7.3. bis 5.4.2009

Rebecca Wilton - Siedlungen


Mit der Ausstellung „Siedlungen“ präsentiert sich die Fotografin Rebecca Wilton erstmals im süddeutschen Raum mit einer Einzelausstellung. Die Künstlerin wurde 1979 in Berlin geboren. Nach einer einjährigen fotojournalistischen Tätigkeit in München studierte sie an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, wo sie zuletzt bis zum Sommersemester 2008 Meisterschülerin des bedeutenden Fotografen Timm Rautert war. In der Galerieszene von Leipzig konnte sich Rebecca Wilton bereits etablieren.

Sie arbeitet sowohl in Farbe als auch mit Schwarzweißmaterial. In Fotoserien, in denen sie architektonische und damit zwangsläufig auch soziale Umbruchsituationen in den sogenannten neuen Bundesländern oder den jungen Beitrittsländern zur europäischen Union erforscht, hat sie in den vergangenen Jahren vor allem ehemals öffentliche oder stark frequentierte Orte entdeckt (Schwimmbad, Bahnsteig, Fabrik), die inzwischen verlassen und verkommen sind. Solche Plätze und Stadtlandschaften, eigentlich urbanes Niemandsland, dokumentiert sie solange mit der Kamera, bis sie sich entscheidet, eine bestimmte Einstellung aufzunehmen. Sie macht sich dann selbst zu einem Teil des Motivs, indem sie in einem Habitus im Bild auftaucht, der vollkommen dem Motiv und seiner Stimmung entspricht. Aber ihr inszeniertes Erscheinen im Bild ist so dezent, dass sie als Person randständig bleibt. Keinesfalls handelt es sich um ein Porträt. Sie taucht auf als Stellvertreter der ehemaligen Nutzer bzw. Bewohner. Die morbiden Orte unterstreichen die Zerbrechlichkeit des Individuums. Aber das gefährdete Individuum gibt den marginalisierten, enthumanisierten Orten ein Stück Würde und Hoffnung zurück. Man kann bei dieser Haltung an die Figuren denken, die in der klassischen chinesischen Landschaftsmalerei auftauchen als Verbindungselement und Bezugspunkt (dritter Atem zwischen Yin und Yang; der notwendige Betrachter, der die Schönheit durch seine Betrachtung zur Erscheinung bringt), allerdings im Fall der jungen Fotokünstlerin mit einem stark melancholischen Vorzeichen versehen.

Mit der Ausstellung ist die Premiere eines Fotobuches verbunden. Dessen Titel  lautet: „Häuser und Paläste“. Hier werden erstmals Arbeiten von Rebecca Wilton publiziert. Die Veröffentlichung wurde unter anderem von den Freunden der Galerie, dem „Förderkreis der kunst galerie fürth e.V.“, finanziell unterstützt.

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