9.4.2024 - Wissenschaftsstadt
Spitzenprofessor treibt die Energiewende an

In Fürth wird am ganz großen Rad zur Energiewende gedreht. Seit Sommer des vergangenen Jahres forscht Spitzenprofessor Bastian Etzold an dem in der Uferstadt installierten neuen Lehrstuhl „Power-to-X-Technologien“ der Friedrich-Alexander-Universität (FAU). Seine Vision: Die chemische Industrie nachhaltig und unabhängig von fossilen Rohstoffen zu machen.

Power-to-X

Professor Bastian Etzold (Mitte) gewährte Oberbürgermeister Thomas Jung, Stadträtin Heike Giering, Wirtschaftsreferent Horst Müller und infra fürth-Geschäftsführer Marcus Steurer (v.li.) einen Einblick in seine Forschungsarbeiten. Foto: Ebersberger

Vor wenigen Tagen öffnete der Lehrstuhlinhaber exklusiv für eine Delegation der Stadtverwaltung mit Oberbürgermeister Thomas Jung an der Spitze die Labortüren und gewährte einen Einblick ins Zentrum seiner Forschung. Auf rund 250 Quadratmetern tüfteln Etzold und sein Team an Verfahren, die Chemieindustrie grüner zu machen. Elektrochemische Prozesse und die Nutzung von Ökostrom bilden dabei die Grundpfeiler.

Alltagsgüter wie Zahnpasta, Klebstoff, Windeln oder Medikamente sollen künftig nicht mehr auf der Basis von fossilen Stoffen hergestellt werden. Vielmehr wird CO2 aus der Luft und den Abgasen gefiltert, um eine Vielzahl an für den täglichen Gebrauch notwendigen Chemikalien herzustellen. OB Jung und infra-Chef Marcus Steurer sehen hierbei auch Kooperationsmöglichkeiten, entsteht doch im Bio-Energie-Zentrum der infra reichlich CO2, das aber bislang ungenutzt bleibt. Etzold hingegen kann diesen „Abfall“ gebrauchen.

Nicht zuletzt auch zur Herstellung von Methanol, wie Janne Reisch an ihrer Versuchsanordnung zeigt. Dort entsteht aus Kohlendioxid und durch Elektrolyse gewonnenen Wasserstoff Methanol, aus dem zahlreiche Alltagsprodukte hergestellt werden können. Zudem lässt sich Methanol bestens speichern.

Überhaupt spielt auch die Energiespeicherung eine große Rolle beim Spitzenprofessor und seinem 25-köpfigen Team. Überschussenergie, die an sonnigen Tagen erzeugt wird, bis zum Winter in Batteriespeichern zu „parken“, das ist eine Vision des 45-jährigen Chemie-Ingenieurs.

Dass das bayerische Wissenschaftsministerium die Forschung von Bastian Etzold mit fünf Millionen Euro fördert, unterstreicht die Bedeutung des neuen Lehrstuhls. Für den Wissenschaftler, der bereits im Kindesalter mit dem Chemiebaukasten experimentierte, ist es jedenfalls zusätzlicher „Ansporn“.

Jung und Müller zeigten sich beeindruckt von Etzolds Visionen. Ein Lehrstuhl auf Weltniveau sei eine große Bereicherung für die Wissenschaftsstadt Fürth, zudem sei er bedeutsam für „unsere Wirtschaft“, so Jung. Müller ergänzte: „Eine derartig hochkarätige Forschung vor Ort macht es uns viel leichter, um weitere Firmenansiedlungen zu werben.“   

Copyright: © Stadt Fürth 2024
morelink: https://www.fuerth.de/desktopdefault.aspx/tabid-3/91_read-36866/