17. April bis 17. Mai 2009

Arabische Kunst


Jahrhundertelang war arabische Kunst, sieht man ab von der Architektur, gleichbedeutend mit Buchillustration und mit Kalligraphie. Auch Experten fällt der Unterschied schwer zwischen arabischer Kunst und Kalligraphie. Und bei der Schriftkunst müsste man streng genommen nicht von arabischer, sondern von islamischer Kalligraphie sprechen. Denn die Schrift ist stets arabisch, die Inhalte jedoch sind Texte aus dem heiligen Buch des Islam, folglich eine Visualisierung von Gottes Wort.


Früh wurden relativ rasch verschiedene Schriftstile entwickelt, doch dann setzte eine lange Zeit sogenannter innovativer Stagnation ein. Veränderungen waren minimal, ein Bruch im künstlerischen Gestalten wurde vermieden aus Respekt vor der Tradition und den Vorgaben des Feudalsystems. Doch auf Grund der Tatsache, dass inzwischen Kalligraphen den Einfluss westlicher Kunst aufnehmen, etliche auch im Westen an Kunstschulen (weiter-)studierten, umgekehrt die Menschen in nichtislamischen Ländern durch die abstrakte Kunst eine veränderte Aufnahmebereitschaft besitzen für Kalligraphie, kommt es zur Erneuerung von Inhalten, zum Tausch der Feder gegen den Pinsel und ähnlichem mehr.
Die vier Künstler, die die kunst galerie fürth vorstellt, wurden von Ursula Schernig (Galerie „Kunst des Niltals“, Fürth) ausgewählt:

Der in Oberägypten 1932 geborene Salah Hassouna, der immer noch in seinem Heimatdorf lebt, zählt zu den Volksmalern. Daher spiegelt sich in seinen Bildern die Welt der einfachen Menschen des Niltals. Das Schreiben erlernte er ehemals zusammen mit seinen Söhnen. Als Moslem malt und schreibt er immer wieder Worte aus dem Koran. Ein bei ihm stets wiederkehrendes Motiv ist
die Kaaba als Mittelpunkt der Religion.

Tagelsir Hassan, geboren 1954, stammt aus dem Sudan. Er studierte bis 1977 in Khartoum, danach bis 1983 in London an der Central School of Art & Design. Er lebt die meiste Zeit in den Arabischen Emiraten. Die Herausforderung für ihn ist Dynamik in der Schrift, besonders die, auch bei einem längeren Text einen leidenschaftlichen Duktus durchzuhalten. Ganz traditionell entwickelt er viele Arabesken bzw. islamische Muster über den Zwischenschritt eines Kreises, der einem Quadrat eingeschrieben ist. Die Linien kombiniert er mit besonderen Kompositionen und farbigen Tönungen.

Der Künstler und Museumsmann Khamis Shehata wurde in Alexandrien geboren und lebte von 1918 bis 1996. Er studierte in Kairo an der Hochschule für Angewandte Kunst Glasgestaltung, Dekoration und zusätzlich Malerei, wurde später Direktor eines Instituts für künstlerische Forschung im ägyptischen Kulturministerium, half viele Jahre mit, die Sammlung für Kuwaits erstes Volkskundemuseum aufzubauen und einzurichten, kümmerte sich um die Bewahrung traditioneller ägyptischer Motive und
wirkte als Kunsterzieher. Er besaß ein großes Verständnis für Traditionen und war zugleich seiner Gegenwart stark verbunden. Ob auf Textilien, in Keramik/Ton oder Glas – er arbeitete ornamental ebenso mit Wörtern wie mit Abbildungen von Blättern, Blumen oder Tieren.

Mouneer Al Shaarani ist Jahrgang 1952. Geboren in Syrien, lebt er abwechselnd in Damaskus und in Kairo. Er war seit seinem 10. Lebensjahr Schüler des großen Kalligraphen Badawi Al Dirany. 1977 erwarb er den Abschluss der Fakultät für Bildende Kunst der Universität von Damaskus. Aber bereits als 15-jähriger arbeitete er als Kalligraph, so dass man ihm bei der Aufnahmeprüfung
sagte, man könne ihm im Studium nichts mehr beibringen. Er zählt zu den Erneuerern der Kalligraphie, hat nicht nur durch beispielsweise extreme Längungen der Vertikalen und Horizontalen die Strukturen von Schriften regelrecht reformiert, sondern auch die Inhalte, denn er verwendet kaum Texte aus dem Koran. Hingegen alte und neue Sinnsprüche, Gedichte, Metaphern. Er sagt: „Der Wissende abstrahiert.“ Im arabischen Kulturkreis sind seine Arbeiten enorm begehrt.

 

Zur Ausstellung erscheint ein Prospekt für Besucher mit Lebensdaten und Kurzbeschreibung zu den ausstellenden Künstlern.




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