16. Januar bis 14. Februar

Jürgen Durner: Disappearance - Der hermetische Spiegel


Jürgen Durner studierte von 1984 bis 1992 freie Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg bei Christine Colditz. Das Studium in Nürnberg wurde von einem zweijährigen Paris-Aufenthalt abgerundet (Ecole des Beaux Arts de Paris), bei dem sich Durner besonders mit den Impressionisten beschäftigte. Nach wie vor sieht man seiner eleganten Farbgebung die Empathie für die französische Malerei insbesondere des Impressionismus und Pointillismus an. Im selben Geist psychologisieren oder urteilen seine Bilder nicht, sondern sie beobachten und konstatieren, sie debattieren nicht, sondern parlieren.

Nach seiner Akademiezeit wurde Jürgen Durner in kurzer Zeit im Großraum bekannt mit seinen Fensterbildern, die er in den 1990er-Jahren im Fürther und im Berliner Atelier entwickelt hat. Nun lebt er ganz in Berlin und beschäftigt sich in seinen neuen Bildern mit Lichtbrechungen, wie sie in besonderem Maß in der nächtlichen Großstadt entstehen und erlebbar sind. Die Stadt mit ihren transparenten Fassaden ist der Spiegel für unser narzisstisches gesellschaftliches Leben, in ihr posieren wir lustvoll, sie ist ein Spiegel, in dem sich die streitenden Reflexe überlagern bis hin zu ihrer gegenseitigen Überbietung und Auslöschung. Die Einkaufsmalls sind quasi unser Versailles. Der gedankliche Hintergrund ist die Beobachtung, dass im Spiegel Dinge wiederkehren, dass sie sich aber durch weitere Spiegelungen und Überlagerungen auflösen und ihre Erscheinung folglich wie ein nachlassendes Echo verschwindet. So wird das Faszinosum eines Blickes auf eine spiegelnde Fläche, in der sich Lichter aus Innen- und Außenräumen sowie weitere Reflektionen mischen, zu einer technisch brillanten Lasurmalerei. Darüber hinaus wirken diese Bilder wie eine Metapher für die unsichtbaren Membranen zwischen Innen- und Außenwelt in geistiger und psychischer Hinsicht. Das Spiegelmotiv interpretiert er absolut zeitgenössisch, obgleich es sich um ein altes Motiv aus der Bildenden Kunst und der Literatur handelt. Die Bilder Jürgen Durners sind menschenleer. In ihnen spiegeln sich Bilder einer ebenso urbanen wie künstlichen Welt in Bildern einer urbanen, künstlichen Welt. Der Betrachter ist in höchstem Maß verunsichert und wird im Unklaren gelassen über einen möglichen Standort. Er ist in diesem scheinbar grenzenlosen Bild und er ist auch außerhalb. Er spiegelt sich so ins Unendliche, dass er mit seiner virtuellen Unsterblichkeit im beziehungsweise qua Bild seine Existenz als Individuum verloren hat. Eine Anknüpfung an Jean Baudrillards Frage in dessen letzter Schrift zu Lebzeiten, weshalb nicht alles schon verschwunden sei.

Die Fürther Schau ist Teil einer umfangreichen Doppelausstellung. Weitere neue Bilder von Jürgen Durner präsentiert zeitgleich das Kunstmuseum Erlangen e.V. unter dem Titel „Disappearance – Der transparente Spiegel“. Zu den Ausstellungen erschien ein Text-Bildband im Kerber-Verlag.

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