© Stadt Fürth, Sadi
Schloss- und Grafengeschichte
Geschichte des Schloss Burgfarrnbach und der Grafen von Pückler-Limpurg.
Schlossgeschichte
Das Schloss Burgfarrnbach wurde zwischen 1830 und 1834 nach den Plänen des Königlich Bayerischen Bauinspektors Leonhard Schmidtner erbaut.
Adelssitz seit dem 14. Jahrhundert
Gemälde eines unbekannten Malers circa 1830
© Stadtarchiv Fürth, P 502
Bereits im 14. Jahrhundert ließ sich ein Adelsgeschlecht in Burgfarrnbach nieder. Als Karl Franz Pückler von Groditz 1676 Anna Cordula Freiin von Kresser heiratete, stand im westlichen Teil des heutigen Schlossparks ein Wasserschloss, das nach der Zerstörung von 1632 neu errichtet worden war. Nach seinem Tod kam es zu ersten Erbstreitigkeiten um den Burgfarrnbacher Besitz.
Bauleidenschaft im 18. Jahrhundert
Graf Christian, der zweite fränkische Pückler, prägte das Anwesen durch rege Bautätigkeit. Der barocke Marstall, die Toreinfahrt an der Würzburger Straße und der Gartenpavillon gehen auf ihn zurück. Auch die Rittergüter Brunn und Tanzenhaidt wurden ausgebaut. Sein Sohn Friedrich Philipp Karl errichtete später das Neue Schloss in Gaildorf, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.
Das klassizistische Schloss entsteht (1830–1834)
© Stadtarchiv Fürth
Anfang des 19. Jahrhunderts war das alte Wasserschloss kaum noch bewohnbar. Statt einer kostspieligen Sanierung entschied sich die vierte Generation der Pückler-Limpurg für einen Neubau. Zwischen 1830 und 1834 entstand unter Bauinspektor Leonhard Schmidtner das heutige Schloss – 70 Meter lang, mit über 80 Räumen. Es gilt als größte klassizistische Schlossanlage Süddeutschlands und bedeutendes Baudenkmal der Region.
Wohnsitz zweier Familienlinien
Das Schloss wurde in strenger Symmetrie angelegt und diente den gräflichen Familien der beiden Brüder Friedrich und Ludwig als Wohnsitz. Jede bewohnte einen eigenen Flügel; der große Festsaal in der Mitte wurde gemeinsam genutzt. Trotz ihrer Größe sind die Räume klassizistisch schlicht gehalten. Die Baukosten von rund 113.000 Gulden überstiegen die ursprünglichen Schätzungen deutlich, obwohl Baumaterial aus dem alten Wasserschloss wiederverwendet wurde.
Historischer Schlosspark
Schlosspark mit Pavillon
© Stadt Fürth, Sadi
Im Schlosspark befindet sich mit dem barocken Marstall das älteste erhaltene Gebäude der Anlage. Im Erdgeschoss gab es Platz für 28 Pferde, während die Belétage als Witwensitz und Gästequartier diente. Zwei Pavillons boten der gräflichen Familie im 19. Jahrhundert Rückzugsorte und sind bis heute beliebte Ruheplätze für Besucher.
Wandel nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach 1945 wurde das Schloss unterschiedlich genutzt, unter anderem als Flüchtlingslager und Übergangsheim. In den 1980er Jahren erwarb die Stadt Fürth das Anwesen, sanierte es umfassend und machte es der Öffentlichkeit wieder zugänglich. Heute beherbergt das Schloss Burgfarrnbach das Stadtarchiv mit Wissenschaftlicher Bibliothek.
Grafengeschichte
Die Grafen von Pückler-Limpurg waren über Generationen hinweg Herrscher über Land und Schloss. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts erlosch dieser Zweig der Familie.
Ursprünge eines schlesischen Adelsgeschlechts
Die Pückler von Groditz sind ein altes schlesisches Adelsgeschlecht, dessen Geschichte bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht. Bis etwa 1500 trugen sie den Namen “Pöckler”. 1559 erhielt Caspar von Groditz ein Ritterdiplom mit dem Greifen als Wappentier. 1655 wurde Georg Pückler von Groditz von Kaiser Ferdinand III. in den böhmischen Freiherrenstand erhoben.
Entstehung der fränkischen Linie
Karl Franz, Reichsgraf von Pückler, Freiherr von Groditz, Begründer der Burgfarrnbacher Linie der Grafen von Pückler
© Stadtarchiv Fürth, A 3771
Mit der Heirat von Karl Franz Freiherr Pückler von Groditz und Anna Cordula Freiin von Kresser im Jahr 1676 wurde Karl Franz Herr über Burgfarrnbach, Brunn und Tanzenhaidt – der Beginn der fränkischen Linie derer von Pückler. 1690 wurde er zum Reichsgrafen erhoben. Nach seinem Tod kam es zu ersten Erbstreitigkeiten. 1709 erhielt sein Sohn Christian den Lehensbrief für den Unteren Sitz, 1712 folgte der Obere Sitz.
Abriss des 1747 vom Markgrafen von Brandenburg-Ansbach an den Grafen von Pückler überlassenen Hochgerichtsbezirks Burgfarrnbach
© Stadtarchiv Fürth, K 116
Bedeutende Erweiterungen im 18. Jahrhundert
1734 entstand der barocke Marstall als Witwensitz und späterer Verwaltungssitz. Mit der Heirat von Graf Christian Wilhelm Karl und Caroline Christiane Gräfin von Löwenstein-Wertheim 1737 kam ein Anteil an der reichsständischen Grafschaft Limpurg hinzu. Das Familienwappen wurde um die limpurgischen Heerkolben ergänzt. Die drei Söhne des Paares bildeten später die erste Condominatsherrschaft.
Die zweite Condominatsherrschaft
Der älteste Sohn, Graf Friedrich, heiratete in zweiter Ehe Louise Ernestine von Gaisberg-Helfenberg. Aus dieser Verbindung gingen sieben Kinder hervor, darunter die Begründer der zweiten Condominatsherrschaft: Karl Alexander, Friedrich Karl Ludwig Franz und Ludwig Karl Maximilian.
Rechte und Pflichten der Reichsgrafen
Als Reichsgrafen waren die von Pückler-Limpurg direkt dem Kaiser unterstellt und hatten Sitz und Stimme im Reichstag. Auf ihren Besitzungen waren sie zugleich Patrimonialherren mit umfassender Gerichtsbarkeit – von der Entscheidung über zivile Streitigkeiten bis zur Ausübung der Hochgerichtsbarkeit. Entsprechend verfügte das Anwesen über Gefängnisräume, Waffen und Handschellen.
Neubau des klassizistischen Schlosses und Teilung der Linien
Mit dem Neubau des klassizistischen Schlosses ab 1830 zog sich Karl Alexander aus den Amtsgeschäften zurück und überließ seinen Brüdern gegen Rente die Herrschaft über Burgfarrnbach. Damit entwickelten sich zwei Linien:
- Die Linie Friedrich bewohnte den Ostflügel des neuen Schlosses. Der Enkel Karl verzichtete nach nicht standesgemäßer Heirat auf seine Stellung und den Besitz.
- Die Linie Ludwig brachte vierzehn Kinder hervor. Erbgraf wurde Ludwig August Karl Friedrich Ernst Georg, später Majoratsherr der limpurgischen Fideikommissgüter. Seine Töchter Anna und Sophie blieben als die letzten hier lebenden derer von Pückler Zeit ihres Lebens auf dem Familiensitz wohnen.
Das Ende der Linie Pückler-Limpurg
Gottfried Wilhelm Maximilian Graf von Pückler und Limpurg, letzter Graf des Hauses Burgfarrnbach
© Stadtarchiv Fürth, GF 915
Ludwigs Sohn, Graf Gottfried Wilhelm Maximilian, heiratete 1898 Prinzessin Adele zu Hohenlohe-Ingelfingen. Die Ehe blieb kinderlos.
Mit seinem Tod im Jahr 1957 erlosch die Linie der Grafen Pückler-Limpurg.