© Stadt Fürth, Sadi
Natur, Bewirtschaftung und Historie
Der Stadtwald gilt als grüne Lunge Fürths, aber auch vor ihm macht der Klimawandel nicht Halt. Heute befindet er sich im Umbruch.
Datenschutzhinweis
Bei Nutzung werden Daten an YouTube übermittelt - Details in der Datenschutzerklärung
Die Entwicklung des Stadtwaldes
Vor 500 Jahren gab es in Fürths grüner Lunge überwiegend Laubbäume und nur einen kleinen Anteil Nadelhölzer. Heute ist es genau umgekehrt: Die Nadelbäume bestimmen das Waldbild zu fast 80 Prozent. Die jahrhundertelange Bewirtschaftung hat den Wald geprägt. Am häufigsten vertreten ist die Kiefer. Ursache dafür ist die starke Übernutzung des Waldes bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Zu viele Nutztiere, vor allem Rinder und Schafe, weideten im Wald. Da herabgefallene Nadeln und Laub als Einstreu für Ställe verwendet wurden, verlor der Boden nach und nach Nährstoffe. Deshalb konnten nur noch Nadelbäume wie die Kiefer wachsen. Sie stellen geringe Ansprüche an ihren Standort.
Seit Ende der 1950er Jahre hat Fürth große Anstrengungen unternommen, um dieses Missverhältnis wieder zu beseitigen. Neben umfangreichen Maßnahmen zur Bodenverbesserung pflanzten die Verantwortlichen verstärkt Gehölze, die im Ökosystem Wald die Biodiversität erhöhen. Stetig wuchs der Anteil an Laubbäumen im Stadtwald an.
1957 entschied der Stadtrat in einem weitsichtigen Beschluss zusätzlich, den Wald möglichst naturnah umzugestalten. Ziel war es, kleine Gewässer und Weiher zu erhalten und neue Feucht-Biotope zu schaffen. Das Resultat sind landschaftlich abwechslungsreiche und oft magisch anmutenden Orte, die Waldbesucherinnen und Waldbesucher heute im Stadtwald vorfinden.
Deshalb wird vom Stadtförster und seinen Mitarbeitenden genau darauf geachtet, dass nur qualitativ schlechte Bäume gefällt werden. Sie werden nur einzeln, also Stamm für Stamm, entnommen. Für den Abtransport der Stämme kommen nur Maschinen zum Einsatz, die Bäume und Wege nicht beschädigen. Für Neupflanzungen werden nur Baumarten ausgewählt, die sich für die Bodenverhältnisse und Klimaveränderungen gut eignen. Wo es geht, werden zudem die Pflanzen genutzt, die aus den Samen der Altbäume aufgegangen sind. Sie werden so gesetzt, dass sie unter dem schützenden Schirm des Altbestandes heranwachsen können.
Abgestorbene Bäume lässt die Stadtförsterei heute bewusst – wo es geht – als Totholz im Wald. Es stellt für seltene Tier- und Pflanzenarten einen wertvollen Lebensraum dar: Spechte höhlen das abgestorbene Holz aus und nutzen es als Brutraum, Unterschlupf und Nahrungsquelle. Nach ihnen ziehen andere Tiere, etwa Fledermäuse (bei Station 9 des Waldlehrpfads erfahren Sie mehr) oder Hohltauben, in diese "Höhlen" ein. Freiflächen, wie die Rodelbahn am Eschenaubuck, bieten zudem Lebensraum für heimische Insekten.
Neben über 150 Jahre alten Kiefern, gibt es noch andere Baum-Attraktivitäten im Stadtwald. Die alte Linde am Kirchenweg, an der Wegkreuzung zu Burgfarrnbach, soll auf Weisung des Grafen Pückler-Limpurg 1862 gepflanzt worden sein. Wenn ein Leichenzug von Fürberg zum Burgfarrnbacher Friedhof diesen Baum passierte, begannen die Totenglocken der Burgfarrnbacher Johanniskirche zu läuten. Ein besonders skurriler Baum und Blickfang ist die viergeteilte Buche, die an der Rückseite des Burgfarrnbacher Felsenkellers steht.
Zwischen jungen Stämmen wachsen in dichter werdenden Unterholz Moose und Farne. Auf saueren Nadelböden hingegen gedeihen wohlschmeckende Heidel- (auch Schwarz- oder Blaubeeren genannt) und Preiselbeeren.
Wenn es Herbst wird, beginnt im Stadtwald die für Pilzsammlerinnen und Pilzsammler liebste Zeit. Unter den zahlreichen Arten, die der Wald hervorbringt, sind viele essbar: Wer sucht, findet häufig Steinpilze, Maronen oder Pfifferlinge.
Auch geschützte Pflanzen wachsen im Fürths grüner Lunge. Orchideen, zum Beispiel die Stendelwurz, bevorzugen Schotterweg-Rände. Sie wachsen dort durch die Mineralstoffe, die bei Regenwasser aus den Steinen gelöst werden, besonders gut.
Durch die naturschützenden Maßnahmen ist der Stadtwald eine Rückzugsstätte vieler bedrohter Tierarten geworden. Dazu zählen wie schon erwähnt besonders die Fledermäuseund Spechte, wie der große Schwarzspecht und der Mittelspecht. Eine Station des Waldlehrpfades informiert die Waldbesuchenden näher über ihre Gewohnheiten.
Auch seltene Vogelarten, wie der Pirol oder der Eisvogel, finden im Stadtwald ein Rückzugsquartier. Sogar ein Wiedehopf wurde schon gesichtet. Ein hingegen häufig anzutreffender Waldbewohner ist der Eichelhäher. Weil er seine Nahrung - Eicheln und Bucheckern - wie Eichhörnchen gerne vergräbt, sorgt er für eine hohe Verbreitung von Laubbäumen.
Herausforderungen und die aktuelle Situation
© Stadt Fürth, Birner
Der Stadtwald gilt als grüne Lunge Fürths, aber auch vor ihm macht der Klimawandel nicht Halt. Gerade unter dem trockenen Sommer 2022 hat der alte Baumbestand gelitten – deutlich wird: Der Stadtwald befindet sich im Umbruch.
Während früher das Verhältnis von Laub- und Nadelbäumen 60 zu 40 betrug, sind es perspektivisch 90 zu zehn. Dabei regelt die Natur vieles selbst. Im Schatten von 120 Jahre alten Kiefern mit teils kahlen Baumkronen gedeihen etwa junge Eichen, die allerdings nicht von Menschenhand gepflanzt wurden, sondern aus Eicheln wachsen, die Eichelhäher als Wintervorrat versteckt haben.
An einer anderen Stelle wiederum ersetzte das Stadtförsterei-Team einen 120 Jahre alten Fichtenbestand, der teilweise von Borkenkäfern befallen war, mit Esskastanien, die höheren Temperaturen und Trockenheit besser trotzen, säte Eicheln und pflanzte Kirschbaumsetzlinge oder andere Baumarten, die den Anforderungen des Klimawandels besser standhalten können.
Auch wenn die riesige Fläche im Fürther Westen vor allem dem Erholungszweck dient, kommt der Naturschutz nicht zu kurz. Daher werden nicht alle Kiefern und Fichten, die nicht mehr zu retten sind, gefällt, sondern viele bleiben als Totholz erhalten und bilden somit einen wichtigen Rückzugspunkt für Vögel und Insekten.
Konsequent verfolgt die Stadt bereits seit Jahren den Umbau vom “Steckerlaswald” zu einem klimatoleranten Mischwald. Dazu wurden neue Bäume gepflanzt, der Waldanteil in den vergangenen zehn Jahren um zehn weitere Hektar vergrößert und Waldstücke, die bisher von Privatpersonen bewirtschaftet wurden, sollen angekauft werden.
Eine bewegte Historie
In aller Kürze möchten wir Ihnen die Anfänge des Stadtwaldes, die auf das Jahr 50 000 v. Chr. zurückgehen, die wichtigsten Jahreszahlen und eine ganz besondere Sage rund um den Stadtwald vorstellen.
Schon früh ist der Stadtwald besiedelt worden. Erste Funde von dort lassen sich auf etwa 50.000 v. Chr. datieren. 1976 fand man einen Schuhleistenkeil, ein Gerät zur Holzbearbeitung, das aus der Jungsteinzeit (etwa 5. Jahrtausend v. Chr.) stammt.
Den klassischen Fürther Stadtwald bildet die “Fürberg”, das Waldgebiet westlich von Oberfürberg, mit einer Fläche von rund 440 Hektar. Der Name geht wahrscheinlich auf das althochdeutsche “foraha” (Föhre) zurück.
Um die Nutzung des Gebiets stritten sich die benachbarten Gemeinden über Jahrhunderte. Fürth besaß wohl die ältesten Rechte am Wald, konnte dies jedoch nicht urkundlich belegen. Auseinandersetzungen mit den Nachbarn aus Ober- und Unterfarrnbach und Atzenhof standen daher auf der Tagesordnung.
- 1024: Erstmalige Nennung des Waldes. Der Bamberger Bischof Eberhard erlaubt, dort Bienenstöcke aufzustellen.
- 1385: Der Name “Fürberg” taucht zum ersten Mal auf. Anlass war ein Streit mit den Zirndorfern um eine Viehweide.
- 1526: Weiterer Streit mit Zirndorf. Urteilsspruch: Fürth muss die Grenzsteine zurücksetzen und den Zirndorfern zu bestimmten Zeiten Viehweide und Holzentnahme gestatten.
- 1632: Schlacht an der Alten Veste zwischen Wallenstein und König Gustav Adolf.
- 1698: Erneut Waldstreit. Banderbach klagt um Eigentumsanteil an der Fürberg, verliert aber den Prozess, weil es die Ansprüche nicht beweisen kann.
- 1716 bis 1777: Große Waldstreitigkeiten und -prozesse. Höhepunkt: Die “Farrnbacher Ochsen- und Wagenpfändung”. Fürth verliert den Korporationswald an die Nachbargemeinden.
- 1923: Durch Eingemeindung von Unter- und Burgfarrnbach kommt der Korporationswald an die Stadt zurück.
- 1957: Der Stadtrat beschließt, den Stadtwald aus der forstlichen Bewirtschaftung herauszunehmen und ihn zu einem Naturpark umzugestalten.
- 1968: Die Stadt kauft den Waldbesitz der Graf-Pückler-Limpurg-Stiftung, rund 150 Hektar, an. Damit geht auch das Burgfarrnbacher Schloss in Fürther Besitz über.
- 1976: Der Stadtwald wird zum Landschaftsschutzgebiet erklärt.
- 1985: Ausweisung zum Bannwald. Damit wurde sichergestellt, dass der Stadtwald in seiner jetzigen Größe erhalten bleibt.
Der Sage nach haben ein oder mehrere Burgfräulein den Fürthern ihren Wald geschenkt. Die nachfolgende Fassung stammt aus dem Buch “Das Ökosystem Wald” von Karl Albert:
Auf der Alten Veste (andere sagen: in der Burg in Altenberg) haben vor langen Zeiten zwei Ritterfräulein von Berg gewohnt. Sie gingen am Sonntag immer in die Kirche von Zirndorf. Als sie verhutzelt und vor Alter schon ganz krumm waren, da sind sie oft von jungen Zirndorfern ausgelacht worden, wenn sie zur Kirche kamen. Die Ritterfräulein haben sich über dieses dumme Gelächter und Gespotte recht geärgert; das kann sich jeder selbst denken. Sie haben sich daher überlegt, wie sie die Zirndorfer bestrafen könnten.
Die beiden Fräulein von Berg besaßen den großen Wald, die Fürberg. Den haben die Zirndorfer gern aufgesucht, um sich Holz, Steine und Lehm daraus zu holen. Nun sagten die Fräulein von Berg: "Wenn wir gestorben sind, soll der Wald den Fürthern gehören."
Seitdem gehört den Fürthern die "Fürberg". Dass sich die Zirndorfer über die beiden Fräulein von Berg sehr geärgert haben, kann man sich denken.
60 Jahre lang stritten die Fürther mit ihren Nachbargemeinden um die Nutzungsrechte am Wald. Im Jahr 1742 eskalierten die Streitigkeiten. Die Bauern aus Ober- und Unterfarrnbach sowie Atzenhof wollten ihre Ansprüche gewaltsam durchsetzen.
Mit 18 Wagen und beinahe 200 Mann kamen sie in die Fürberg und versuchten, Streu zu erbeuten. Dort trafen sie auf die Fürther, die das nicht zulassen wollten. Es kam zu einer blutigen Auseinandersetzung, in deren Verlauf die Fürther den Farrnbachern und Atzenhofern mehrere Ochsen, Pferde und Wagen pfändeten. Sie stellten sie in Fürth in zwei Gasthöfen unter, wo sie auch verpflegt wurden. Nur gegen Bezahlung für diese Zwangsversorgung sollten sie die rechtmäßigen Eigentümer zurückerhalten. Die sahen das aber nicht ein und weigerten sich, für ihr Hab und Gut zu zahlen. Da man sich nicht einigen konnte, verkauften die Fürther schließlich alles mit Verlust, um ihre Unkosten zu decken. Auf Gerichtsbeschluss mussten sie letztendlich auch noch den entstandenen Schaden ihren Nachbarn ersetzen.
1777 beendete ein Vergleich die Streitigkeiten um die Nutzungsrechte am Wald. Fürth verlor ein gutes Drittel des Waldes, den sogenannten Korporationswald. Damit bezeichnet man die Gebiete “Lehmgrube, Winterrangen, Sommerrangen und Pfalzwiese”. Diesen Teil musste die Stadt an die Nachbargemeinden Ober- und Unterfarrnbach sowie Atzenhof abtreten. Erst 1923, im Zuge der Eingemeindung, ging der Korporationswald wieder an die Stadt Fürth zurück.
Die Grenzsteine erzählen von der bewegten Vergangenheit des Stadtwalds. Sie spiegeln die wechselnden Besitzverhältnisse wider, die durch die Streitigkeiten mit den Nachbargemeinden entstanden waren. Oft wurde der Wald vermessen und seine Grenzen neu mit Grenzsteinen markiert.
Die ältesten dieser Steine stammen aus dem 18. Jahrhundert, einige aus der Zeit, in der Fürth den Korporationswald an die Nachbargemeinden abtreten musste. Die Grenzsteine tragen Jahreszahlen und unterschiedliche Signaturen:
- HMF: Hofmark Fürth; als Wappen der Hofmark ist ein dreiblättriges Kleeblatt in unterschiedlichen Ausführungen dargestellt. In abgewandelter Form existiert es noch heute im Wappen der Stadt Fürth.
- OUFGW: Ober- Unterfarrnbacher Gemeindewald
- ZD: Gemeindewald Zirndorf
Wer mit wachen Augen durch den Wald geht, kann diese Steine noch finden.
Weitere Informationen und Wandervorschläge entlang der alten Grenzen bietet das Buch “Grenzen und Grenzsteine”, von Dr. Karl Röttel, erschienen im Polygon-Verlag im Jahr 2000 (ISBN-10: 3928671278).