Fürth, 18. März 2026: Der Integrationsbeirat und das Büro für Migration und Vielfalt der Stadt Fürth sowie 37 weitere Organisationen und Initiativen aus Fürth warnen vor den schwerwiegenden Folgen der aktuellen Einschränkungen bei Integrationskursen. Die Entscheidung des Bundes wirkt sich unmittelbar auf die kommunale Realität aus – auf Teilnehmende, Lehrkräfte, Träger und ehrenamtliche Strukturen in unserer Stadt. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) will im Haushaltsjahr 2026 keine neuen Berechtigungen für Integrationskurse mehr ausstellen. Bereits seit Ende November werden keine freiwilligen Berechtigungsscheine mehr vergeben. Damit entfällt faktisch der reguläre Zugang für Asylsuchende, Geduldete, Geflüchtete aus der Ukraine sowie viele Unionsbürgerinnen und -bürger. Ein Zugang wäre künftig nur noch möglich, wenn Ausländer- oder Sozialbehörden zur Teilnahme verpflichten – oder wenn Betroffene die Kosten vielfach selbst tragen. Für viele Familien in Fürth schlicht nicht machbar. 

Integrationskurse sind Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe

Integrationskurse sind dabei Teil der kommunalen Infrastruktur. Sie vermitteln Deutschkenntnisse und grundlegende Orientierung in unserer Rechts- und Gesellschaftsordnung. Es sind diese Kurse, die es Menschen ermöglichen, mit Schulen zu sprechen, Termine bei Behörden wahrzunehmen, Arbeitsverträge zu verstehen und sich im Stadtteil einzubringen. Zudem sind Erstorientierungskurse keinerlei Ersatz für Integrationskurse. Sie führen weder zu einem anerkannten Sprachniveau noch zu einem Zertifikat, das für eine Ausbildung oder Arbeit notwendig ist. So schließt sich ein bitterer Kreis, aus dem Betroffene nur schwer aus eigener Kraft herausfinden.

Wenn Kurse ausfallen, spüren das Menschen und Wirtschaft

Die Einschränkungen destabilisieren das gesamte Kurssystem: Kurse kommen selbst für andere Teilnahmeberechtigte nicht zustande, weil Mindestteilnehmerzahlen nicht erreicht werden. Lehrkräfte verlieren Aufträge, Mitarbeitende müssen entlassen werden. Angebote werden reduziert oder eingestellt.
Nach der Streichung spezieller Frauenkurse und weiteren Haushaltskürzungen bereits im Mai 2025 droht nun ein weiterer Abbau über Jahre gewachsener Bildungs- und Netzwerkstrukturen. Für Fürther Kursträger bedeutet das massive Planungsunsicherheit – und irreparable Schäden an einem erfolgreichen Kurssystem, das sich kurzfristig nicht wieder aufbauen lässt.

Mehr Druck auf Ehrenamt und Kommune

In Fürth engagieren sich zahlreiche Ehrenamtliche in der Integrationsarbeit. Sie organisieren Sprachcafés, begleiten zu Terminen, helfen beim Ausfüllen von Formularen, politischer Bildung und sozialer Integration. Dieses Engagement ist stark – ist und darf aber kein Ersatz für staatlich finanzierte Kurse sein. Wenn professionelle Angebote zurückgehen, verschiebt sich Verantwortung dennoch in die Zivilgesellschaft, aber auch auf kommunale Stellen. Beratungsstellen benötigen mehr Zeit pro Fall, Bildungs- und Betreuungsstätte müssen Sprachdefizite stärker ausgleichen. Gleichzeitig verzögert sich die Arbeitsmarktintegration. Wer über Fachkräftemangel klagt, kann bei der Sprachförderung nicht den Rotstift ansetzen. Jede Verzögerung bedeutet längeren Leistungsbezug, geringere Steuer- und Beitragszahlungen und ungenutztes Qualifikationspotenzial. Was auf Bundesebene eingespart wird, führt vor Ort zu höherem Aufwand, steigender Belastung und langfristigen Folgekosten für die Kommune.

Fürther Organisationen fordern stabile Integrationskurse und gesicherte Strukturen

Integration ist keine abstrakte Debatte, sondern tägliche Praxis in Kitas, Schulen, Betrieben und Vereinen. Wer Sprachförderung einschränkt, erschwert Arbeitsmarktintegration, Bildungschancen, gesellschaftlichen Zusammenhalt und demokratische Prozesse. Der Integrationsbeirat, das Büro für Migration und Vielfalt der Stadt Fürth sowie die unterzeichnenden 37 Organisationen, Fraktionen und Initiativen fordern

  • den Bund auf, bestehende Strukturen nicht weiter zu schwächen und damit explizit
    eine Neubewertung der geplanten Einschränkungen sowie
  • eine nachhaltige, verlässliche und staatlich gesicherte Regelfinanzierung von
    Integrationskursen.

Eine starke Kommune lebt vom Miteinander, das nur durch gelungene Integration möglich ist.
Und dieses Miteinander braucht stabile Rahmenbedingungen für alle.

Liste der Fürther Organisationen und Initiativen:

Bildung

1. Sprachschule Maximum
2. vhs Fürth gGmbH
3. Evangelisches Bildungswerk Fürth e.V.
4. Diakoneo Education gGmbH, Berufsfachschule für Pflege Fürth

Verwaltung (Stadt Fürth und öffentliche Stellen)

5. Integrationsbeirat der Stadt Fürth
6. Büro für Migration und Vielfalt der Stadt Fürth
7. Bildungsbüro der Stadt Fürth
8. Amt für Sport und Gesundheitsförderung
9. Kinder- und Jugendhaus CATCH UP
10. Stabsstelle Integrationsmanagement und Gesamtkoordination Stadtteilnetzwerke
11. Quartiersmanagement "Innenstadt Fürth“
12. Quartiersbüro Spiegelfabrik, Koordiniertes Stadtteilnetzwerk Oststadt
13. ECHT FÜRTH – Kommunale Fachstelle für Jugendbeteiligung
14. Stadttheater Fürth
15. ELAN GmbH - Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft
16. Jobcenter Fürth

Soziales

17. AWO – Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Fürth-Stadt e.V.
18. Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Fürth e.V.
19. Internationaler Bund (IB), Internationaler Bund (IB) Süd
20. KJHZ (Kinder- und Jugendhilfezentrum)
21. Zentrum gegen Häusliche Gewalt Fürth
22. Soziales Zentrum / Wärmestube
23. integRO Mittelfranken
24. Mittelfränkischer Behindertenrat

Vereine / Initiativen / Netzwerke

25. Seebrücke Fürth
26. DeVi – Netzwerk für Demokratie und Vielfalt
27. Fürther Bündnis gegen Rechtsextremismus und Rassismus
28. AberEcht! – Verein für Inklusion und Diversität in Fürth, Franken und der Welt e.V.
29. Welthaus Fürth
30. Freiwilligen-Zentrum Fürth (FZF)
31. Zukunftsräume Fürth
32. Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) – Region Fürth
33. ver.di – Ortsverein Fürth Stadt & Land
34. DIG - Deutsch-Indische Gesellschaft
35. Bahá’í Gemeinde Fürth

Politik

36. Die Linke – Kreisverband Fürth
37. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Kreisverband Fürth
38. SPD Fürth
39. Freie Wähler Fürth

Kontakt für Rückfragen: 

Seden Kantarci
Integrationsbeirat der Stadt Fürth
kontaktnoSpam@noSpamintegrationsbeirat-fuerthnoSpam.de

Sabrina Wiest
Büro für Migration und Vielfalt der Stadt Fürth
intbnoSpam@noSpamfuerthnoSpam.de