Nürnberger Nachrichten, 9./10.7.2011

Motor für die Kunst: 30 Jahre Kulturring C


Der Fürther Kulturring C feiert mit zwei Ausstellungen seinen Geburtstag

Lose Verbünde halten manchmal länger als fest institutionalisierte Vereine. Ein schöner Beleg dafür ist der Fürther Kulturring C, der jetzt mit zwei großen Ausstellungen sein 30-jähriges Bestehen feiert.

Dass Fürth kein weißer Fleck mehr auf der regionalen Kunstkarte ist, ist nicht zuletzt ein Verdienst des Kulturrings C. Ateliers gibt es zwar jede Menge, doch die Ausstellungsmöglichkeiten vor Ort waren lange Zeit rar. Kurzgastspiele in der Stadthalle und im Theaterfoyer – das war’s fast schon.

Also nahm die Fürther Künstlerschaft die Sache 1981 selbst in die Hand. Ortwin Michl gab den Anstoß dafür, dass der nach dem Krieg gegründete Ring Fürther Künstler als Kulturring C neu belebt wurde und fand in Hjalmar Leander Weiß (der 1999 auch die Fürther Ateliertage initiierte) einen engagierten Nachfolger. Obwohl ohne eigenen Kunstraum, wurden aufsehenerregende Ausstellungen auf die Beine gestellt. Der Skulpturenpark entlang der Hornschuchpromenade 1992, die „Sofa-Bilder“-Schau in einer alten Fabrik 1999, das große „Zeit“- Projekt zum Millenniumsjahr 2000 oder die „Sex in Fürth“-Ausstellung 2007 in der Kunstgalerie waren Kunstknüller, die das kreative Potenzial der Stadt vor Augen führten.

In der Kunstgalerie, dessen Leiter Hans-Peter Miksch den örtlichen Künstlern gern eine Plattform bietet, findet zum Jubiläum nun die Schau „Im Austausch“ statt. Jeweils mindestens zwei Künstler schufen dafür Arbeiten, die direkt Bezug aufeinander nehmen. Thomas Mohi und Harald Kienle etwa offenbaren mit einem Holzschnitt und einer fragilen Baumskulptur ihre formale Verwandtschaft; Johanna Klose hat den Arbeiten von vier Ateliergenossinnen aus der Badstraße sensible Foto-Porträts beigesellt, Ortwin Michl, Ralf Siegemund und Hermann Wagner präsentieren als Kulturring C-Mitstreiter der ersten Stunde frühe Arbeiten wie archäologische Fundstücke. Michaela Biet zeigt mit stachligen Alabasterskulpturen eine neue Facette ihrer Kunst, deren edle Anmutung schön betont wird durch das von Anja Molendijk geschaffene Tischpodest mit Lackmalerei im fernöstlichen Stil.

35 Künstler präsentieren sich in der Galerie, rund 70 zeigen ihre Arbeiten in der Central-Garage. Für Axel Voss, der sich seit 2009 mit Mona Burger, Christine Regenberg und Lutz Krutein um die Aktivitäten des Kulturrings kümmert, ist das Jubiläum ein schöner Beweis, dass man die Kunstszene auch ohne „Vereinsmeierei“ und mit minimaler städtischer Förderung lebendig halten kann.

Regina Urban

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