14. November bis 20. Dezember

WERTANLAGE - Reiner Bergmann/ Horst Münch


Der zweiteilige ‚Skulpturenherbst’ der kunst galerie fürth nahm seinen Auftakt mit der musealen Präsentation des spanischen Bildhauers Riera i Aragó. Zwei deutsche Künstler praktisch desselben Jahrgangs zeigen im Anschluss daran bis Ende des Jahres Objekte und Plastiken, bildnerische Inszenierungen und Installationen, die von einer gänzlich anderen Haltung getragen sind. Nach der magischen, neosurrealen mediterranen Welt folgt eine Ästhetik des Scheiterns, die sich als Kommentar zur lokalen wie globalen, schlichtweg zu jeder Krise ausnimmt. „Es geht dabei um Fürth und die Welt, wie immer.“ (Horst Münch).

Reiner Bergmann, Jahrgang 1950 und seit kurzem in Fürth ansässig, gehört zu den bekannten Größen der Metropolregion im Bereich der Bildenden Kunst (u.a. zeigte das Neue Museum Nürnberg mehrmals seine Arbeiten). Marginale Stoffe lädt er durch Kombination und Präsentation geistig auf. Er gibt gleichermaßen Zeugnis von unabänderlichen Transformationsprozessen (worauf das Ausstellungsmotto anspielt) wie er Standortbeschreibungen der eigenen Existenz liefert. Assemblagenartig zwingt er in bestechender Form archaisch anmutende Flohmarkt-Fundstücke mit Technikrelikten und/ oder Kunstlicht zusammen und überträgt damit Bewusstseinszustände in den Raum. Die poveren Materialien sind nebenbei ein Beleg für das Fortwirken des Alten im Neuen, eine Beobachtung, die nicht jedem passt und zumeist politisch unerwünscht ist, die aber eine sprudelnde Quelle des Grotesken ist. Von der Performance kommend (in den frühen 1970er Jahren) ist sein Postdadaismus poetisch gefärbt. Sprache integriert er nicht nur qua Titel/ Bildlegenden, sondern häufig auch direkt als Wortbild im Werk, schafft so eine Beziehung zur Wirklichkeit außerhalb der Plastiken.

Horst Münch, Jahrgang 1951, machte seine ersten künstlerischen Gehversuche in Fürth. Eigentlich hatte er Fotografie studieren wollen, doch Stefan Moses riet ihm ab. Später studierte er in Düsseldorf bei Alfonso Hüppi und ließ sich in Köln nieder. Auch er bevorzugt ärmliche Materialien, mit denen er sarkastisch den alltäglichen politischen und sozialen Wahnsinn karikiert und die Traumatisierungen einer Effizienzgesellschaft darstellt. Sein Motto lautet: "Wir sind immer im Irrtum." Damit erklärt er die Moderne wie die Post- oder Postpostmoderne zum Verbesserungsprojekt. Er zeigt eine neuere plastische Arbeit ('Robert Johnsons Welt', eine Skulpturen-Installation, die an seine - mit dem Begriff von Jens Peter Koerver - Bühnenskulpturen erinnert), und dazu Lambda-Prints, Fotografien, vielfach aus seiner Fürther Zeit, aufgenommen zwischen 1968 und 1989, die als Fundus, als Ideen-Steinbruch, als "Systematik der Zeit" in engem Zusammenhang mit seinem plastischen Werk stehen. Seine Arbeiten waren in verschiedenen europäischen Museen zu sehen.

Die Haltung beider Künstler, die sich vor Jahrzehnten in Düsseldorf kennen lernten, könnte man mit dem Schlagwort 'existentialistisches Theater' fassen. Ihre Verbindung war auch stets eine literarisch-musikalische, was die sogenannte Verstandskonferenz am 29. November unter Beweis stellt.

Zurueck Zurück Versenden versendenDrucken drucken
2021 © kunst galerie fürth - Impressum