19. November bis 18. Dezember 2011

Sterne der Heimat


In einem Jahr ohne (!) Kultur- oder Kulturförderpreise zeigen wir die Förderpreisträger der Stadt Fürth aus dem Bereich der Bildenden Kunst des letzten Jahrzehnts: Sascha Banck, Oliver Boberg, Christian Faul, Elke Fenneteau, Sabine Härting, Bianca Schelling, Peter Stutzmann, Paul Teutsch.

Im Herbst 2010 zeichnete sich ab, dass die Stadt Fürth in ihrer äußerst prekären finanziellen Situation weder einen Kulturpreis noch Förderpreise für Kultur für das Jahr 2011 vergeben konnte. Ein Jahr später ist noch offen, ob es wenigstens im Jahr 2012 wieder Preise und Förderungen für herausragende kulturelle Leistungen geben wird. Diese Entwicklung lenkt den Blick auf die Preisvergabe einer Kommune sowie auf bisherige Preisträger und Preisträgerinnen.

Wie alle sogenannten freiwilligen Leistungen erscheinen Kunst- und Kulturpreise auf der einen Seite als eine Art von Luxus, als Ausdruck eines Überflusses. Bedacht werden sollte, dass die oft umstrittenen freiwilligen Leistungen die Grenze ziehen zwischen einer bloßen Zivilisation und einem Kulturstaat, wie ihn nicht allein die bayerische Verfassung fordert.

Kulturpreise, von denen es nicht wenige gibt, machen bundesweit lediglich 1% bis 2% aller öffentlichen Ausgaben für Kultur aus; in Fürth dürfte das nicht anders gewesen sein. Die materielle Seite als eine Form von Grundsicherung kann getrost in Frage gestellt werden, denn selbst Hauptpreise, von Förderpreisen ganz zu schweigen, übersteigen in seltenen Fällen das Monatssalär eines Oberbürgermeisters oder eines Mitarbeiters der Führungsebene einer Kommune. Sieht man von der Tendenz etlicher Preisgeber ab, sich mit einer Preisverleihung selbst zu feiern, dann bleibt die Ebene der Ermutigung, der Wertschätzung und der ideellen Förderung. Und diese Wirkung ist nicht zu überschätzen und durch nichts ersetzbar.

Sie ist vielmehr gleichzusetzen mit Maßnahmen der kommunalen Wirtschaftsförderung, an deren Streichung man in Zeiten knapper Kassen auch nicht vorrangig denkt. Denn die Kommunen sehen sich selbst in einem Wettstreit, der nicht zuletzt auf kulturellem Gebiet ausgetragen wird - Profillosigkeit in dieser Hinsicht wird von einer Großstadt teuer erkauft.

Der zweite „Blick zurück“, angestoßen vom Aussetzen der Preisvergabe 2011, gilt unbedingt den in der Vergangenheit Gepriesenen. Im Grunde ist es eine Selbstverständlichkeit, mit der Preisvergabe soviel Verantwortung zu übernehmen, sich für die weitere Entwicklung von Preisträgern zu interessieren, und doch ist das nicht die herrschende Praxis. Da, wo Preisträger nicht aus politischen Gründen ausgewählt werden, sondern auf Empfehlung von Experten, bleibt erstaunlich lange ein Glanzlicht: Selbst „Förder-“ Preisträger sind Sterne der Heimat.

Die Zäsur 2011 bietet also an, die Förderpreisträger der Stadt Fürth aus dem Bereich der Bildenden Kunst des letzten Jahrzehnts mit neuen Arbeiten vorzustellen. In alphabetischer Reihenfolge:

Sascha Banck, geboren 1980, Kulturförderpreis 2008

Oliver Boberg, geboren 1965, Kulturförderpreis 2000

Christian Faul, geboren 1967, Kulturförderpreis 2000

Elke Fenneteau, geboren 1975, Kulturförderpreis 2006

Sabine Härting, geboren 1975, Kulturförderpreis 2006

Bianca Schelling, geboren 1977, Kulturförderpreis 2010

Peter Stutzmann, geboren 1975, Kulturförderpreis 2001

Paul Teutsch, geboren 1974, Kulturförderpreis 2005.

Es ist unüblich, bei Ausstellungen lebender, jüngerer Künstler und Künstlerinnen Porträts zu zeigen. Angesichts der Problemstellung, wie sie die Ankündigung skizziert, war allerdings der Auftrag an Annette Kradisch naheliegend: Mit ihren atmosphärischen Fotos, die die Porträtierten in ihrem Umfeld zeigen, leistet sie einen erheblichen Beitrag zur Ausstellung, indem sie dem Besucher die ehemaligen Förderpreisträger nahebringt.

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