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Jakob-Wassermann-Literaturpreis 2026 der Stadt Fürth

Katja-Petrowskaja mit dunkler Kleidung steht zwischen blühenden gelben Sträuchern auf einer Wiese vor bewölktem Himmel

Katja Petrowskaja ist die Preisträgerin des Jakob-Wassermann-Literaturpreises 2026 und wird am 5. Juli ausgezeichnet.

Der Jakob-Wassermann-Literaturpreis der Stadt Fürth 2026 geht an die aus einer jüdisch-ukrainischen Familie stammende Schriftstellerin Katja Petrowskaja – laut Jury "in Anerkennung ihrer faszinierenden Erzählpoetik und aufrüttelnden Essayistik, die – um mit Jakob Wassermann zu sprechen – gegen die “Trägheit der Herzen” aufbegehrt."

Die Jury weiter: "Der Roman Vielleicht Esther (2014), Petrowskajas literarisches Debüt, folgt ihrer Familiengeschichte über mehrere Generationen und Schauplätze. Sie ist eng mit den Katastrophen der Zeit, mit Willkürherrschaft, Krieg und dem Holocaust verbunden. Persönliche Erinnerungen verknüpfen sich mit sorgfältigen Recherchen, die oft unter dem Vorbehalt des im Titel aufgerufenen ”vielleicht" stehen, dem Wissen um die Fülle der für immer ausgelöschten Spuren. Ihr Erzählgestus ist assoziativ und arbeitet mit ganz unterschiedlichen Sprachregistern, mit prägnanten Bildern, Nüchternheit und bitterer Ironie, die den Ungeheuerlichkeiten zu begegnen versuchen.
Mit ihrer Sammlung “Das Foto schaute mich an” (2022) hat sie eine höchst individuelle Gattung essayistischer Kolumnen über und anhand von Fotografien entwickelt – Zufallsfunden, Populärkultur, Persönlichem, Zeitgeschichtlichem –, anrührende Texte, die von der Brüchigkeit der Existenz erzählen. Ihr jüngster Band als wäre es vorbei. Texte aus dem Kriege (2025) vereint Kolumnen, die parallel zu den Ereignissen des verbrecherischen Angriffskrieges auf die Ukraine geschrieben wurden. Auch hier dient immer eine Fotografie als Ausgangspunkt, die sensibel kommentiert und reflektiert wird, im nie nachlassenden Bemühen, der Welt eine Annäherung an das Unvorstellbare zu ermöglichen. Und ja, es ist tatsächlich ein “Anschreiben gegen den Krieg”, wie es im Nachwort heißt, ein Beharren auf Menschlichkeit in finsteren Zeiten."

Biografisches

Katja Petrowskaja wurde am 3. Februar 1970 in Kiew geboren; sie studierte Literaturwissenschaft und Slawistik. 1999 zog sie nach Berlin, arbeitete als Journalistin und später auch als Autorin. Sie wurde mit dem renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis für ihr Werk Vielleicht Esther und dem Ernst-Toller-Preis ausgezeichnet und hielt 2025 die Laudatio zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Karl Schlögel. Ihre Werke erscheinen im Suhrkamp-Verlag.

Die Jury des Jakob-Wassermann-Literaturpreises

Die (stimmberechtigten) Mitglieder sind: Oberbürgermeister Thomas Jung; Kulturreferent Benedikt Döhla; Katharina Erlenwein, frühere Kulturredakteurin im Feuilleton der Nürnberger Nachrichten; Professor Dr. Sven Hanuschek, Bayerische Akademie der Schönen Künste; Professor Dr. Gunnar Och, Lehrstuhl Neuere Deutsche Literaturgeschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg; die Autorin und Kulturjournalistin Sabine Zaplin und Josef Brustmann, Autor, Musiker und Kabarettist.

Der Preis

Der Jakob-Wassermann-Literaturpreis der Stadt Fürth wird seit 1996 vergeben, um die Erinnerung an den bedeutenden Romancier zu pflegen, der 1873 in der Kleeblattstadt geboren wurde. Die Auszeichnung ist mit 10 000 Euro dotiert und soll in deutscher Sprache publizierende Autorinnen und Autoren würdigen, die sich wie Wassermann für Humanität, Toleranz und Gerechtigkeit einsetzen.

Bisherige Preisträgerinnen und Preisträger

Edgar Hilsenrath (1996), Hilde Domin (1999), Dagmar Nick (2002), Sten Nadolny (2004), Uwe Timm (2006), Robert Schindel (2007), Robert Schopflocher (2008), Feridun Zaimoglu (2010), Gerhard Roth (2012), Urs Widmer (posthum, 2014), Gila Lustiger (2016), Barbara Honigmann (2018), Clemens J. Seitz (2020) und Eva Menasse (2023).

Die Preisverleihung 2026 findet im Rahmen eines öffentlichen Festaktes am Sonntag, 5. Juli, 11 Uhr, im Stadttheater Fürth statt.
Der Eintritt ist frei.

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