© Stadtarchiv Fürth
Unbekannt (Deutsch?): Vanitas-Stillleben
18. Jh., Öl/ Holz, 34,0 x 25,5 cm, Städtische Sammlungen Fürth, Burgfarrnbach, X 816
Vanitas-Stillleben, 18. Jh., Öl/ Holz, 34,0 x 25,5 cm, Städtische Sammlungen Fürth, Burgfarrnbach, X 816
“Vanitas vanitatum et omnia vanitas” (Eitelkeit der Eitelkeiten – alles ist Eitelkeit) – so lautet der Schriftzug auf dem gesiegelten Blatt, das über eine Tischkante gelegt ist. Der Totenkopf darüber darf hier auch als Papierbeschwerer gesehen werden, wodurch ihm als einzigem Gegenstand auf dem Tisch eine Funktion zukommt.
Worum geht es bei diesem Sammelsurium von Gegenständen, die auf einem Tisch mit roter Seidendecke aufgetürmt werden? Es soll die Vergänglichkeit allen irdischen Strebens vor Augen geführt werden. Alle Objekte sind als Symbole der Vanitas zu deuten, stehen aber auch gleichzeitig für die fünf Sinne. Der Tisch selbst befindet sich vor einer Ruinenarchitektur, die zum Teil von Pflanzen überwuchert ist. Für den Gesichtssinn – das Sehvermögen – und gleichzeitig für die Vergänglichkeit von Schönheit steht der Spiegel. Aber auch die Bücher und der Globus sind mit dem Sehsinn in Verbindung zu bringen. Der verklungene Ton wird durch das Streichinstrument symbolisiert, der Rosenstrauß spielt sowohl auf den Geruchssinn als auch auf die Vergänglichkeit der Blumenpracht an.
Krone und Zepter sowie die Münzen können – in Nachbarschaft zum Totenkopf – sowohl die Vergänglichkeit von Ruhm und Reichtum als auch den Tastsinn versinnbildlichen. Letzterer wird überdeutlich mit der Gebetsschnur vor Augen geführt, bei deren Gebrauch die Perlen durch die Hand gleiten. Die noch verschlossene Flasche stünde dann für den Geschmackssinn. Ganz dem Thema Zeit widmen sich die Zeitmesser in Form von Sanduhr und Taschenuhr und für die Vergänglichkeit stehen zudem die verloschene Kerze und der zerbrochene Krug. Die nur angeschnitten wiedergegebene Statuette der Göttin Minerva oder Bellona weist haptische Werte auf, wodurch sie als Symbol des Tastsinns interpretiert werden darf. Aber ihre Akzeptanz als Gottheit verweist auch auf die Vergangenheit und damit auf die Vergänglichkeit pagan-göttlichen Ruhmes.
Die Komposition des kleinformatigen Gemäldes wird durch parallel geführte Diagonalen von links unten nach rechts oben dominiert. Sie ist farblich sehr gut ausgewogen und die Präzision, mit der die einzelnen Gegenstände wiedergegeben wurden, lädt zu genauerer und längerer Betrachtung ein.