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Nachhaltigkeitsstrategie
Fürther Verbände, Wissenschaft, Wirtschaft, Stadtrat und Stadtverwaltung haben eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt, mit der die Ziele für nachhaltige Entwicklung der UN lokal umgesetzt werden sollen.
Worum ging es in der Strategie?
Im Rahmen des geförderten Projekts “Global Nachhaltige Kommune Bayern” hatte die Stadt in fünf Handlungsfeldern Leitlinien und Ziele formuliert. Diese 20 strategischen und 65 operativen Ziele zur Umsetzung der Agenda 2030 vor Ort wurden bis 2025 von der Stadtverwaltung und weiteren beteiligten Akteuren bearbeitet. 127 Maßnahmen lagen als Masterplan für die Umsetzung vor.
Damit hatte die Verwaltung das Klimaschutzkonzept um soziale und wirtschaftliche Ziele ergänzt. Die fünf neuen Handlungsfelder der Nachhaltigkeitsstrategie “Nachhaltige Verwaltung”, “Lebenslanges Lernen”, “Gute Arbeit und nachhaltiges Wirtschaften”, “Soziale Gerechtigkeit und zukunftsfähige Gesellschaft” und “Globale Verantwortung und Eine Welt” bearbeitete zu großen Teilen direkt die Stadtverwaltung. Dabei war sie auf Mithilfe angewiesen. Die Umsetzung wurde von einem städtischen Koordinationsteam begleitet und einmal jährlich im Nachhaltigkeitsbeirat überprüft, bewertet und im Stadtrat besprochen.
Aktuell wird eine neue Nachhaltigkeitsstrategie vorbereitet.
Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie
Das Nachhaltigkeitsbüro hat in einem Abschlussbericht zusammengefasst, wie die Nachhaltigkeitsstrategie umgesetzt wurde. Der folgende Anteil an Maßnahmen konnte in den jeweiligen Handlungsfeldern realisiert werden:
- Handlungsfeld 1 – Nachhaltige Verwaltung: 76 Prozent
- Handlungsfeld 2 – Lebenslanges Lernen & Kultur: 74 Prozent
- Handlungsfeld 3 – Gute Arbeit & Nachhaltiges Wirtschaften: 81 Prozent
- Handlungsfeld 4 – Soziale Gerechtigkeit & zukunftsfähige Gesellschaft: 67 Prozent
- Handlungsfeld 5 – Globale Verantwortung & Eine Welt: 88 Prozent
Insgesamt wurden 76 Prozent der Nachhaltigkeitsstrategie bis 2025 umgesetzt.
Zusammenfassung des Abschlussberichts
Die Nachhaltigkeitsstrategie der Stadt Fürth wurde zwischen 2019 und 2022 entwickelt. Sie beinhaltet 5 Handlungsfelder, die sich in 20 strategische Ziele, 65 operative Ziele und 129 Maßnahmen aufteilen. Die Umsetzung war für den Zeitraum 2022-2025 vorgesehen. Dieser Bericht bietet einen Überblick über den Kontext, den Umsetzungsstand sowie mögliche Perspektiven für die Weiterentwicklung.
Von den 129 Maßnahmen werden 84 als umgesetzt eingeschätzt, 28 sind in Teilen umgesetzt und 17 werden als nicht umgesetzt gesehen1. Wie lässt sich dieser Umsetzungsstand bewerten?
Der Umsetzungszeitraum fiel in eine Zeit außergewöhnlicher Herausforderungen: Die COVID-19-Pandemie, der seit 2022 andauernde Krieg Russlands gegen die Ukraine und die daraus resultierenden Belastungen bei Energie, Finanzen und Preisentwicklung haben die Rahmenbedingungen erheblich beeinflusst. Diese Entwicklungen erschwerten die Umsetzung einzelner Maßnahmen, während andere davon kaum betroffen waren. Zudem waren die Ziele der Strategie bewusst ehrgeizig formuliert, was zwar die Richtung vorgab, jedoch teilweise die personellen und finanziellen Ressourcen überforderte. Hinzu kam die Komplexität des Gesamtprozesses, wodurch die interne Kommunikation und Abstimmung erschwert und eine breitere Dynamik gehemmt wurde.
Trotz dieser widrigen Umstände ist der bisherige Umsetzungsstand bemerkenswert
Die Strategie hat zahlreiche neue Strukturen, Kontakte und Prozesse angestoßen, die langfristig Wirkung entfalten können. Gleichzeitig zeigt sich, dass einige Bereiche weiter vertieft und bestimmte Themen mit größerer Entschlossenheit verfolgt werden müssen. Die bisherigen Erfahrungen machen deutlich, dass Fürth über deutlich mehr Potenzial im Bereich Nachhaltigkeit verfügt, als bislang genutzt wird. Ebenso wird sichtbar, dass in der Stadt bereits weit mehr für Nachhaltigkeit geschieht, als oft angenommen wird.
Die wichtigste Erkenntnis: Die erreichten Fortschritte dürfen kein Endpunkt sein. Die gewonnenen Erfahrungen – sowohl die Erfolge als auch die Herausforderungen – sollten in eine Folgestrategie überführt werden. Diese sollte klarer strukturiert, weniger komplex und mit eindeutigeren Verantwortlichkeiten ausgestattet sein, um eine effizientere Umsetzung zu ermöglichen.
Fürth kann stolz sein – aber noch nicht zufrieden
Der Bericht dokumentiert deutliche Fortschritte in vielen Handlungsfeldern, macht aber auch klar, dass weiterer Handlungsbedarf besteht. Ziel ist nicht, die Ergebnisse zu beschönigen, sondern eine transparente Grundlage für zukünftige Entscheidungen zu schaffen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass zahlreiche umgesetzte Maßnahmen bereits unabhängig von der Nachhaltigkeitsstrategie geplant oder initiiert waren. Die Strategie diente hier häufig als unterstützender Rahmen, weniger als alleiniger Auslöser.
Gleichzeitig haben sich während des aufwändigen Umsetzungs- und Dokumentationsprozesses wertvolle Lernerfahrungen ergeben. Diese gilt es nun zu nutzen, um den nächsten Strategieprozess wirkungsvoller zu gestalten. Der vorliegende Abschlussbericht soll helfen, die Ergebnisse nachvollziehbar darzustellen. In den folgenden Abschnitten der Kurzzusammenfassung werden die wichtigsten Fortschritte nach Handlungsfeldern gegliedert vorgestellt; die detaillierte Darstellung aller 129 Maßnahmen findet sich im Hauptteil des Berichts.
Ziel dieses Handlungsfeldes war, innerhalb der Kommunalverwaltung die Grundlage für eine erfolgreiche Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklungsziele zu schaffen. Dabei sollten sowohl die Organisationsstrukturen verbessert als auch die Mitarbeitenden gefördert werden. Gleichzeitig sollte das städtische Nachhaltigkeitshandeln besser verständlich gemacht werden.
Im Umsetzungszeitraum hat die Stadt wichtige Strukturen für Nachhaltigkeitsprozesse geschaffen: Eine Stelle für Nachhaltigkeitsmanagement wurde eingerichtet und das Koordinationsteam weitergeführt.
Im Bereich Öffentlichkeitsarbeit wird Nachhaltigkeit auf Website und Social Media kommuniziert, allerdings eher anlassbezogen als systematisch. Handlungsanweisungen und Checklisten wurden für Mitarbeitende erstellt, ein umfassendes Qualifizierungsprogramm fehlt jedoch.
Mit dem Klimacheck für Stadtratsvorlagen wurde 2023 ein Instrument eingeführt, das perspektivisch zu einem umfassenden Nachhaltigkeits-Check ausgebaut werden kann. Finanzpolitisch ist die Stadt durch die Einrichtung des Zukunftsfonds einen wichtigen Schritt gegangen. Auch die Schuldenreduzierung ist mit einer Senkung um über 35 Prozent seit 2015 sehr erfolgreich. Die angestrebte Investitionsquote von 14 bis15 Prozent konnte dagegen nicht durchgehend gehalten werden, sie lag im Schnitt niedriger.
Im Bereich Digitalisierung wurden zahlreiche Projekte umgesetzt: Online-Terminvergabe, über 240 Online-Verfahren und Formulare sowie eine neue barrierearme Website. Wirkliche Barrierefreiheit ist in vielen Bereichen aber noch nicht erreicht.
Eine interkommunale Arbeitsgruppe zur nachhaltigen IT-Beschaffung wurde eingerichtet. Verschiedene Beteiligungsformate wurden ausprobiert, ein zentraler Leitfaden fehlt aber noch. Nachhaltigkeitsinitiativen werden über den “Zukunftspreis” gefördert, allerdings ohne eigenen städtischen Fördertopf, sondern über Sponsorengelder. Das Netzwerk “Fürth im Übermorgen” wurde erfolgreich verstetigt.
Im Bereich Inklusion und Antidiskriminierung gab es Fortschritte (mehrsprachige Angebote, Sprachmittler-Pool, barrierefreie Umbauten), allerdings konnte weder eine Diskriminierungsstelle eingerichtet werden, noch sind alle Dienststellen barrierefrei. Der Beitritt zur Europäischen Städteallianz gegen Rassismus ist bewilligt.
- Maßnahmenzahl: 27
- Umgesetzt: 16
- In Teilen umgesetzt: 9
- Nicht umgesetzt: 2
- Umsetzungsanteil: 76 Prozent
Das Handlungsfeld 2 war mit Abstand das umfangreichste Handlungsfeld. Ziel war hier, wichtige Schritte hin zu einer “inklusiven, integrativen, chancengerechten und hochwertigen Bildung in einer vielfältigen demokratischen Gesellschaft” zu gehen. Bildungsangebote sollten barriereärmer und Kultur für möglichst alle Menschen zugänglicher gemacht werden. Außerdem sollten Vielfalt und nachhaltige Entwicklung gestärkt werden.
Im Umsetzungszeitraum hat die Stadt Bildung und Kultur durchaus systematisch gestärkt. Mit dem Förderprogramm “Bildungskommune” wurde eine Monitoringstelle geschaffen, Bildungsberichte berücksichtigen Barrierefreiheit und soziale Faktoren. Eine Bildungsdatenbank ist im Aufbau, Bildungsbörse und Newsletter steigern die Transparenz. Nicht-städtische Träger und Kooperationen mit Schulen und Kitas werden gefördert, auch wenn manche Datenbanken (zum Beispiel KUBIK) noch nicht voll ausgebaut sind.
Die digitale Ausstattung von Schulen und Kultureinrichtungen wurde erheblich verbessert: Glasfaseranschlüsse, über 4000 Endgeräte (iPads, MS Surface), zentrale Verwaltung via Mobile Device Management und Ausbau von Projekten wie “Digitale Schule der Zukunft”.
Neue Begegnungseinrichtungen wie das Haus der kulturellen Bildung, das Familiencafé Rosengarten, das kultur.lokal.fürth und die Rollsporthalle “The Hub” wurden eröffnet. Weitere Projekte (zum Beispiel Lokschuppen) sind zumindest in Planung, teils abhängig von Fördermitteln. Subkultur wird über Atelierförderung, offene Räume und Projekte wie Graffitiflächen oder Lokschuppen unterstützt.
Barrierefreie Bildungsangebote und Inklusion wurden gestärkt, zum Beispiel mit einem Etat von 20 000 Euro jährlich für Maßnahmen wie Gebärdendolmetschen. Außerdem ist ein Inklusionsmonitoring im Aufbau.
Auch Grundbildung wurde ausgebaut: Die VHS bietet inzwischen fünf statt nur einem Grundbildungskurs pro Jahr. Der vhs-Lerntreff und Alpha-Angebote erreichen Menschen mit besonderem Bedarf. Niedrigschwellige Projekte für Seniorinnen und Senioren und Frauen mit Zuwanderungsgeschichte wurden gestartet.
Im Bereich Familienbildung wurden Familienstützpunkte eröffnet, mit Programmen wie Elterntalk oder Elterncafés. Netzwerke und Programme werden schrittweise ausgebaut, wenngleich personelle Kapazitäten oft knapp sind. Auch die politische Bildung wurde gestärkt, etwa mit der Bildungskonferenz 2025, einem Fachtag zu Partizipation und durch die Fürther Partnerschaft für Demokratie.
- Maßnahmenzahl: 43
- Umgesetzt: 29
- In Teilen umgesetzt: 6
- Nicht umgesetzt: 8
- Umsetzungsanteil: 74 Prozent
Ziel im Handlungsfeld 3 war es, das Engagement der Stadt für nachhaltiges Wirtschaften und gute Arbeitsbedingungen auszubauen. Damit sollte auch ein Umdenken hin zu Ressourcenschonung und erneuerbarer Energie verbunden sein, wobei die Themen Klima und Verkehr ja explizit nicht Teil der Strategie sind, weil dafür eigene Konzepte entwickelt wurden.
Umgesetzt hat die Stadt eine Weiterentwicklung der Kriterien für Vergaben, inklusive Tariftreue und Nachhaltigkeit, wenngleich die Kontrolle kapazitätsbedingt ausbaufähig ist. Beratungsangebote für Unternehmen wurden über das Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung sowie Zukunft.Umwelt.Fürth etabliert.
Das Jobcenter bemüht sich um eine aktive Ansprache von Betroffenen. Sprachkurse als Grundlage für Arbeit erfahren einen stetigen Zustrom, aufgrund geringerer Bundesmittel konnten jedoch weniger Sprachkurse als bisher angeboten werden.
Flexible Arbeitsmodelle für städtische Angestellte wurden gefördert, mobiles Arbeiten ausgebaut und mit entsprechender Ausstattung unterstützt. Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie inklusivere Arbeitsplätze wurden gestärkt.
Zur Förderung nachhaltigen Wirtschaftens gibt es ein Vernetzungsforum sowie einen Nachhaltigkeitspreis für Unternehmen, der 2025 erstmals vergeben wurde. Ressourcenschonung wird durch Projekte wie Mehrweg- und Pfandsysteme (Recup) erprobt. Auch Breitbandausbau und Kriterienkataloge für Gewerbeflächen wurden deutlich vorangetrieben. Mit dem Netzwerk und Veranstaltungsreihe “Zukunftswerkstatt” wurde ein regelmäßiges Austauschangebot zu Nachhaltigkeitsthemen geschaffen, das von lokalen Unternehmen sehr rege genutzt wird.
- Maßnahmenzahl: 24
- Umgesetzt: 17
- In Teilen umgesetzt: 5
- Nicht umgesetzt: 2
- Umsetzungsanteil: 81 Prozent
Im Handlungsfeld 4 war das Ziel, soziale Gleichheit und Teilhabe zu fördern und Gerechtigkeit und Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken. Die Umsetzung in diesem Bereich war durch besonders enge Personalressourcen und immer wieder Gesetzesänderungen besonders herausfordernd.
Dennoch hat die Stadt im Umsetzungszeitraum zahlreiche soziale Programme etabliert, Unterstützungsangebote ausgebaut und die Sozialraum-Analysen verbessert. Die Armutsprävention – insbesondere bei Altersarmut – bleibt aber ausbaufähig. Die Voraussetzungen zur Umsetzung der Zweckentfremdungssatzung sind geschaffen und die neue Obdachlosenunterkunft wurde errichtet und eröffnet. Weitere Maßnahmen zur Wohnraumverteilung sind in Arbeit.
Im Bereich der Inklusion zeigt sich ein gemischtes Bild. Eine innerstädtische Koordinierungsgruppe Inklusion konnte aufgrund fehlender Personalressourcen nicht eingesetzt werden. Der bereits genannte Sachmitteletat für 20 000 Euro unterstützt allerdings die Umsetzung von Barrierefreiheit bei Veranstaltungen. Die Fachstelle TANDEM konnte aber nicht wie gewünscht erweitert werden.
Für Vielfalt und Teilhabe sind die “Werkstatt für Vielfalt”, die Interkulturelle Woche und die Weiterentwicklung des Integrationsbeirats wichtige Erfolge. Auch Kinder und Jugendliche wurden stärker beteiligt, etwa durch den Jugendrat, Bedarfsanalysen für Jugendarbeit, Freiräume zum Ausprobieren, oder den Ausbau von Angeboten.
- Maßnahmenzahl: 23
- Umgesetzt: 13
- In Teilen umgesetzt: 5
- Nicht umgesetzt: 5
- Umsetzungsanteil: 67 Prozent
Das letzte Handlungsfeld hatte zum Ziel, das Bewusstsein über die Verantwortung der Stadt Fürth für globale Gerechtigkeit zu stärken. Es ist von allen Handlungsfeldern das kleinste und konkreteste und vielleicht auch deshalb mit dem höchsten Umsetzungsstand.
Denn die Stadt Fürth hat im Umsetzungszeitraum spürbar mehr globale Verantwortung übernommen. Partnerschaften mit Kommunen im Globalen Süden wurden formalisiert und jährlich mit Projekten belebt. Eine Übersicht migrantischer Organisationen wurde erarbeitet, eine Auftaktveranstaltung “Migrantisches Potential für die Entwicklungspolitik nutzen” steht an.
Zudem wurde ein Fördertopf für Entwicklungspolitik eingerichtet, ebenso Förderungen für Kleinprojekte im Globalen Süden. Nachhaltige Beschaffung stieg deutlich an und die Fairtrade-Stadt wurden gestärkt, etwa durch ein Jahresbudget für die Steuerungsgruppe Fairtrade.
- Maßnahmenzahl: 12
- Umgesetzt: 9
- In Teilen umgesetzt: 3
- Nicht umgesetzt: 0
- Umsetzungsanteil: 88 Prozent