Das ist die Wahrheit. Doch Peter Engel (Regensburg; geboren 1969 in Arzberg im Fichtelgebirge), Franz U. Janetzko (Fürth; geboren 1951) und Dan Reeder (Nürnberg; geboren 1954 in Lafayette, Louisiana, USA) haben schwarze Löcher längst vorher entdeckt. Löcher, in denen der Sinn verschwindet.

Dan Reeder, der an der California State University ein Kunststudium absolviert hat, lacht gerne und mit der Attitüde eines Punk über die Normen und das Distinktionsgehabe des Kunstbetriebs. Eine Großzügigkeit des Denkens zeigt sich in der Entheiligung von Werten. Das erscheint notwendig, wenn gewisse Werte zu ernst genommen werden, wenn Prinzipien sich verselbständigen. Natürlich ist die unschuldig und naiv auftretende Malerei von Dan Reeder, sind seine Kommentarbilder despektierlich, so wie seine Songtexte gelegentlich sarkastisch sind.

Peter Engel liebt es subtil. Das Hintersinnige als intelligentes Ventil für Groll. Während Dan Reeder bisweilen die Wut Dadas auf alles Saturierte und Selbstgefällige packt, lacht Peter Engel ein kafkaeskes Lachen über Dinge, die ihn (ver-)stören. Er fertigt Zeichnungen und Rauminstallationen, bei denen man ‚um die Ecke’ denken muss. Dazu benützt er wie seine Künstlerkollegen Titel und Kommentare ‑ es dürfen gerne Wortneuschöpfungen sein (schon einmal von ‚Dogmenregalen’ und ‚Furnierhelmen’ gehört?). Sigmar Polke wird geschlechtsgewandelt zu Sigrid Olke und „Rubens rudert Rüben nach drüben“. Man möchte ausrufen: Aua, ist das blöd! Und das ist auch nicht verboten. Denn der Sinn des Kalauers ist er selber. Oder besser gesagt: Sinnverweigerung als Subversion. Hauptsache, man nimmt sich selbst und die Welt nicht so ernst.

Dieselbe Baustelle bearbeitet Franz U. Janetzko. Seine Ironie ist menschlich. Im Großen das Kleine zu sehen, ist ein Zug von Intelligenz (und es hilft reziprok, im Kleinen Großes zu erkennen). Dass er dabei als Bildhauer (Objektkünstler?) unter anderem die Architektur in den Blick nimmt, liegt nahe. Seine Brücken besitzen eleganten Schwung, trotzdem sind sie Fragmente. Unorte wie Parkhauseinfahrten oder ein Knast werden kunstwürdig, zugleich wird ein gewisser Bauhaus-Minimalismus banalisiert. Janetzko treibt das Jonglieren mit High und Low bis zur Parodie. Das Leben mit seinen Grundwidersprüchen macht er mit Unernst erträglich. Denn die ‚konsequent aufs Ganze’ gehende Kunst ist längst als spätbildungsbürgerliches Klischee entlarvt[1]. Solche wie Franz & Friends lieben schwarze Löcher!

© Hans-Peter Miksch



[1] vergl. Wolfgang Ullrich

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